Mutmaßliche russische Drohnenvorfälle: Experten sehen Europa unzureichend gerüstet


Europas Drohnenabwehr „noch nicht auf der Höhe der Bedrohung“: Experten raten zu engerer Zusammenarbeit

Stand: 10.08.2026, 05:11 Uhr

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Europa ist nicht gut genug auf feindliche Drohnen vorbereitet, mahnen Experten. Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig reagiert Bundesinnenminister Dobrindt nun.

Frankfurt am Main – Dem Flughafen Leipzig/Halle kommt als Drehkreuz für den europäischen Güterverkehr wichtige Bedeutung zu, doch auch im Ukraine-Krieg gilt er als essenzieller Transitort. Am Dienstag (4. August) wurde unweit ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt und anschließend zum Absturz gebracht. Zudem kollidierte ein Flugzeug beim Start kurze Zeit später mit einem kleineren Flugobjekt, möglicherweise einer zweiten Drohne.

Europa ist nicht gut genug auf feindliche Drohnen vorbereitet, mahnen Experten. Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig reagiert Bundesinnenminister Dobrindt nun.

Fotomontage Alexander Dobrindts (CSU) und einer Drohne am Flughafen Leipzig/Halle © dpa | Sebastian Gollnow und dpa | Hendrik Schmidt

Nur wenige Tage nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nun an, entschieden handeln zu wollen. In diesem Zuge solle die Anti-Drohnen-Einheit der Bundespolizei deutlich verstärkt werden.

Dobrindt verstärkt Anti-Drohnen-Einheiten der Bundespolizei nach Vorfällen am Flughafen Leipzig/Halle

Laut übereinstimmenden Medienberichten – darunter der Bild-Zeitung sowie der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und der AFP sollen im Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) künftig 300 statt 150 Einsatzkräfte für die Drohnenabwehr bereitstehen. Bundesverteidigungsminister Dobrindt kündigte an, eine entsprechende ministerielle Weisung an das Bundespolizeipräsidium zu erlassen. Gleichzeitig werde das Netz operativer Stützpunkte von bisher vier auf acht Standorte im Bundesgebiet verdoppelt, hieß es den Medienberichten zufolge weiter.

Von russischer Seite aus wurde sich bislang nicht zu dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle bekannt. Doch US-Geheimdienste sehen offenbar ausreichend Hinweise auf eine Beteiligung Russlands, wie das Wall Street Journal schrieb. Auch CNN berichtete, auf US-Seite sei man zum Schluss gekommen, dass die Drohne von einem russischen Geheimdienst stamme. CNN beruft sich dabei auf einen US-Verteidigungsbeamten in Europa, der erklärte, dass der Drohnensprengstoff auf eine militärische Beschaffenheit schließen lasse.

Experten sehen Europa nicht ausreichend für Angriffe durch potenziell feindliche Drohnen gerüstet

Unterdessen sei es der Auffassung verschiedener Expertinnen und Experten zufolge überaus wahrscheinlich, dass Russland eine konzertierte Kampagne mit Drohnen gegen Europa führt. Unteressen resümierte eine jüngst vom Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS) durchgeführte Studie unter Beteiligung der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung europäischen Staaten im Umgang mit Drohnen-Vorfällen unzureichende Vorbereitung und mangelndes Vermögen. 

So seien europäische Staaten gegenwärtig nicht einmal fähig, Angriffe durch Drohnen eindeutig Russland zuzuordnen, heißt es in dem IISS-Bericht, dem eine Analyse von 144 Drohnenvorfällen zwischen August 2024 und Februar 2026 in zwölf NATO-Staaten sowie Irland zugrunde lag. „Unser wesentliches Urteil ist, dass Europas derzeitige Anti-Drohnen-Architektur noch nicht auf der Höhe der Bedrohung ist, obwohl die NATO, die EU und die nationalen Regierungen inzwischen dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken“, bilanzieren die Studienautoren.

In Europas Ländern werde zu zersplittert auf nationaler Ebene gedacht, statt gesamteuropäisch hinsichtlich eines richtigen Umgangs fremder Drohnen auf eigenem Territorium an einem Strang zu ziehen. „Es ist alarmierend: Europa ist auf diese Form hybrider Bedrohung bislang nicht ausreichend vorbereitet“, sagte Klaus Holetschek, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung und zugleich Bayerns CSU-Fraktionschef im Landtag. (Verwendete Quellen: Bild, AFP, dpa, Wall Street Journal, CNN) (fh)