Epstein-Vorwürfe gegen Trump: Demokraten fordern Ermittler – "alle wussten, was er treibt"


Schwere Epstein-Vorwürfe

Demokraten fordern Sonderermittler gegen Trump


26.10.2026 - 20:03 UhrLesedauer: 4 Min.

Demokraten haben einen Bericht veröffentlicht, der Trump direkt mit Epsteins Netzwerk in Verbindung bringt. Sie erheben außerdem schwere Vorwürfe gegen Trumps Justizministerium.

Demokraten im US-Repräsentantenhaus haben einen umfangreichen Bericht veröffentlicht, der Donald Trump direkt mit Jeffrey Epsteins kriminellen Aktivitäten in Verbindung bringt. Verfasst wurde er von den Mitarbeitern des Justizausschusses unter Federführung von Ranking Member Jamie Raskin.

Darin fordern die Demokraten die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers, der Trump als möglichen Mitverschwörer im Epstein-Netzwerk untersuchen soll.

Vorwürfe gegen Trump

Den Titel des Berichts lieferte Trump gewissermaßen selbst: In den Geburtstagsglückwünschen, die er Epstein in dessen persönliches Geburtstagsbuch eintrug, schrieb er unter anderem: "Ein Freund ist eine wunderbare Sache" – und: "Wir haben gewisse Gemeinsamkeiten, Jeffrey." Die Notiz war in ein Bild einer nackten jungen Frau eingebettet und befand sich im Abschnitt "Freunde" des Buches. Trump bestreitet, der Verfasser zu sein; der Bericht hält dem einen Schriftvergleich mit anderen Trump-Dokumenten entgegen, der auf Übereinstimmung hindeutet. Die Associated Press berichtete im September 2025 über die Freigabe dieser Notiz durch den Kongress.

Im Mittelpunkt des rund 50-seitigen Berichts stehen Aussagen von elf Frauen. Fünf von ihnen beschuldigen Trump demnach direkt der Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung – in einem Fall soll das Opfer zum Tatzeitpunkt 13 Jahre alt gewesen sein. Die Demokraten stützen sich dabei auf FBI-Interviews, eidesstattliche Aussagen und Gerichtsakten aus dem Maxwell-Verfahren.

Unter den Frauen ist auch Jill Harth, die Trump bereits 1997 verklagte und beschrieb, wie er sie in Mar-a-Lago bedrängt habe – laut Bericht in Anwesenheit Epsteins. Eine weitere Frau, im Bericht "Jane"" genannt, soll zum Zeitpunkt ihrer angeblichen Begegnung mit Trump 14 Jahre alt gewesen sein. Epstein soll sie damals mit den Worten vorgestellt haben: "Das ist eine Gute, oder?" – Trump soll geantwortet haben: "Ja."

"Er wurde nie gebeten zu gehen"

Zentral für den Bericht ist auch ein Dokument aus dem Jahr 2009: eine weitergeleitete E-Mail des Epstein-Anwalts Jack Goldberger, das ein 20-minütiges Telefonat mit Trump und dessen Anwalt dokumentiert – ein Gespräch, das laut Bericht eine formelle Vernehmung Trumps als Zeuge in einem Zivilverfahren zu Epsteins Menschenhandel ersetzte.

Darin hält Goldberger fest, Trump habe unmissverständlich erklärt, Epstein sei in Mar-a-Lago "niemals gebeten worden zu gehen" – auch der damalige Manager des Clubs habe dies bestätigt. Trump behauptet seit Jahren öffentlich das Gegenteil: Er habe Epstein aus seinem Club geworfen, als er von dessen Vergehen erfahren habe. Das Dokument ist laut Bericht im offiziellen DOJ-Register weiterhin geschwärzt – was die Demokraten als Verstoß gegen Bundesrecht werten.

"Alle wussten, was er treibt"

Noch brisanter ist ein weiterer Beleg, den der Bericht dafür anführt, dass Trump über Epsteins Verbrechen Bescheid wusste. Laut dem ehemaligen Polizeichef von Palm Beach rief Trump ihn 2006 an und sagte demnach: "Gott sei Dank, dass Sie ihn stoppen – alle wussten, was er treibt."

Zudem soll Epstein 2019 in einer E-Mail an den Autor Michael Wolff geschrieben haben: "Natürlich wusste Trump von den Mädchen, da er Ghislaine gebeten hatte aufzuhören." Trump erklärte im selben Jahr öffentlich, er habe "keine Ahnung" von Epsteins Verbrechen gehabt und seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt.

Demokraten sehen Vertuschung durch Trumps Justizministerium

Viele der Missbrauchsvorwürfe gegen Trump kursieren seit Jahren. Neu – und journalistisch besonders brisant – ist ein anderer Teil des Berichts: die Anschuldigungen gegen das Justizministerium unter der Trump-Administration.

Im Zentrum steht Todd Blanche – bis 2024 Trumps persönlicher Strafverteidiger, heute stellvertretender Justizminister. Laut Bericht leitete Blanche im Juli 2025 ein Gefängnisinterview mit Ghislaine Maxwell persönlich und soll dabei mindestens dreimal das Gespräch unterbrochen haben, sobald Maxwell über die Frau zu sprechen begann, die im Bericht als "Jane" bezeichnet wird. Als Maxwell von sich aus sagte, sie glaube, es gehe um Jane, soll Blanche geantwortet haben: "Lassen wir Einzelpersonen aus dem Spiel." Der Bericht wertet dies als mögliche Zeugenbeeinflussung und Behinderung eines offiziellen Verfahrens.

Außerdem habe das Justizministerium britischen Ermittlungsbehörden relevante Beweise verweigert und damit laufende Ermittlungen gegen einen namentlich nicht genannten hochrangigen britischen Politiker "an den Rand des Zusammenbruchs" gebracht. Zudem soll das DOJ einem konservativen Journalisten ungeschwärzte FBI-Notizen zugespielt haben, die dem Kongress bis heute vorenthalten werden – was die Demokraten als flagranten Verstoß gegen den "Epstein Files Transparency Act" werten.

Wichtige Wahl steht kurz bevor

Der Bericht ist kein parteiübergreifendes Kongressdokument, sondern ein Mitarbeiter-Bericht der demokratischen Minderheit im Justizausschuss. Die Veröffentlichung fällt bewusst in die Schlussphase des Wahlkampfs: In einer Woche wählen die Amerikaner ihr Parlament. Trump steht nicht auf dem Stimmzettel, die Zwischenwahlen gelten aber traditionell als Referendum über den amtierenden Präsidenten.

Hinzu kommt: Trumps Umgang mit den Epstein-Akten hatte ihm in seiner zweiten Amtszeit bereits viel Kritik eingebracht. Trotz gegenteiliger Wahlkampfversprechen wehrte er sich nach Amtsantritt lange gegen eine Freigabe. Erst auf erheblichen öffentlichen Druck wurden schließlich einige Akten veröffentlicht – mit Schwärzungen, die laut Kritikern nicht nur Opfer, sondern auch mutmaßliche Mittäter schützten.