Elon Musk prophezeit: Geld spielt 2036 keine Rolle mehr
Stand: 24.08.2026, 14:01 Uhr
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Der Tesla-Chef sagt, Roboter und KI würden dann mehr produzieren, als Menschen verbrauchen können. Warum er falsch liegt. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.
Elon Musk hat dem Geld ein Verfallsdatum verpasst. 2036, sagte er der Chefredakteurin des „Economist“, werde es keine Rolle mehr spielen. Dann würden Roboter und Künstliche Intelligenz mehr Güter und Dienste erzeugen, als Menschen verbrauchen können. Es drohe nicht Inflation, sondern Deflation. Die Staatskasse solle den Menschen Schecks schicken.
Man kann das als Orakel belächeln. Ergiebiger ist es, Musk beim Wort zu nehmen, denn die Richtung stimmt, nur das Datum nicht.
In den Hochlohnländern wächst der Teil der Wertschöpfung, der nicht als Lohn ausgezahlt wird, sondern die Ansprüche des Kapitals in Form von Abschreibungen, Zinsen und Gewinnen bedient. Heute sind es gut vierzig Prozent, binnen zwei Jahrzehnten wird es mehr als die Hälfte sein.
Was da endet, ist nicht das Geld. Es ist die Lohntüte als Hauptkanal, der Wertschöpfung in Kaufkraft verwandelte. Vorbei die Zeiten, in denen Arbeiter bei Robert Bosch und Ernst Abbe mit ihrem Lohn kauften, was sie bauten. In der heraufziehenden Lohntütendämmerung muss diese Zuteilung erst über Schecks, Grundeinkommen oder Bürgerfonds konstruiert werden. Von einer Geldabschaffung kann keine Rede sein.
Und die Deflation? Sie widerlegt den Propheten. Fallende Preise entwerten das Geld nicht, vielmehr krönen sie den, der es hält. Warten wird belohnt, während die zum Kauf angebotene Ware verdirbt. Geld spielte dann nicht keine Rolle, sondern die Hauptrolle.
Vor allem aber beseitigt Überfluss die Knappheit nicht, er verschiebt sie auf das Unvermehrbare. Je billiger das Reproduzierbare wird, desto wertvoller werden Boden, Strom, Standorte, Netze, Rechte und die daraus erzielbaren Renten. Die Maschinenfülle gebiert eine Rentenökonomie.
Damit wird aus der Technikfrage eine Ordnungsfrage, die Frage der Knappheitshoheit: Wer bestimmt künftig, was knapp sein darf — und wer verdient an der Knappheit? Was von Natur aus knapp ist — Boden, Atmosphäre —, verlangt gemeinschaftliche Regeln. Was künstlich verknappt wird — hortbares Geld, Schlagbaumrechte —, verlangt Rechtfertigung.
Musks eigentliche Prophezeiung wäre demnach nicht das Ende des Geldes, sondern der Beginn einer längst überfälligen Debatte: Was soll in einer Welt der Fülle berechtigterweise knapp sein? Und was nicht.
Der Autor ist Chefredakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.