DVB-I in der Praxis testen: So verknüpft OpenATV 8.0.1 Sat-Empfang und Streaming

DVB-I ist ein neuer offener Standard, der die klassischen Übertragungswege, Satellit, Kabel und Terrestrik mit Streaming zusammenführt und deren Vorteile bündelt. Erstmals besteht die Möglichkeit, DVB-I in der Praxis auszuprobieren. Alles was es dazu braucht, ist eine Enigma-Box mit der neuen Version von OpenATV 8.0.1.
Was ist DVB-I und wie funktioniert das hybride Fernsehen?
DVB-I steht für Digital Video Broadcasting – Internet, also für „Digitales Internetfernsehen“. Genau genommen ist DVB-I kein neuer Übertragungsstandard, sondern eine Erweiterung, die den klassischen linearen Fernsehempfang und TV über das Internet so verknüpft, dass der Zuschauer gar nicht merkt, über welchen Weg er den gerade geschauten Sender empfängt. Alle Kanäle sind in einer gemeinsamen Senderliste zusammengefasst, womit zum Beispiel Satellit und Streaming bunt gemischt sind. Außerdem erkennt DVB-I den Ausfall eines Empfangswegs und schaltet automatisch zum Beispiel vom Satelliten zum Streaming um.
Mit DVB-I ist auch kein Sendersuchlauf mehr erforderlich, da die in DVB-I enthaltene Senderliste bereits alle erforderlichen Parameter enthält. Damit diese Liste aktuell bleibt, wird sie selbsttätig in regelmäßigen Abständen aktualisiert, womit sich der Nutzer um nichts mehr zu kümmern braucht.
Wie kann man DVB-I heute schon nutzen?
Künftig soll DVB-I Bestandteil von TV-Geräten werden, was ihre Inbetriebnahme und tägliche Nutzung erheblich vereinfachen und bequemer machen soll. Noch befindet sich DVB-I aber in der Einführungsphase, und es mangelt noch an Geräten, mit denen es nutzbar ist. Mit der Weiterentwicklung des für Enigma-Receiver nutzbaren alternativen Betriebssystems OpenATV 8.0 bietet sich erstmals die Gelegenheit, DVB-I selbst ausprobieren zu können – und zwar ohne, dass man sich ein neues Gerät kaufen müsste.

Wie kommt man zu DVB-I und OpenATV 8.0.1?
Die DVB-I-Funktionalität wurde erst Anfang Oktober in das neue OpenATV 8.0 implementiert. Konkret ist sie in den ab Kalenderwoche 41 veröffentlichten Versionen von OpenATV 8.0.1 enthalten. Selbst wenn man erst kürzlich OpenATV 8.0 auf seiner Box für den Empfang von DAB+ über Satellit und die Terrestrik installiert hat, sollte man ein erneutes Update nicht scheuen.

Wie bringt man DVB-I auf die Box?
Nachdem man eine aktuelle Version von OpenATV 8.0.1 auf die Box gebracht hat, ist noch das Plugin DVB-I-Manager zu installieren. Dazu ist zunächst die grüne Fernbedienungstaste zweimal zu drücken. Aus der nun eingeblendeten Liste ist „Erweiterungen“ zu wählen und in den gebotenen Optionen nach „dvbimanager“ Ausschau zu halten. Dazu gilt es ein Stück nach unten zu scrollen.

Die Auswahl ist mit OK zu bestätigen, worauf zunächst am rechten Rand der Erweiterungsliste ein kleiner grüner Kreis mit weißem Pfeil sichtbar wird. Er sagt aus, dass das Plugin für die Installation ausgewählt wurde. Der Download startet deshalb noch nicht, weil dem Nutzer die Gelegenheit gegeben wird, weitere Plugins auszuwählen, die anschließend alle gemeinsam installiert werden.
Zum Start des Downloads ist ein weiteres mal die grüne Taste zu betätigen, worauf man in einem eingeblendeten Fenster gefragt wird, ob das ausgewählte Plugin wirklich installiert werden soll. Im Auswahlmenü ist „Ja“ bereits vorausgewählt, weshalb es genügt, den Prozess mit OK zu starten. Der Download nimmt nur wenige Sekunden in Anspruch. Damit die Programmierung übernommen wird, ist die Box neu zu starten.

Wie aktiviert und konfiguriert man DVB-I?
Ruft man nun mit der grünen Taste noch einmal das Erweiterungsmenü auf, entdeckt man eine zusätzliche Kachel mit dem DVB-I-Manager, über den er zu konfigurieren ist. Zunächst ist in der Menüoberfläche „DVB-I-Sendersuche“ eine Länderauswahl zu treffen. Nachdem „Deutschland“ ausgewählt wurde, ist unter „Senderliste“ eine für den eigenen Wohnort passende auszuwählen. Die Namen der zur Wahl stehenden Listen verraten, dass es sich bei ihnen durchweg noch um Testszenarien und Listen für Vorführungen, etwa auf einschlägigen Messen, handelt. Entscheidend ist aber, dass sie durchaus funktionieren.
In der Folge kann eine Region ausgewählt werden. Mit dieser Zusatzinfo wird eine DVB-I-Senderliste erstellt, die gezielt auf den eigenen Wohnort zugeschnitten ist und auch die für diese Region relevanten Lokalsender mit berücksichtigt. Weiter kann man sich eine zusätzliche DVB-I-Senderliste erstellen lassen, wozu „Zusätzliche DVB-I-Bouquets erstellen“ auf „Ja“ zu stellen ist. Zuletzt sind die Eingaben mit der roten Taste zu speichern. Die DVB-I-Menüoberfläche bietet auch erweiterte Einstellungen, die gesondert aktiviert werden können; hier sind aber keine zusätzlichen Programmierungen erforderlich.

Nun entdeckt man in den TV-Bouquets eine zusätzlich angelegte Senderliste. Sie enthält nicht nur alle für die Region relevanten Stationen, sondern kommt bereits mit einer Vorsortierung, die sich übrigens den eigenen Wünschen entsprechend bequem und schnell anpassen lässt.
Wie verhält sich DVB-I im Praxisbetrieb (Notfall-Umschaltung)?
DVB-I ist nicht nur über die DVB-I-Senderliste aktiv, sondern auch über selbst generierte Listen – etwa über jene, die im Zuge eines Auto- oder Blindscans auf Astra 19,2 Grad Ost eingelesen wurden. Als Nachteil bei den selbst generierten Senderlisten kann empfunden werden, dass diese auch Sender enthalten können, die nicht von DVB-I unterstützt werden (vornehmlich ausländische Stationen).
Fällt das Satellitensignal aus – etwa, indem das Koaxialkabel von der Box abgeschraubt wurde –, stockt das Bild für ein bis zwei Sekunden und läuft anschließend weiter. Dabei kann ein geringfügiger Zeitversatz von wenigen Sekunden auffallen. Gewöhnlich ist diese Umschaltphase derart kurz, dass sie bestenfalls am Rande wahrgenommen wird.

Dass man nun über Streaming schaut, ist vor allem in der Infobox ersichtlich: Hier erscheint der Name des über Satellit empfangenen Programms zum Beispiel als „NDR FS HH HD“. Nachdem die Box per DVB-I auf Streaming gewechselt ist, kann man hier nun „ndr int.mpd“ lesen. Außerdem gibt es keine Anzeigen zur Signalstärke und -qualität. Auffallend ist weiter, dass der Stream mit einer anderen Auflösung kommen kann als das TV-Signal über Satellit, was der Qualität des eigenen Internetzugangs geschuldet ist. Erstaunlich: Einzelne öffentlich-rechtliche Kanäle bieten ihren Stream sogar mit voller HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel an, während sie über Satellit nur in Schmalspur-HD von 1.280 x 720 Pixel kommen. Ein weiteres Indiz für die Signalzuführung über das Internet ist der fehlende Teletext.
Stichwort Geoblocking
Streaming erlaubt Plattformen und Anbietern, den Zugang zu Inhalten punktgenau einzugrenzen. Das merkt man auch, wenn man die Vorteile von DVB-I im Ausland nutzen möchte. So ist es etwa in Österreich (weil Ausland) nicht möglich, den Live-Stream des Ersten über DVB-I zu nutzen, sollte der primäre Empfangsweg, wie der Satellit, ausfallen. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wird der Zugang nur recht eingeschränkt gestattet, wie etwa bei den Regionalnachrichten des SWR- oder HR-Fernsehens. Die Privatsender setzen einen ausgesprochen hohen Contentschutz ein. Er unterbindet nicht nur die Nutzung im Ausland, sondern verhindert auch, dass die Inhalte mit alternativen Playern, etwa VLC, angesehen werden können.

Wie sieht die Zukunft von DVB-I aus?
Dass DVB-I grundsätzlich das Fernsehen vereinfacht, liegt auf der Hand. Allerdings hilft es auch, neue Mauern zu errichten. Denn grenzüberschreitendes Fernsehen scheint damit in weite Ferne zu rücken. Unter der Berücksichtigung, dass Geoblocking beim TV-Streaming seit Jahren Alltag ist, dürfte DVB-I stets eine nationale Angelegenheit werden, die nur eine stark eingeschränkte Anzahl an Kanälen zugänglich macht.
Fazit
DVB-I macht das Fernsehen definitiv einfacher. Es vereint die herkömmliche TV-Verbreitung mit Streaming in bislang nicht gekannter Qualität. Der Nutzen liegt auf der Hand. Fällt im Sommer während eines starken Gewitters der Satellitenempfang aus, kann man trotzdem weiter schauen. Nach einer kurzen Unterbrechung sorgt DVB-I dafür, dass das Signal über das Internet bezogen wird. Dasselbe etwa im Winter, wenn die Schüssel zugeschneit ist. Zudem sorgt DVB-I dafür, dass man die für den eigenen Wohnort relevanten Lokalsender leicht findet und nutzen kann.
OpenATV 8.0.1 bietet die erste Gelegenheit, DVB-I überhaupt nutzen zu können. Damit ist man mit einer separaten Enigma-Box empfangstechnisch einmal mehr den Tunern der TV-Geräte voraus.
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