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„Superestrella“ – das ist Spanisch und bedeutet Superstar. Mit dem gleichnamigen Lied landete die Sängerin Aitana in diesem Sommer einen Hit, der kurzerhand zum Weltmeister-Song des Landes aufstieg. Tausende feierten zu Beginn dieser Woche zu diesem Ohrwurm auf den Straßen von Madrid ihre Helden. Und weil man weiß, wie Social Media funktioniert, sprang auch der neue spanischsprachige Instagram-Account von Borussia Dortmund auf den Hypezug auf.
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Pierre-Emerick Aubameyang, Erling Haaland, Henrikh Mkhitaryan, Mats Hummels, Nico Schlotterbeck, Achraf Hakimi und Marco Reus – sie alle wippen und viben in dem veröffentlichten Clip zum spanischen Schlager. Dazu zitiert der Klub eine Liedzeile: „Es ist nicht einfach, sich in einen Superstar zu verlieben.“ Was als charmanter Marketing-Gag daherkommt, entlarvt bei genauerem Hinsehen ein Dilemma: Die Highlight-Rolle spielen überwiegend Ehemalige. Im aktuellen Kader müsste die Kamera abgesehen von Schlotterbeck lange suchen, um überhaupt einen Superestrella ins Bild zu bekommen.

Planen die BVB-Zukunft: (von links) die Geschäftsführer Lars Ricken und Carsten Kramer, Trainer Niko Kovač und Sportdirektor Ole Book.© Bernd Thissen/dpa | Bernd Thissen
Vor dem Start der Asienreise am Sonntag gilt für den BVB deshalb, was auch die Casting-Shows dieser Welt beschäftigt: Dortmund sucht den Superstar.
Welcher BVB-Star hat noch die ganz große Strahlkraft?
Am Jurytisch sitzen Boss Carsten Cramer, Sport-Entscheider Lars Ricken, Perlentaucher Ole Book und Cheftrainer Niko Kovac. Ihre Aufgabe: gemeinsam die nächsten Stars casten. Neben Transfer-Ziel Konstantinos Karetsas (18, Genk) wagten sie zuletzt einen weiteren Vorstoß – und zwar in Köln: Für Said El Mala (19) sollen die Dortmunder ein Angebot abgegeben haben, das im Gesamtpaket bei rund 40 Millionen Euro liegt. Laut Bild betrage die Fixsumme 34 Millionen Euro, weitere 6 Millionen könnten über Boni fließen.

Kölns Said El Mala ist beim BVB im Gespräch.© Getty | Koepsel
Doch der BVB blitzte sofort ab. Der FC ruft für El Mala mindestens 50 Millionen Euro auf – auch wenn der Youngster und seine Familie einem Wechsel in den Pott offen gegenüberstehen. Trotzdem zeigt der Vorstoß: In Dortmund wird derzeit viel probiert. Und viel probieren muss man auch.
Nun ist schließlich auch Karim Adeyemi samt berühmter Frau Loredana in Richtung Barcelona gezogen, Julian Brandt ablösefrei weitergewandert. Marco Reus und Mats Hummels sind ohnehin längst Geschichte und die nächsten Erling Haalands, Jude Bellinghams oder Jadon Sanchos aktuell nicht da. Bleibt also die Frage: Welcher Profi wird auf der Japan-Tour eigentlich zum größten Publikumsmagneten?
Jobe Bellingham dürfte zu den verbliebenen Zugpferden zählen. Zumindest objektiv hat er mit 4,1 Millionen die meisten Instagram-Follower im Tross. Vielleicht WM-Durchstarter Felix Nmecha. Oder Serhou Guirassy? Schon verrückt, dass bei der Suche nach einer Antwort sogar ernsthaft der Name Takato Yamamoto fällt.
Der 18-jährige Japaner, von Gamba Osaka für die wohl bemerkt zweite Mannschaft geholt, überraschte beim ersten Test-Auftritt gegen Rot-Weiß Oberhausen (3:1) und darf auch als PR-Move mit in seine Heimat reisen. Mit Nico Schlotterbeck und Emre Can fehlen zwei große Namen verletzt. Ansonsten ist die Mannschaft von Kovac zwar sportlich interessant, doch die internationale Strahlkraft fehlt vielen Spielern eben (noch). Eine Lage, die langfristig zum größeren Problem werden könnte.

Ach, Mensch, was für Zeiten: Jude Bellingham, Jadon Sancho, Erling Haaland und Marco Reus beim gemeinsamen Torjubel.© dpa | Gambarini
Es ist ja kein Zufall, dass vielen Fans in der vergangenen Saison das Spektakel fehlte. Denn Spektakel liefern spektakuläre Spieler – und die sind im aktuellen BVB-Kader rar gesät. Die großen Fantasieversprechen für die Zukunft brauchen noch Zeit zum Reifen.
BVB-Marktwert ist vorerst wieder gefallen
Schon vor zwei Jahren, damals unter Nuri Sahin, ging es auf Asienreise. Zu den beliebtesten Spielern zählten seinerzeit Adeyemi und Brandt – allein wegen ihrer Anime-Verbindung zur japanischen TV-Serie „One Piece“. Dortmunds ursprüngliche Transfer-Strategie hat einst bewiesen: Wer früh scoutet und junge, hochveranlagte Talente formt, kann sich seine Superstars selbst produzieren. Genau auf diesen Weg wollen Ricken und Book als neue Sportspitze zurück. Doch langsam wächst der Druck, die nächsten wirklich zu liefern.
Im Marktwert-Ranking von transfermarkt.de ist Dortmund zuletzt wieder unter die 500-Millionen-Marke gerutscht – weit hinter Bayer Leverkusen, RB Leipzig und natürlich den FC Bayern reicht es vorbehaltlich weiterer Zugänge nur zu Platz vier.
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Den zweiten Leuchtturmrang hinter dem Rekordmeister wird der Borussia vorerst keiner der Konkurrenten streitig machen. Immerhin war der Klub als zweiter deutscher Vertreter bei der Klub-WM vor einem Jahr dabei und spielt seit elf Jahren durchgängig in der Champions League. Und doch droht der BVB abzurutschen – gerade in einer Zeit, in der Superstars wie Mbappé, Haaland oder Ronaldo die Herzen vieler junger Fans stärker elektrisieren als ein Verein.
„Graue Maus, Mittelmaß, Durchschnitt, Gleichgültigkeit, Selbstgefälligkeit – das sind Begriffe, die nicht mit uns in Verbindung gebracht werden dürfen“, sagte Carsten Cramer vor einiger Zeit, als er diese Redaktion besuchte. Dafür muss der BVB aufrüsten und neue Stars entweder produzieren oder kaufen. Mit Karetsas und El Mala sollen zwei Juwele kommen. Aber klappt das bis Asien?