Exit Polls: Lettlands Regierung im Amt bestätigt


Baltikum

Exit Polls: Lettlands Regierung im Amt bestätigt

Die Vereinigte Liste Premier Andris Kulbergs kam laut Nachwahlbefragungen auf 35,6 Prozent der Stimmen

Riga – Die Parlamentswahlen in Lettland haben am Samstag eine klare Bestätigung des pro-westlichen Kurses im baltischen Land gebracht. Die Vereinigte Liste von Ministerpräsident Andris Kulbergs erzielte laut Exit-Polls einen Erdrutschsieg mit 35,6 Prozent der Stimmen, um 24 Prozentpunkte mehr als beim vorigen Urnengang. Kulbergs setzt sich für eine Aufrüstung Lettlands und eine weitere Unterstützung der Ukraine ein.

Starke Zugewinne konnte auch das rechtspopulistische und russlandfreundliche Wahlbündnis aus den Parteien "Souveräne Macht" und "Allianz der jungen Letten" verbuchen, das sich mit 10,6 Prozent der Stimmen ein knappes Rennen mit der populistischen Partei Lettland zuerst (LPV, 11,3 Prozent) und den Progressiven (11,1 Prozent) um den zweiten Platz lieferte.

Eine Familie gibt ihre Stimmen während einer Wahl in einem Wahllokal ab. Ein Mann steckt einen Wahlzettel in eine Wahlurne, während eine Frau und zwei Kinder danebenstehen. Der Raum ist mit Holzverkleidungen und Wahlkabinen im Hintergrund ausgestattet.
Andris Kulbergs mit Gattin Anna bei der Stimmabgabe

Großer Verlierer der Wahl ist das Bündnis der Grünen und Bauern (ZZS), das mit 3,7 Prozent der Stimmen an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Die Partei war jahrzehntelang führend an der lettischen Regierung beteiligt und sorgte dafür, dass Lettland 2004 als erstes EU-Land einen grünen Regierungschef hatte.

Die Wählerbefragungen wurden nach Wahlschluss um 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) veröffentlicht. Erste Ergebnisse werden in der Nacht auf Sonntag erwartet. Das baltische Ostseeland ist EU- und NATO-Mitglied und grenzt an Russland und dessen Verbündeten Belarus. Es hat eine starke russischstämmige Minderheit, doch haben viele ihrer Angehörigen nicht die lettische Staatsbürgerschaft und dürfen somit auch nicht wählen.

Kulbergs hatte im Mai die Regierungsverantwortung übernommen, nachdem die vorherige Regierung in einem Streit über Drohnenvorfälle zerbrochen war. Der 47-Jährige führt derzeit eine Viererkoalition aus Konservativen und Kräften der Mitte an, die das klare Bekenntnis zu EU und Nato sowie zur Unterstützung der Ukraine eint. Doch ob das Bündnis nach der Wahl so weiterbestehen kann, ist fraglich: Es zeichnen sich nach Einschätzung von Experten ein fragmentiertes Parlament und eine komplizierte Regierungsbildung ab.

Ein Tisch mit nummerierten Stapeln von Wahlzetteln in einem Wahllokal. Im Hintergrund geht eine Person vorüber. Fotografie aufgenommen bei den Parlamentswahlen in Lettland am 3. Oktober 2026 in Riga.
Stimmzettel in Riga

Nach seiner Stimmabgabe sagte Kulbergs, er hoffe auf die Möglichkeit zur Umsetzung von Veränderungen. Lettland müsse einen stabileren Entwicklungskurs einschlagen. Voraussetzung seien eine starke Wirtschaft und mehr Sicherheit.

Eurofighter schützen Wahl

In Lettland lösten seit dem Frühjahr wiederholt Drohnen Unruhe aus, die im Zuge des Ukraine-Kriegs in den lettischen Luftraum eingedrungen und abgestürzt waren. In zwei Fällen wurden sie von NATO-Kampfjets über Lettland abgeschossen. Aus Sorge vor Gefahren aus der Luft hatte Riga seine NATO-Verbündeten um Unterstützung bei einer sicheren Durchführung der Abstimmung gebeten. Die deutsche Bundeswehr verlegte vier Eurofighter nach Lettland.

Das Land investiert massiv in seine Sicherheit und Verteidigung, doch fehlt das Geld an anderer Stelle. Das Gesundheitssystem leidet, Abwanderung und Überalterung sind ein Problem, viele Menschen klagen über hohe Preise und niedrige Gehälter, und die Wirtschaft stockt. Auch die sozialpolitischen Probleme standen daher im Mittelpunkt des Wahlkampfs. (APA, 3.10.2026)

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