Eintracht: Nicht mehr als ein zarter Anfang
Stand: 18.10.2026, 13:09 Uhr
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Eintracht Frankfurt gewinnt mühsam 1:0 gegen den 1. FC Köln und beendet eine lange Durststrecke zu Hause. Robin Koch steht seinen Mann, Younes Ebnoutalib trifft zum fünften Mal.
Bevor dann eine letzte Frage zur Renaissance der Leitfigur Robin Koch gestellt werden konnte, war Feierabend. Ende, aus, Micky Maus. Ein durchdringendes Warnsignal flutete alle Bereiche des Waldstadions, auch den PK-Raum, in dem Adi Hütter gerade seine zuvor angezählte und verunsicherte Mannschaft für eine wehrhafte Leistung beim 1:0-Malochersieg über den 1. FC Köln lobte. Nicht über den grünen Klee, aber doch nachdrücklich.

Die mechanische Ansage vom Band ließ aber keinen Zweifel darüber aufkommen, dass der Abend in der Arena für alle Besucher vorzeitig enden würde. „Sehr geehrte Damen und Herren, wegen einer technischen Störung in unserem Hause bitten wir Sie, das Gebäude zügig zu verlassen.“ Adi Hütter, gut gelaunt, grinste sich einen: „Das haben wir gut eingefädelt.“ Sprach’s und entschwand in die Katakomben.
Heimsieg gegen Köln glättet die Wogen bei Eintracht Frankfurt
Draußen fuhr die Feuerwehr vor und eine Viertelstunde später wieder ab. Presseprecher Bartosz Niedzwiedzki klärte noch später auf: „Es handelte sich um einen Fehlalarm.“ Und fügte augenzwinkernd an: „Also keine Alarmstimmung bei der Eintracht.“ Das war vor einer Woche noch ganz anders, da geriet die Eintracht in Leipzig böse unter die Räder. „Alarmstufe Rot“, hieß es hier an dieser Stelle. Jetzt trug das nackte Resultat zur kollektiven Entspannung bei.
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Durch das gerechte, aber dünne 1:0 ist erst einmal Ruhe im Karton. Bei einer Niederlage hätte der Baum gebrannt. Lichterloh. Und das direkt vor der mit einiger Spannung erwarteten Mitgliederversammlung am Montagabend in der Jahrhunderthalle. Da wäre ordentlich Druck auf dem Kessel gewesen. Der ist jetzt entwichen. Aufatmen in Frankfurt.
Auch bei Axel Hellmann, dem Vorstandssprecher, der seine einstündige Rede im Falle einer abermaligen Pleite sicherlich an der einen oder anderen Stelle hätte modifizieren müssen. So aber wird er nur eine kleine Passage zu Kapitän Robin Koch einstreuen. „Robin hat ein Sonderlob verdient.“
Es war eine Woche zwischen den Extremen, die Robin Koch erlebte. In Leipzig war er das Sinnbild des Zusammenbruchs, gegen Köln das Sinnbild der sportlichen Auferstehung. Mal oben, mal unten. Mal Himmel, mal Hölle. Binnen sechs Tagen. Einmal durch die Mangel gedreht, und den Kopf nicht verloren. „Robin hat ein überragendes Spiel gemacht – nach so einer Woche, Hut ab vor seiner Leistung“, urteilte Sportvorstand Markus Krösche.
Der 30-Jährige verteidigte in der Tat sehr aufmerksam, gewann am Boden die meisten Duelle, in der Luft jedes, ging voran, war zupackend und aggressiv. So, wie ein Anführer auftreten muss. „Es war keine einfache Woche für mich“, sagte der Routinier. Was Wunder, bei der RB‑Demontage war er erst vom Trainer ausgewechselt und dann abgemeiert worden.
Kapitän Robin Koch: „Es ist nie schön, so viel über sich zu lesen“
Das mediale Echo war gewaltig, dröhnte über Robin Koch hinweg. „Es ist nie schön, in der Presse so viel über sich zu lesen“, sagt der Kaiserslauterner. Vor allem, wenn da wenig Gutes steht. „Aber das gehört zum Fußball dazu“, befindet er beschwichtigend. „Wichtig ist, im Kopf klar zu bleiben.“ Auch eine Leistung, vielleicht die größte.
Ganz interessant: Adi Hütter hatte seinen Leitwolf in gewisser Hinsicht vorgewarnt. „Er hat vor der Saison zu mir gesagt: ‚Wenn wir eine schwierige Phase haben, geht es zuerst an die Führungsspieler und an den Captain.‘“ Der Ex-Nationalspieler hat das mannhaft hingenommen: „Ich bin froh, dass ich es abbekommen habe und nicht irgendein Schwächerer. Das ist für mich absolut in Ordnung. Es ist wichtig, eine Reaktion zu zeigen. Das haben wir gemacht, das habe ich gemacht.“
Ein erlösendes Erlebnis also für den Spielführer. Und auch ein guter Abend für den Trainer, der mit seiner ungewöhnlichen und riskanten Erziehungsmaßnahme Erfolg und das Richtige bewirkt hatte. Entscheidend in diesem Zusammenhang auch, dass Adi Hütter klar signalisierte, seinen Weg konsequent zu beschreiten und keine faulen Kompromisse einzugehen.
Er hat sein Exempel nicht an einem „kleinen“ Mitglied der Gruppe statuiert, das in der Hierarchie irgendwo rangiert. Er hat sich den Mannschaftsführer mit exponierter Stellung ausgeguckt, um das Leistungsprinzip als oberste Maxime zu verankern. Nichts geht darüber. Der 56-Jährige hat aber genauso gezeigt, dass er niemanden verdammt oder fallenlässt, sondern die Hand reicht und Vertrauen schenkt. Nicht ganz unwichtig für Can Uzun, der gegen Köln nicht spielte und auf dem Weg in die Sackgasse scheint. Auch da liegt es nur am Spieler selbst.
Der Sieg gegen die Rheinländer war für die Eintracht gleichwohl nicht mehr als ein zarter Anfang, ein erster Minischritt auf dem Pfad aus dem Tal nach oben. Die drei Punkte haben für den Moment außerordentliche Wirkung, weil sie die fortwährende Unruhe bekämpfen. Was sie dauerhaft bewirken? Seriös nicht zu beantworten.
Und in Dortmund wieder Prügelknabe?
Der Auftritt behält aber ein paar klare Fingerzeige bereit. Erstens: Die Eintracht kann noch zu Hause gewinnen, erstmals seit März dieses Jahres. Da gelang ihr, zweitens, auch das letzte zu Null, damals wie heute 1:0. Drittens: Nationalspieler Younes Ebnoutalib, der Frankfurter Junge mit der von Hütter geforderten 0-6-9-Mentalität, ist zurzeit der Unterschiedspieler, machte den Siegtreffer und hat schon fünf Tore auf dem Konto. Ohne ihn geht nix.
Und, viertens: Die Mannschaft kann sich wehren, lief mehr als der Gegner, gewann mehr Zweikämpfe, knickte nicht ein, blieb standhaft, resilient. „Es ging darum, erwachsen und männlich zu spielen“, sagt Torwart Noah Atubolu nach dem „dreckigen Sieg“ in seinem 100. Bundesligaspiel. Das hat gegen Köln gereicht, und mehr ist momentan wohl nicht drin. Doch schon am Samstag wird das zu wenig sein, dann geht es nach Dortmund. Dort präsentiert sich die Eintracht gerne mal als Prügelknabe. Wie in Leipzig.