Putins Schattenflotte bricht auseinander: EU-Sanktionen haben deutlichen Effekt


Erfolg für EU-Sanktionen: Russlands geheime Öl-Flotte massiv dezimiert

Stand: 29.09.2026, 20:21 Uhr

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Mit der Schattenflotte umgeht Putin westliche Sanktionen. Doch der Westen erhöhte den Druck. Mit Erfolg, wie Zahlen aus Russlands Register zeigen.

Moskau – Mit Wirtschaftssanktionen haben die EU, die USA und andere westliche Länder von Beginn an auf den Ukraine-Krieg reagiert. Damit setzte man Russlands Wirtschaft unter Druck. Allerdings wich Wladimir Putin auf seine sogenannte Schattenflotte aus, um Öl und Gas weiterhin exportieren zu können. Doch zuletzt zog der Westen hier die Daumenschrauben an – und zwingt Russland jetzt zu reagieren.

Das vom britischen Verteidigungsministerium (MoD) via PA veröffentlichte Foto zeigt, wie britische Streitkräfte im Juni 2026 ein Schiff der russischen Schattenflotte im Ärmelkanal abfangen.

Das vom britischen Verteidigungsministerium (MoD) via PA veröffentlichte Foto zeigt, wie britische Streitkräfte im Juni 2026 ein Schiff der russischen Schattenflotte im Ärmelkanal abfangen. © Lphot Hutchins/dpa

Zwischen Januar 2025 und Juni 2026 wuchs Russlands Schiffsregister nach Angaben des Thinktanks Center for Research on Energy and Clean Air um ganze 36 Prozent. Die Zahl der Schiffe stieg demnach von 280 auf ganze 382. Allerdings bedeutet das nicht, dass Russland plötzlich sehr viele neue Schiffe vom Stapel gelassen hätte. Vielmehr unterlagen 87 Prozent der Schiffe, die in dieser Zeit ins Register aufgenommen wurden, zu diesem Zeitpunkt bereits internationalen Sanktionen. 72 der 107 Schiffe lieferten bis Ende Juni 2026 international russische fossile Brennstoffe im Wert von 7,5 Milliarden Euro aus, wie es heißt.

Schlag gegen Putins Schattenflotte: Russland reagiert

„Schiffe der sogenannten Schattenflotte wurden in das russische Schiffsregister eingereiht, da ihre anderen Optionen nach und nach eingeschränkt wurden“, heißt es in der Analyse von CREA. Hintergrund: Die westlichen Nationen hatten Russlands Schattenflotte zunehmend in den Fokus genommen. So wurden deutlich mehr Schiffe festgesetzt oder beschlagnahmt, die gegen des Seerecht verstießen, indem sie unter falscher Flagge fuhren.

Unter einer nicht-russischen Flagge zu fahren, war demnach ein „übliches“ Vorgehen russischer Energietanker. Zunächst hatte Russland hier ein Schlupfloch gefunden, um die Sanktionen des Westens infolge des Ukraine-Kriegs umgehen zu können. Doch mit steigendem Sanktionsdruck begannen laut CREA viele sogenannte „Billigflaggenstaaten“ die Sanktionsrichtlinien auch tatsächlich umzusetzen. Wohl aus Sorge selbst bestraft zu werden.

Putins Schattenflotte hart getroffen: Länder reagieren auf EU-Sanktionen

So brach die Registrierung von Schattenschiffen unter der Flagge von Gambia und den Komoren laut CREA nach ihrem Höchststand im Oktober 2025 in nur wenigen Monaten komplett ein. Auslöser waren demnach Sanktionen der EU und Großbritanniens gegen den dortigen Betreiber der Schiffsregister. 41 sanktionierte Schiffe, die im Oktober unter komorischer Flagge gefahren waren, und 31, die zu diesem Zeitpunkt unter gambischer Flagge gefahren waren, hatten im Juni 2026 die russische Flagge gehisst. Barbados und Palau entfernten dem Bericht nach gleich alle Schiffe der russischen Schattenflotte aus ihren Registern. Panama reduzierte die Zahl der sanktionierten Schiffe in seinem Register seit Mai 2025 immerhin um fast zwei Drittel.

Über den Thinktank CREA:

Crea ist eine unabhängige Fund gemeinnützige Forschungsorganisation, die 2019 in Helsinki (Finnland) gegründet wurde. Mit international besetzten Teams in Europa und Asien sucht CREA wissenschaftliche Daten zu Ursachen, Trends und gesundheitlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung und fossilen Energieträgern zusammen. Die NGO ist weltweit eine der wichtigsten Quellen für datenbasierte Berichte über saubere Energie, Kohleausstieg und CO2-Emmission. Bekannt wurde CREA auch durch regelmäßige Berichte über die fossilen Exporte von Russland.

In der Folge hatten viele Schiffe aus Putins Schattenflotte keinen Eintrag mehr in einem der bis dahin offenen Schiffsregister und griffen stattdessen auf falsche Flaggen zurück. Das macht die Schiffe de facto staatenlos, sie waren damit nicht versichert und verstießen gegen das Seerecht. Mit dieser Begründung konnten westliche Länder die Tanker dann festsetzen oder gar beschlagnahmen.

Um dieser Praxis vorzubeugen, geht Russland nun offenbar dazu über, die Schiffe wieder im eigenen Register einzutragen. Damit unterliegen die Schiffe aber auch den strengen Sanktionen für russische Schiffe.

Allerdings mindere dies nicht „die Risiken durch alternde, unversicherte Tanker auf hoher See“, so der Thinktank. CREA verweist auf den medienwirksamen Fall des russischen Tankers Arctic-Metagaz, auf dem es im März 2026 eine Explosion gegeben hatte. Das Schiff trieb einen Monat lang unkontrolliert im Mittelmeer – und hatte dabei knapp 60.000 Tonnen russisches Flüssiggas an Bord. Russland unternahm keinen Versuch zur Bergung. Stattdessen klärten schließlich Italien, Malta und Libyen die Situation. (Verwendete Quellen: CREA-Mitteilung, Kyiv Independent) (rjs)