Wassersparen in Zürich: Warum die Stadt dank einer Fehlprognose keine Engpässe kennt


Publiziert15. August 2026, 11:50

TrockenheitEine Fehlprognose aus den 60ern rettet Zürich vor Wasserproblemen

Mehr als eine Million Menschen hängen am Zürcher Wassernetz. Trotz Trockenheit ist noch reichlich Luft nach oben. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben.

Jasmin Steiger

Darum gehts

Während rund 200 Schweizer Gemeinden wegen der anhaltenden Trockenheit zum Wassersparen aufrufen, hat Zürich ein Problem weniger, wie «RSI» schreibt. Ausgerechnet eine Fehlprognose aus den 1960er-Jahren sorgt heute dafür, dass das Zürcher Wassernetz mehr als genug Kapazität hat.

Damals seien die Verantwortlichen davon ausgegangen, dass der Wasserverbrauch in der Stadt künftig stark steigen würde. Tatsächlich zeigte die Kurve nach oben, zudem rechnete man mit der Ansiedlung weiterer Industriebetriebe. Also baute Zürich sein Wassernetz kräftig aus.

Zürcher Netz beliefert 67 weitere Gemeinden

Bis in die 1980er-Jahre entstand eine Infrastruktur, die bis zu 500'000 Kubikmeter Wasser pro Tag liefern kann. Aber es kam anders als erwartet: Neue Industriebetriebe blieben aus, bestehende Unternehmen verliessen die Stadt und der Wasserverbrauch ging zurück.

Was sich später als überdimensioniert herausstellte, kommt Zürich jetzt zugute, wie «RSI» schreibt. Im Sommer 2026 würden täglich etwas mehr als 200'000 Kubikmeter Wasser verbraucht. Das Netz könnte also mehr als doppelt so viel bewältigen. Und das, obwohl längst nicht nur die rund 450'000 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt damit versorgt werden. Das Zürcher Netz beliefere auch 67 weitere Gemeinden bis in den Kanton Zug. Insgesamt würden also mehr als eine Million Menschen ihr Wasser darüber erhalten.

Zurzeit werden drei Pumpen gleichzeitig eingesetzt

Ganz spurlos gehe die aktuelle Trockenheit aber auch an Zürich nicht vorbei. «Auch wir spüren die Auswirkungen der Dürre», sagt Adrian Rieder, Leiter der Wasserverteilung, gegenüber «RSI». Das Problem sei aber nicht zu wenig Wasser, sondern der höhere Wasserverbrauch. Normalerweise reiche etwa eine Pumpe, um die Reservoirs zu füllen. Zurzeit müssten teilweise drei gleichzeitig eingesetzt werden.

Wie gehst du persönlich mit dem Thema Wassersparen um?

Ich spare aktiv Wasser, wo immer es geht.

Ich achte darauf, aber mache mir keine grossen Gedanken.

Ich habe das Gefühl, dass mein Beitrag kaum etwas ändert.

Wassersparen ist für mich kein Thema.

Ich bin mir der Problematik bewusst, ändere mein Verhalten aber nicht.

Rund 70 Prozent des Zürcher Trinkwassers stammen aus dem Zürichsee. Dieser sei ein hervorragendes Wasserreservoir, erklärt Rieder. Einschränkungen bei der Wasserversorgung sind deshalb derzeit nicht nötig.

Und die damalige Fehlprognose dürfte sich noch länger auszahlen: Bis 2070 soll der tägliche Wasserverbrauch auf rund 350'000 Kubikmeter ansteigen. Damit läge der Verbrauch auch dann noch deutlich unter der heutigen Kapazität von 500'000 Kubikmetern pro Tag.

Jasmin Steiger

Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.

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