Frankreichs CO₂-Bilanz überrascht – doch Ministerin Barbut warnt: „Noch nicht ausreichend“
Erstmals seit 2020 könnten globale CO₂‑Emissionen sinken – auch dank Frankreichs Kurswechsel
Stand: 14.10.2026, 07:50 Uhr
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Frankreich verbrennt zwar weniger fossile Energieträger, verfehlt seine Klimaziele aber deutlich: Nötig wäre ein jährlicher Emissionsrückgang von fünf Prozent.
Paris – Frankreich erhält bei seinen Bemühungen, die Treibhausgasemissionen zu senken, unerwartete Schützenhilfe – doch an der Zapfsäule bekommen die Verbraucher den Preis dafür zu spüren. Die stark gestiegenen Spritpreise infolge des Kriegs im Iran bringen viele Menschen dazu, weniger Diesel zu tanken und zu Hause sparsamer mit Gas umzugehen.
Dadurch sind die Emissionen in der ersten Jahreshälfte 2026 laut Citepa, einer französischen Organisation zur Messung von Luftschadstoffen und Treibhausgasen, um 4,1 Prozent gesunken. Frankreich steuert damit auf eine Minderung der Emissionen um 2,8 Prozent in diesem Jahr zu, nach 2,1 Prozent im Jahr 2025.
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Dieser Artikel von Craig Saueurs entstand in Kooperation mit Euronews
Das entspräche rund zehn Millionen Tonnen weniger Ausstoß als im Vorjahr. Trotzdem reicht das Tempo noch nicht aus, um die langfristigen Klimaziele zu erreichen. Frankreich will seine Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 halbieren. Dafür wären jährliche Einsparungen von etwa fünf Prozent nötig.

Ein Großteil der Einsparungen hängt mit den Kosten fürs Autofahren zusammen. Seit Jahresbeginn sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen; Diesel verteuerte sich um 45 Prozent, nachdem der Krieg im Iran die Öllieferungen durch die Straße von Hormus ausgebremst hat.
Die Menschen kaufen seither schlicht weniger Sprit. Der Dieselabsatz ging in den ersten sechs Monaten 2026 um 7,3 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum sanken die verkehrsbedingten Emissionen um 4,5 Prozent.
Teure Energie belastet französische Haushalte
Die Emissionen aus Haushalten und Gewerbe gingen noch stärker zurück: In der ersten Jahreshälfte fielen sie um 12 Prozent, vor allem weil weniger Erdgas zum Heizen, für Warmwasser und zum Kochen verbrannt wurde.
Der Abwärtstrend dürfte jedoch nicht anhalten. Citepa rechnet für die zweite Jahreshälfte nur noch mit einem Minus von 1,3 Prozent, unter anderem weil Frankreich mehr Gaskraftwerke einsetzt, um Strom für Nachbarländer zu produzieren. Die Emissionen der Energiewirtschaft dürften im Gesamtjahr um 3,6 Prozent steigen, auch wenn Verkehr und andere Sektoren weiter Einsparungen verzeichnen.

Frankreichs Ministerin für die ökologische Wende, Monique Barbut, nannte den Rückgang „ermutigend“, räumte laut AFP aber ein, er sei „noch nicht ausreichend, um unsere Klimaziele zu erreichen“. Auch in anderen Teilen Europas gehen die Emissionen langsam, aber stetig zurück.
In Deutschland sanken die Emissionen in der ersten Jahreshälfte 2026 um rund zwei Prozent, weil die Nachfrage nach Öl nachließ. Die Denkfabrik Agora Energiewende hat jedoch gewarnt, das Land könne sein jährliches Emissionsbudget um etwa zehn Millionen Tonnen überschreiten – erstmals seit dem Klimagesetz von 2019.
Globaler CO₂‑Ausstoß: erster Rückgang seit 2020 möglich
Hohe Energiekosten bewegen viele europäische Haushalte dazu, günstigere Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu suchen. Der Absatz von Wärmepumpen stieg in Frankreich, Deutschland und Polen zu Beginn des Jahres 2026 um 25 Prozent, und die Verkäufe von E-Autos schossen ebenfalls in die Höhe, seit der Krieg begonnen hat.
Gleichzeitig hat Solarstrom der EU seit Kriegsbeginn schätzungsweise 37,4 Milliarden Euro an Gasimporten erspart. Außerhalb Europas sinken die Emissionen ebenfalls. In China ging der Ölverbrauch im zweiten Quartal 2026 um neun Prozent zurück, während die CO₂‑Emissionen um ein Prozent sanken – erstmals lässt sich ein Rückgang der Emissionen dort eher auf Öl als auf Kohle zurückführen.
Ein aktueller Bericht von Carbon Brief, der auf Prognosen der IEA basiert, legt nahe, dass die weltweiten CO₂‑Emissionen aus fossilen Brennstoffen in diesem Jahr um etwa 0,5 Prozent sinken könnten. Es wäre der erste jährliche Rückgang seit den Ausgangsbeschränkungen im Jahr 2020.
Die IEA erwartet zwar, dass die Nachfrage nach Öl steigt, sobald der Krieg endet. Die breite Nutzung von Solar- und Windkraft, Atomstrom, E-Autos und Wärmepumpen könnte den Verbrauch fossiler Energien jedoch auch nach einer Preisberuhigung niedrig halten. Diese Technologien verhinderten nach Angaben der Agentur im Jahr 2025 weltweit schätzungsweise drei Milliarden Tonnen CO₂‑Emissionen.