Ernährungsexpertin erklärt, wie Sie den Körper bei Hitze durch Essen entlasten


Stand: 29.08.2026, 13:01 Uhr

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Bildkombo: Autorin Katharina Seiser/ Gurken, Melonen, Paprika werden auf Schneidebrett geschnitten.

Nicht nur trinken: Bestimmte Obst- und Gemüsesorten unterstützen, den Wasserhaushalt auch an heißen Tagen in Balance zu halten, erklärt Expertin Katharina Seiser. © IPPEN.MEDIA/IMAGO/Westend61/Verlag Brandstätter

Wie bleibt man bei 35 Grad gut versorgt? Buchautorin Katharina Seiser spricht über „Wasser essen“, Salz, Sommergerichte und späte Mahlzeiten.

Tropische Temperaturen, aufgeheizte Wohnungen und schlaflose Nächte machen unserem Körper schwer zu schaffen. Wie können wir uns über die richtige Ernährung Abkühlung verschaffen? Die Kochbuchautorin und Kulinarik-Expertin Katharina Seiser verrät im Interview, warum Eiswasser im Sommer ein Fehler ist, wie wir ganz einfach „Wasser essen“ können und warum späte Grillabende uns um den Schlaf bringen.

Frau Seiser, wenn das Thermometer 35 Grad anzeigt, greifen viele instinktiv zum eiskalten Getränk. Warum ist das keine gute Idee?

Katharina Seiser: „Tatsächlich gibt es bei eiskalten Getränken einen Abkühlungseffekt. Aber der ist leider nur von kurzer Dauer, denn der Körper muss alles, was wir zu uns nehmen, wieder auf Körpertemperatur bringen. Das bedeutet zusätzliche Arbeit und Stress für die Thermoregulation. Weder eiskalte noch sehr heiße Getränke oder Mahlzeiten sind sinnvoll, weil der Körper sie aufwendig ausgleichen muss. Wir sollten ihn bei Hitze entlasten, nicht zusätzlich stressen. Wer Erfrischung sucht, dem empfehle ich statt Eiskaffee lieber ‚Cold Brew‘ oder kalt gezogenen Grüntee, da sich durch das kalte Ansetzen viel weniger Bitterstoffe lösen und das extrem erfrischt.“

Wie können wir unseren Körper stattdessen über das Essen abkühlen?

Seiser: „Ganz wichtig ist, dass wir Flüssigkeit nicht nur trinken, sondern auch essen. Den Wasserhaushalt nur durch Trinken auszugleichen, schaffen wir oft gar nicht. Das geht wunderbar über wasserreiche Fruchtgemüse wie Gurken, Tomaten, Zucchini oder Melonen. Aber auch kalte Suppen und fermentierte Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir spielen eine große Rolle. Durch die Fermentation werden Milchsäuren gebildet, und diese Säuren erfrischen uns einfach immer. Wichtig ist aber: Nur Obst und Gemüse reichen nicht, das sättigt uns nicht genug, und Obst allein schickt unseren Blutzucker in die Höhe. Wir müssen sie mit hochwertigen pflanzlichen Fetten und Eiweiß kombinieren, um konstant und gut genährt durch den Tag zu kommen.“

Über die Expertin

Katharina Seiser lebt in Wien und schreibt und lehrt leidenschaftlich gern übers Essen. Die vielfach ausgezeichnete Autorin von Bestsellern wie „30 Pflanzen pro Woche“ ist auch Kolumnistin und Kulinarik-Expertin. Ihr neustes Buch: „Gut bei Hitze“.

Buchcover „Gut bei Hitze. Erfrischend einfache Rezepte“ und Autorin Katharina Seiser

Das Kochbuch „Gut bei Hitze. Erfrischend einfache Rezepte“ von Katharina Seiser ist 2026 im Verlag Brandstätter erschienen (32 Euro). ©  Verlag Brandstätter

Gibt es eine Mahlzeit, die uns besonders gut gegen Nachmittags-Tiefs bei Hitze wappnet?

Seiser: „Ja, für mich ist das ganz sicher mein Birchermüsli am Vormittag. In der richtigen Kombination, also nicht einfach nur Hafer und Obst, sondern mit fermentierten Milchprodukten und Nüssen. Ich habe das Gefühl, ich habe meinem Körper damit eine gute Basis geschaffen, an der er ein paar Stunden unkompliziert knabbern kann, ohne Stress zu haben. So komme ich gut durch die erste Hälfte des Tages, selbst wenn der Kreislauf bei 30 Grad droht, verrückt zu spielen.“

Wer viel schwitzt, verliert Mineralien. Dürfen wir im Sommer also beim Kochen ruhigen Gewissens mehr salzen?

Seiser: „Wenn man versucht, abwechslungsreich und pflanzenreich zu essen, bekommt man seine Mineralstoffe schon durch die Lebensmittel zusammen. Aber ja, das Salz darf je nach Lebensstil ein bisschen mehr sein. Man muss hier nur aufpassen, wie man sich sonst ernährt: Wer morgens schon Käsebrot und Wurst isst, nimmt darüber unbemerkt viel Salz zu sich. Wer aber zum Beispiel mit besagtem Birchermüsli in den Tag startet, hat mittags durchaus die Möglichkeit, den Salat ein bisschen kräftiger zu salzen und zu säuern als zu anderen Jahreszeiten. Und die meisten müssen das Thema nicht fürchten, es betrifft hauptsächlich salzsensitive Hypertoniker.“

Niemand möchte bei Hitze lange am Herd stehen. Was sind Ihre Regeln für die warme Sommerküche?

Seiser: „Ich halte gar nichts davon, den ganzen Sommer über nur Rohkost zu essen. Unser Körper braucht auch gegarte Nährstoffe. Hülsenfrüchte könnten wir roh beispielsweise gar nicht verdauen. Und Auberginen, die jetzt Saison haben, müssen erhitzt werden. Aber ich würde alle Kochmethoden vermeiden, die viel Wasserdampf machen oder die Umgebung aufheizen – wie stundenlanges Nudelkochen, Schmorgerichte aus dem Ofen oder Frittieren. In unseren oftmals ohnehin heißen städtischen Wohnungen sollten wir das tunlichst vermeiden, um die Gebäude nicht noch mehr aufzuheizen.“

Haben Sie einen Tipp, wie man den Aufwand und die Hitze in der Küche clever umgehen kann?

Seiser: „Statt einer klassischen ‚Pasta Norma‘ mit drei dampfenden Töpfen auf dem Herd mache ich im Sommer lieber ‚Bruschetta alla Norma‘. Da röste ich nur kurz das Brot, brate die Auberginen flach in einer einzigen Lage in der Pfanne an und verwende rohe, eingesalzene Tomaten anstatt einer gekochten Soße. Das Aroma ist fantastisch, der Aufwand minimal und die Wohnung heizt nicht unnötig auf. Außerdem rate ich beim Thema Hygiene zur Vorsicht: Auf rohen Fisch, Tatar oder rohe Eier sollte man bei großer Hitze lieber verzichten und beispielsweise stattdessen auf pflanzliche Mayonnaise setzen.“

Die letzten lauen Sommerabende warten auf uns – und verleiten oft zu späten Grillpartys. Wie wirkt sich das auf uns aus?

Seiser: „Wir schlafen sowieso schon schlecht oder gar nicht, wenn es so heiß ist. Fettes Fleisch bedeutet für den Körper richtig viel Arbeit und echten Stress bei der Verdauung. Wir sollten die so wichtige Schlafzeit nicht noch mit einem späten Grillsteak belasten. Wir wissen heute, dass es sinnvoll ist, wenn drei bis vier Stunden Abstand zwischen dem Essen und dem Zubettgehen liegen. Daher ist es gescheiter, wenn dieser schöne soziale Moment vielleicht nicht erst um 22:00 Uhr, sondern schon um 19:30 Uhr stattfindet.“