Weiße Haie im Mittelmeer? Forscher mit brisanter Prognose wegen Klimawandel: Das müssen Urlauber wissen
El Niño treibt Weiße Haie in neue Gewässer – Breiten sie sich auch im Mittelmeer aus?
Stand: 16.08.2026, 06:24 Uhr
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Wegen des Klimawandels dringen Haie in neue Gebiete vor. Auch das Mittelmeer erlebt deutliche Veränderungen. Gefährliche Arten breiten sich zunehmend aus.
Weiße Haie vor beliebten Badestränden – diese Vorstellung dürfte viele Urlauberinnen und Urlauber beunruhigen. Tatsächlich warnten die Behörden des US-Bundesstaates Kalifornien kürzlich vor einer erwarteten Ausbreitung junger Weißer Haie entlang der Südküste. Ursache sei das Wetterphänomen El Niño: Steigende Wassertemperaturen verschieben das bevorzugte Verbreitungsgebiet der Tiere von Mexiko weiter nach Norden, sodass sie länger in kalifornischen Küstengewässern bleiben.
Die Meldung wirft eine naheliegende Frage auf: Könnte sich ein ähnlicher Effekt auch im Mittelmeer zeigen? Schließlich waren Ende Juni rund 80 Prozent der Weltmeere von marinen Hitzewellen betroffen. Das Mittelmeer entwickelte sich nach Angaben des Copernicus Marine Service erneut zu einem Hotspot. Die Weltorganisation für Meteorologie rechnet zudem zwischen August und Oktober mit einem starken El-Niño-Ereignis, das vor allem Südeuropa zusätzlich aufheizen dürfte.
El Niño treibt Weiße Haie in neue Gewässer – Breiten sie sich auch im Mittelmeer aus?
Tatsächlich gehören Haie seit Millionen Jahren zu den Bewohnern des Mittelmeers. Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN leben dort 47 Haiarten, 38 Rochenarten und eine Chimärenart. Viele davon sind stark bedroht. Begegnungen mit Menschen sind allerdings äußerst selten. Nach Angaben der griechischen Meeresschutzorganisation iSea sind die meisten Arten harmlos oder meiden Menschen. Auch Weiße Haie gehören dazu. Ihre wichtigsten Lebensräume liegen weit entfernt von den klassischen Urlaubsstränden. Die Fortpflanzungsgebiete des großen Räubers befinden sich nach einer Auswertung von Haiforschern der IUCN unter anderem in der Straße von Sizilien zwischen Italien, Malta, Libyen und Tunesien. Auch in der Edremit-Bucht in der nördlichen Ägäis vor der türkischen Küste laichen Weiße Haie.
Doch bedeutet die Erwärmung des Mittelmeers nun, dass sich Haie künftig stärker ausbreiten könnten? Dafür gibt es nach Einschätzung von Ernesto Azzurro vom italienischen Nationalen Forschungsrat CNR-IRBIM in Ancona derzeit keine belastbaren Hinweise. „Beobachtungen dieser Art sind so selten, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichen, um solche Hypothesen zu überprüfen“, sagt der Meeresbiologe auf Anfrage unserer Redaktion. Es gebe also nicht ausreichend Informationen über die Auswirkungen des Klimawandels auf die im Mittelmeer lebenden Haie. „Aber wir können davon ausgehen, dass alle Haiarten vom Klimawandel betroffen sein können“, so Azzurro weiter. Ohne fundierte Daten seien konkrete Vorhersagen über die Population nicht möglich.
Während sich damit momentan keine klimabedingte Ausbreitung von Haien im Mittelmeer belegen lässt, beobachten Forschende eine andere deutliche Entwicklung: Immer mehr tropische Arten breiten sich in den warmen Gewässern aus, was teils erhebliche Folgen für Mensch und Umwelt hat. „Mit mehr als tausend nachgewiesenen nicht heimischen Arten, von denen sich mittlerweile rund achthundert dauerhaft etabliert haben, ist das Einzugsgebiet [gemeint: Mittelmeer] zu einem Hotspot für invasive Arten geworden”, erklärt Azzurro. Viele dieser Organismen profitierten von steigenden Wassertemperaturen und einem höheren Salzgehalt.
Besonders im Fokus stehen derzeit vier Arten: der bis zu 1,10 Meter lange Hasenkopf-Kugelfisch mit seinem silbernen Seitenstreifen, der orange-weiß gestreifte Rotfeuerfisch mit 18 Giftstacheln sowie die beiden olivbraunen Kaninchenfische Siganus luridus und Siganus rivulatus, die ebenfalls giftige Flossenstacheln besitzen. Der Hasenkopf-Kugelfisch kommt inzwischen fast in allen griechischen Meeresregionen vor und tritt neben der weiteren Ägäis zunehmend auch in Süditalien, Malta, der südlichen Adria sowie vereinzelt in Frankreich und Spanien auf. Währenddessen breitet sich der Rotfeuerfisch ebenfalls vom östlichen Mittelmeer nach Westen aus. Die Kaninchenfische hingegen besiedeln vor allem flache Küstengewässer mit Felsen, Algen und Seegras.
In Italien macht die Kampagne „Vorsicht vor diesen 4!“ aktuell auf die vier invasiven Arten aufmerksam. In Griechenland, Zypern und der Türkei erhalten Berufsfischer inzwischen ein Kopfgeld für den Hasenkopf-Kugelfisch. Denn die invasive Art besitzt kräftige Zähne und enthält ein starkes Nervengift, das auch durch Kochen nicht zerstört wird. Zwischen 2004 und 2023 wurden im östlichen Mittelmeer 144 Vergiftungsfälle dokumentiert, 27 Menschen starben. Dennoch sieht die griechische Meeresbiologin Panagiota Peristeraki keinen Grund zur Panik am Strand. „Er geht Menschen normalerweise aus dem Weg“, sagt die Wissenschaftlerin vom Institut für Meeresbiologische Ressourcen und Binnengewässer des HCMR über den Hasenkopf-Kugelfisch. Falls es aber zu einem Biss kommt, sollte die Wunde mit Wasser und Seife gereinigt werden. Zudem wird ein Arztbesuch empfohlen.
Noch größere Sorgen bereiten Forschenden die ökologischen Folgen der invasiven Arten. Azzurro bezeichnet den Rotfeuerfisch als die größte Bedrohung für die Ökosysteme des Mittelmeers. Als effizienter Räuber könne er heimische Fischbestände deutlich beeinträchtigen – darunter auch Jungfische wirtschaftlich wichtiger Arten. Die beiden Kaninchenfische verändern nach seinen Angaben hingegen ganze Küstenlandschaften. Durch ihren starken Fraßdruck auf Algen könnten sie felsige Meeresböden in karge „Unterwasserwüsten“ verwandeln und damit Lebensräume dauerhaft schädigen.
Nach Einschätzung des Forschers dürfte sich dieser Trend in den kommenden Jahren sogar noch verstärken. Arten wie der Hasenkopf-Kugelfisch und der Rotfeuerfisch werden sich voraussichtlich weiter in Richtung des zentralen und westlichen Mittelmeers ausbreiten. Modelle und Beobachtungen deuteten darauf hin, dass die Erwärmung des Mittelmeers die klimatischen Barrieren für diese tropischen Einwanderer zunehmend abschwächt.
Die Sorge vor einer plötzlichen Ausbreitung Weißer Haie im Mittelmeer ist nach aktuellem Forschungsstand daher unbegründet. Während El Niño die Verbreitung der Tiere vor Kalifornien verändert, sehen Forschende dafür im Mittelmeer bislang keine Belege. Deutlich sichtbarer sind die Folgen bei invasiven Arten, die das Ökosystem zunehmend verändern. UN-Generalsekretär António Guterres mahnte deshalb vor wenigen Tagen mehr Klimaschutz an: „Fossile Brennstoffe schüren die Flammen dieser Krise. [...] Wir können es uns nicht leisten, auf das Hauptereignis zu warten.“