Erfolgreiche Sängerin wird 70: Was macht eigentlich Juliane Werding?
Stand: 19.07.2026, 05:30 Uhr

Sie hatte Hits, die ganz Deutschland mitsang - und verschwand dann bewusst von der Bildfläche. Am 19. Juli wird Juliane Werding 70.
Wie geht es Juliane Werding? Als der „Merkur“ 2025 nachfragte, erhielt er nur eine knappe Antwort: „Leider bleibt es, wie Sie schon vermutet haben, dabei, dass Frau Werding keine Interviews mehr geben möchte“, ließ die Sängerin damals schriftlich mitteilen. Nun wird Werding 70 Jahre alt - auch zu diesem Anlass ist kein neues Statement, kein öffentlicher Auftritt von ihr zu erwarten.

Dabei war die am 19, Juli 1956 in Essen geborene Werding einst überall: Mit 25 Millionen verkauften Platten zählt sie zu den erfolgreichsten deutschen Musikerinnen überhaupt. Den Grundstein dafür legte eine Talentshow: 1971 schickte ihre Mutter Aufnahmen der Tochter an den „Talentschuppen“ des Südwestfunks. Es folgte ein Plattenvertrag - unter einer Bedingung, auf die die junge Werding bestand: „kein Liebeslied, keine Schnulzen“.
Mit 16 Jahren wurde Werding zum Star
Wie sich die Dinge dann entwickelten, hatte sie selbst kaum noch in der Hand. Mit dem Vertrag sei „eine Maschinerie ins Laufen“ gekommen, „die man gar nicht mehr beeinflussen“ konnte, erinnerte sich Werding später in der „NDR Talk Show“. Dabei verstand sie sich zu jener Zeit ganz anders: „Ich habe mich damals in dieser Zeit eigentlich als Protestsängerin verstanden. Ich saß auf der Straße in der Fußgängerzone und habe Musik gemacht.“
1972 wurde sie über Nacht berühmt - mit gerade mal 16 Jahren. „Am Tag, als Conny Kramer starb“, ein Lied über den Drogentod eines Freundes aus ihrem Umfeld, stand wochenlang in den deutschen Top Ten. Die Melodie stammte von „The Night They Drove Old Dixie Down“ von The Band, den deutschen Text schrieb Hans-Ulrich Weigel. Dass ein Schlager offen den Drogentod thematisierte, war für die frühen 70er ungewöhnlich. Während ihres Durchbruchs ging Werding noch aufs Gymnasium, das sie 1973 nach der Mittleren Reife verließ.
1975 folgte mit „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“ - geschrieben von Gunter Gabriel - der nächste Erfolg. Ende der 70er wandte sich Werding stärker dem Chanson und der Popmusik zu, schrieb ihre Texte zunehmend selbst. Titel wie „Nacht voll Schatten“ (1983), „Stimmen im Wind“ und „Das Würfelspiel“ (beide 1986) festigten ihren Ruf als nachdenkliche Songwriterin. Fünfmal wurde sie mit der Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet.
Zweite Karrire als Heilpraktikerin
Parallel zum Musikgeschäft baute sich Werding ein zweites Leben auf: Ab 1982 arbeitete sie in einer Münchner PR-Agentur, 1985 kündigte sie den Job und begann eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. 1987 kam Sohn Gabriel zur Welt, zwei Jahre später Tochter Charis Maria. Ende der Achtziger legte Werding ihr Heilpraktiker-Examen ab und eröffnete eine eigene Praxis in München, später arbeitete sie in Starnberg.
2008 erschien mit „Ruhe vor dem Sturm“ ihr letztes Studioalbum, ein Jahr später beendete sie ihre Musikkarriere endgültig. Selbst das Showgeschäft könne „auf die Dauer langweilig werden“, begründete sie den Schritt 2009 gegenüber der „Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift“. Von 2001 bis zur Scheidung 2012 war sie mit dem Theologen Uwe Birnstein verheiratet, mit dem sie auch zwei Bücher veröffentlichte. Daneben stand Werding gelegentlich auf der Theaterbühne.
Werding über Comeback: „Man soll ja nie nie sagen“
Seit ihrem Rückzug ist es still geworden um Juliane Werding. Konzerte gab sie letztmals 2008, danach folgten nur noch vereinzelte Interviews. In einem TV-Beitrag des Magazins „Brisant“ aus dem Jahr 2004 erzählte sie, warum sie das Landleben in Oberbayern dem Trubel vorzog: „Ich lebe jetzt seit zwölf Jahren hier auf dem Land und bin sehr glücklich damit“, sagte sie damals. „Großstadt ist für mich immer ein bisschen anstrengend. Ich liebe meine Tiere, ich liebe das Landleben, die ganzen Pflanzen.“ Damals liebäugelte sie sogar mit einem eigenen Bauernhof - ob daraus etwas wurde, ist bis heute unbekannt. Ihre einstige Homepage ist nicht mehr aktiv, wirkliche öffentliche Statements gab es seit über 15 Jahren keine.
Kein Wunder, dass ihre Fans sich freuten, als 2024 eine Compilation mit alten Songs erschien, zu der Werding zumindest ein kurzes Grußwort schrieb. Dabei hatte sie eine Rückkehr nie ganz ausgeschlossen. 2009 sagte sie im „tz“-Interview: „Man soll ja nie nie sagen. Wer sich einmal mit dem Virus Musicus infiziert hat, ist nicht heilbar.“ Bislang blieb es bei dieser Ankündigung. Ihre Fans warten trotzdem weiter - in einer Facebook-Gruppe, in der bis heute alte Auftritte geteilt werden, heißt es unter einem Video schlicht: „Ich hoffe so sehr, dass man wieder mehr von ihr hört.“ (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)