Durchbruch bei Hautkrebs? - mRNA-Impfstoff gegen Hautkrebs: Das müssen Sie wissen


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Die US-Pharmakonzerne Moderna und Merck haben mitgeteilt, einen neuen wirksamen mRNA-Krebsimpfstoff entwickelt zu haben. Der individualisierte mRNA-Impfstoff gegen Hautkrebs verhindere nach der Tumorentfernung in einer grossen Studie besser als bisher, dass der Krebs zurückkehrt oder streut. In der Schweiz, die weltweit zu den Ländern mit der höchsten Hautkrebsrate zählt, erkranken jährlich rund 3300 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Wissenschaftsredaktorin Gina Buhl ordnet ein.

Gina Buhl

SRF-Wissenschaftsredaktorin

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Gina Buhl ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF mit den Schwerpunkten Stoffwechselerkrankungen, Ernährung, Sport und Gendermedizin.

Was kann dieser Impfstoff, was andere Therapien nicht können?

Er wird für jeden Tumor einzeln massgeschneidert. Auch beim schwarzen Hautkrebs trägt jeder Tumor eigene genetische Veränderungen, quasi einen individuellen Fingerabdruck, sogenannte Oberflächeneiweisse, die sich vom gesunden Gewebe unterscheiden. Damit das körpereigene Immunsystem übrig gebliebene Krebszellen erkennen und eliminieren kann, muss es genau diese Eiweisse erst kennenlernen. Deshalb wird der entfernte Tumor zuerst genetisch analysiert, um diese Merkmale zu finden. Daraus entsteht die persönliche Impfung, verabreicht zusammen mit einer bestehenden Immuntherapie. In einer kleineren, bereits ausgewerteten Studie von Anfang des Jahres senkte diese Kombination das Rückfallrisiko um fast die Hälfte, das Metastasenrisiko um knapp 60 Prozent.

Ist das ein Durchbruch in der Krebsforschung?

Ja, zumindest für die kleinere Vorstudie. Der Onkologe Roger von Moos, Direktor des Tumorzentrums am Kantonsspital Graubünden, sagt, dass diese mRNA-Technologie 20 Jahre im Dornröschenschlaf gelegen habe. Jetzt sei der Durchbruch gelungen. Der Grund: Erst die Kombination mit einer Immuntherapie gibt dem Immunsystem die nötige Kraft, den Tumor tatsächlich zu bekämpfen. Für die grosse Studie gilt das nicht. Dort fehlen die entscheidenden Zahlen.

Was heisst das konkret?

Zur grossen Studie mit über 1100 Patienten gibt es bislang nur eine Pressemitteilung: Die Studie habe ihr Ziel erreicht. Wie stark der Effekt ist, bleibt offen. Roger von Moos geht davon aus, dass es mit der Zulassung klappen werde. Die wichtigen Untersuchungsziele im Studienprotokoll seien erreicht worden. Das ist also ein positives Signal, auch wenn die genauen Zahlen fehlen. Die Resultate sollen erst im Herbst an einem Fachkongress veröffentlicht werden.

Leben Patienten dank diesem Impfstoff länger?

Das wissen wir noch nicht. Gemessen wurde bisher, ob der Krebs zurückkommt oder streut, nicht wie lange Betroffene leben. Der Onkologe gibt zu bedenken: Warte man mit einer Zulassung, bis Überlebensdaten vorliegen, nähme man vielen Patientinnen und Patienten die Chance, früher zu profitieren.

Könnte die Technologie auch bei anderen Krebsarten helfen?

Das Prinzip von mRNA ist, dass man sie flexibel auf ein bestimmtes Ziel programmieren kann, so wie bei den Covid-Impfstoffen auf das Coronavirus. Genauso liesse sich das im Grunde auch auf die Merkmale ganz anderer Tumorarten anpassen. Erste Studien laufen bereits bei Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs. Bestätigt sich das beim Hautkrebs, wäre das ein Signal für die Krebsmedizin insgesamt.

Wann könnten Patientinnen profitieren?

Eher in Jahren als in Monaten. Der Onkologe von Moos geht davon aus, dass es noch ein gutes Stück dauert, bis die Impfung hier in der Schweiz verfügbar und zugelassen sein werde. Die Auswahl an Tumor-Merkmalen ist standardisiert, das erleichtert die Herstellung. Die Zulassung dürfte in der Schweiz trotzdem länger dauern als in den USA.

Radio SRF 4 News, 20.08.2026, 16:10 Uhr ;  buhg