Experte warnt: Dem Westen bleibt gegen Putin nur noch diese riskante Option
Stand: 22.07.2026, 13:57 Uhr
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Der tschechische Experte sieht für den Westen kaum noch klassische Druckmittel gegen Putin – und einen risikoreichen Weg.
Moskau – Wie kann der russische Präsident Putin noch unter Druck gesetzt werden, um den Krieg gegen die Ukraine zu beenden? Ein tschechischer Russland-Experte sieht für den Westen kaum noch klassische Mittel, um den Kreml zum Ende des Kriegs zu zwingen.
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Seine Einschätzung: Ohne direkte militärische Gewalt blieben vor allem Entwicklungen an der Front, innerer Druck in Russland – und theoretisch auch die risikoreiche Option hybrider Aktionen, die das Regime von innen schwächen könnten.

Der Krieg belaste Russland zugleich militärisch, politisch und wirtschaftlich, sagte der Außenpolitikexperte Filip Šerf in einem Interview mit dem Politikmagazin EUobserver. Je länger der Krieg dauere, desto stärker müsse Russland ihn gewinnen. Ein Sieg rücke aber nicht näher. Aus Sicht Šerfs verschärften sich die Probleme deshalb gegenseitig.
Warum Putin den Krieg kaum einfach beenden kann
Šerf widerspricht der Einschätzung, die russische Diplomatie sei gescheitert. In Europa habe Moskau zwar Schwierigkeiten. Hinter den Kulissen halte Russland aber Kontakte zu aufgeschlossenen Politikern und Industriellen. In Ländern des Globalen Südens habe der Kreml zudem Neutralität oder Unterstützung bewahren können.
Auch der Ausbau der BRICS-Staatengruppe und die engere Partnerschaft der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit mit China sprächen gegen ein einfaches Scheitern russischer Außenpolitik. „Aus meiner Sicht ist es verfrüht oder zu simpel, von einem Scheitern der russischen Diplomatie zu sprechen“, sagte Šerf laut EUobserver.
Schwieriger sei die Lage im Inneren. Umfragen in Russland seien unter dem Regime nur begrenzt aussagekräftig, sagte Šerf. Auffällig sei aber, dass selbst ein offizielles Institut sinkende Zustimmungswerte für Putin melde und dies mit dem andauernden Krieg verbinde.
Der Krieg treffe inzwischen auch unpolitische Russen: durch eine schlechtere Wirtschaftslage, Internetzensur und Angriffe auf russische Städte. Viele wollten ein Ende. Zugleich solle dieses Ende als Sieg erscheinen.
Für Putin entstehe damit ein Dilemma. Er wisse, dass der Krieg nicht unbegrenzt weitergehen könne, weil er Wirtschaft und Regime schwäche. Zugleich könne er ihn nicht ohne sichtbaren Erfolg beenden. „Putins Regime kann den Krieg nicht beenden, wenn es ihn nicht als Sieg verkaufen kann“, so Šerf. Wenn viele Soldaten zurückkehrten, könne ihre Wiedereingliederung in eine Friedensgesellschaft für den Kreml zum Problem werden.
Hybride Kriegsführung – eine ernstzunehmende Option?
Ukrainische Angriffe auf Raffinerien und Energieanlagen allein würden Putin nach Šerfs Einschätzung kaum zu ernsthaften Verhandlungen zwingen. Der Kremlchef dürfe nicht so wirken, als reagiere er auf Druck aus Kiew. Stärke nach innen und außen sei seit Beginn ein Grundpfeiler seines Systems.
Bewegen könnten ihn eher deutliche Fortschritte bei seinen Kriegszielen oder eine innere Bedrohung, die das Regime nicht mehr kontrollieren könne. Für die USA und Europa sieht der Experte mittlerweile nur noch begrenzte Möglichkeiten. Die meisten Druckmittel seien bereits genutzt worden und hätten den Kreml nicht zum Kurswechsel gebracht.
Theoretisch könne der Westen die Auseinandersetzung mit einer hybriden Kampagne gegen Russland fortführen, sagte Šerf zu EUobserver. Der Experte zählt auf: mögliche Aktionen, die Krisen auf russischem Gebiet auslösen, Teile der Elite zu einem Ausweg aus dem System ermutigen und die Bevölkerung gegen das Regime mobilisieren sollen.
Ob ein solcher Kurs politisch gewollt sei, müssten Regierungen entscheiden. Doch er zeigt sich sicher: „Abgesehen von militärischen Mitteln ist es der einzige verbleibende Weg, diese Situation zu ändern.“ Quellen: EUobserver, nif/red.