„Ekelhaft“: Tradition um Kult-Tram in München nervt Fahrgäste
Stand: 07.08.2026, 08:00 Uhr
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Die Münchner fahren auf die Bade-Tram ab. Die feuchtfröhliche Fahrt der Eisbachschwimmer auf der Linie 16 hat seit Generationen Tradition in der Stadt und ist längst Kult. Jetzt haben auch die sozialen Medien das Phänomen entdeckt: Interessierte aus aller Welt verfolgen und feiern das sommerliche Treiben am Eisbach. Andere ärgert‘s.
Haltestelle Tivolistraße. Hier stehen zig Wasserratten in Bikini und Badehose in diesen heißen Sommertagen dicht an dicht und warten auf die Tram. Die Stimmung ist gut, die Vorfreude aufs kühle Nass groß. Nur zwei Haltestellen bachaufwärts steigen die Schwimmer aus, um sich von der Strömung durch den Englischen Garten wieder zurück zum Ausgangspunkt treiben zu lassen.
„Bade-Tram“ am Englischen Garten in München ist sehr beliebt – doch sie sorgt auch für Frust
Der Einstieg in den Bach ist an der Fußgängerbrücke hinter der großen Eisbachwelle nahe dem Haus der Kunst. Nach ein paar hundert Metern kommt die kleine Eisbachwelle (Dianabadschwelle). Die meisten steigen davor aus dem Bach aus, gehen zu Fuß weiter, hüpfen danach wieder rein. Manche lassen sich auch durchtreiben – im Wissen, dass Surfer Vorrang haben.

Knapp einen Kilometer und – je nach Strömung – 15 bis 25 Minuten dauert der Badespaß. Spätestens vor der Tivolibrücke müssen die Schwimmer auf der linken Seite über Leitern aussteigen. Denn dahinter kommt nach 60 bis 70 Metern eine Wehranlage mit einer gefährlichen Wasserwalze. Es droht Lebensgefahr! Überhaupt und ganz grundsätzlich: Offiziell ist das Baden im Eisbach wegen der starken Strömung verboten – auch, wenn dieses Verbot nicht streng durchgesetzt wird.

Der Ansturm auf den Eisbach und die Bade-Tram ist dennoch riesig. Wie Ölsardinen in der Dose stehen die Eisbachschwimmer dicht gedrängt in der Straßenbahn. Das gefällt nicht jedem. Die wenigen (bekleideten) Fahrgäste atmen auf, als die Tram die nasse Meute an der Haltestelle Nationalmuseum/Haus der Kunst ausspuckt. „Zu viele Menschen. Ich muss mich jeden Tag durch die Tram kämpfen“, schreibt eine geplagte Anwohnerin im Netz. „Ekelhaft“ ist zu lesen. Andere fühlen sich indes an ihre eigene Jugend erinnert: „Wir haben das in den 70er-Jahren erfunden“, schreibt eine Frau. Damals habe es noch hölzerne Sitze gegeben. Gepolsterte Stoffsitze durch nasse Badekleidung – für viele Kritiker heute das größte Ärgernis, obwohl Sitzen in Badekleidung nicht erlaubt ist. Doch es gibt auch Lob für die MVG: „ÖPNV der Herzen“.

In der Tat fährt die Münchner Verkehrsgesellschaft bei der Bade-Tram einen moderaten Kurs. „Liebe Eisbach-Schwimmer*innen, wir verstehen, dass es richtig Spaß macht, mit der Tram zurückzufahren“, wendet sich die MVG im Internet an die Badefahrgäste. Doch für sie gelten die selben Regeln wie für andere auch: Ein gültiges Ticket ist Pflicht, Rücksichtnahme auf die anderen Fahrgäste versteht sich von selbst. „Dazu zählt auch, die Polstersitze nicht zu durchnässen und den Boden nicht unter Wasser zu setzen. Solange sich alle an die Regeln halten, gibt es keinen Grund, etwas daran zu ändern“, sagt ein Sprecher auf Anfrage.