Elye Wahi: Voll-Flop in Frankfurt, Volksheld in Nizza


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Voll-Flop in Frankfurt, Volksheld in Nizza Es gibt nur zwei Elye Wahi

Elye Wahi ist bei der Eintracht so spektakulär gefloppt, es hätten sich vermutlich Fans gefunden, die ihn auf einer Sänfte zum Flughafen getragen hätten. Kurze Zeit nachdem er dort am Montag abhob, wurde in Nizza ein Volksheld empfangen. Es stellt sich die Frage: Reden hier alle von demselben Spieler?

Elye Wahi wurde am Montag in Nizza von etlichen Fans am Flughafen empfangen.

Elye Wahi wurde am Montag in Nizza von etlichen Fans am Flughafen empfangen. Bild © OGC Nizza

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00:57 Min.|Bastian Gerling

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Es waren bizarre Bilder: Als sich am Montagabend am Flughafen Nizza Côte d’Azur eine Schiebetür öffnete, stürzten dutzende Fans auf Elye Wahi ein, sprangen ihm um den Hals und feierten ihn mit Gesängen wie einen Weltstar. Wahi lächelte etwas überfordert, schien aber auch nicht gänzlich unvorbereitet auf diesen Empfang. Einige Fans zeigten sich treffsicherer als der Stürmer in seinen Einsätzen für die Eintracht und frotzelten auf Social Media prompt, ob diese Bilder aus der Abflughalle in Frankfurt stammten. Bei kaum einem anderen Spieler hätte dieser Witz funktioniert. Bei Wahi ist vieles etwas anders.

Am späten Montagabend vermeldete die Eintracht, dass der Ivorer erneut zu OGC Nizza verliehen wird. Sportvorstand Markus Krösche hätte sicher lieber einen fixen Transfer vermeldet, aber dank einer Kaufoption könnte dieses Kapitel in Frankfurt damit zugeklappt werden. Das Ende einer Beziehung, die nie eine wurde.

Social-Media-Feuerwerk für den Rückkehrer

Doch so sicher sich in Frankfurt eigentlich alle sind, dass diese Trennung richtig ist, mischt sich in die Erleichterung zumindest eine homöopathische Dosis Selbstzweifel. Der Zirkus, den sein neuer alter Klub um den 23-Jährigen veranstaltet, klingt in Frankfurter Ohren wie Comedy. Bei seiner Landung in Südfrankreich war bereits alles inszeniert: Nicht weniger als neun offensichtlich vorproduzierte Posts zu Wahis Rückkehr veröffentlichte Nizza in kurzem Abstand auf den Klub-Kanälen. "Guess who's back!", tönt es aus allen Ecken.

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Wenn der neue Partner derart glücklich mit dem Ex ist, kommt man an der Frage nicht vorbei: Reden wir über denselben Wahi? Den Stürmer, der in Frankfurt unter zwei Trainern keine Rolle spielte? Der auf Abwehrreihen eine Durchsetzungskraft ausübte wie Eltern auf einen Kindergeburtstag im Spielzeugladen. Der in 18 Bundesliga-Einsätzen für die Eintracht genauso viele Tore erzielte wie der Autor dieser Zeilen?

Spielt in Nizza der "echte" Wahi?

Alle bekannten Fakten sprechen dafür. Offensichtlich gibt es aber noch einen anderen Elye Wahi. Einen, der sehr viel mehr Ähnlichkeit mit dem vielversprechenden Talent hat, das Krösche einst als "temporeichen Stürmer mit einer guten Boxbesetzung und einem ausgeprägten Torinstinkt" vorstellte. Der mit 20 Jahren in der ersten französischen Liga bereits eine Saison mit 19 Toren hingelegt hatte. Der in Frankfurt eine Entwicklung wie Omar Marmoush oder Hugo Ekitike nehmen sollte.

Zwar sagte Krösche bereits bei seiner Vorstellung, dass man ihm die nötige Anpassungszeit einräumen werde. Mit jedem torlosen Einsatz wuchsen jedoch die Zweifel, ob der Sportvorstand hier wirklich das nächste Supertalent aus dem Ärmel gezaubert hatte, oder da nach sehr viel Anlaufzeit einfach nichts mehr kommen würde. Nachdem sich bei Dino Toppmöller letztere Einsicht durchsetzte, war auch Adi Hütters Wahi-Bedarf gedeckt.

Relegation macht Wahi zum Helden

Dabei genügte offenbar schon eine Luftveränderung, um den Wahi hervorzubringen, der es nie bis nach Frankfurt geschafft hat. Gleich in seinem ersten Einsatz für Nizza gelang ihm ein echtes Traumtor. Es folgten in der abgelaufenen Saison in Liga und Pokal insgesamt acht weitere. Das ist in 19 Einsätzen sehr vorzeigbar. Vor allem aber trug er in der Relegation mit zwei Treffern beim entscheidenden 4:1-Sieg gegen St. Etienne wesentlich zum Klassenerhalt bei. Seitdem: Volksheld.

Dabei ereilte die Eintracht nun sogar der Fluch der guten Tat. Nicht nur Nizza hat ordentlich Gefallen an Wahi gefunden. Auch Wahi befand das mit Nizza offenbar für eine sehr gute Sache. Dem Vernehmen nach soll er deshalb sogar Angebote von Hull City und AS Rom ausgeschlagen haben, um zu seinem Wunschklub zurückkehren zu können. Anders als die Franzosen hätte die Konkurrenz aus England und Italien wohl das Geld für eine Ablöse gehabt. Nun muss die Eintracht hoffen, dass Nizza im kommenden Sommer die Kaufoption von angeblich 15 Millionen Euro zieht.

Ein unaufgeklärtes Missverständnis

Nach den 26 Millionen Euro, die die Hessen einst an Olympique Marseille überwiesen haben, wäre das aber lediglich Schadensbegrenzung. Im Sport werden solche unglücklichen Engagements meist als Missverständnis gelabelt. Selten ist das so treffend wie bei Wahi und der Eintracht. Dass derselbe Stürmer für die Bundesliga untauglich ist und in Nizza fast kultisch verehrt wird, wirft durchaus die Frage auf, warum es in Frankfurt niemand verstand, sein Potenzial auf die Straße zu bringen.

Womöglich löst das vertraute Umfeld in seinem Heimatland einige Blockaden. Kann gut sein, dass die Eintracht ihm diese Wohlfühl-Atmosphäre nicht geben konnte. Denkbar auch, dass Wahi an sich selbst gescheitert ist. Wahrscheinlich, dass es von allem etwas war. So bleibt es eine der Merkwürdigkeiten dieser Personalie, dass ein Transfer bei beiden beteiligten Vereinen gleichzeitig bejubelt wird und beide damit recht haben.

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