Experte warnt vor "Handelskrieg" zwischen Kanada und USA
Eskalierender Zollstreit Warnung vor "Handelskrieg" zwischen USA und Kanada
Stand: 23.08.2026 • 09:19 Uhr
Die Zoll-Gespräche zwischen den USA und Kanada sind gescheitert - jetzt treten neue US-Zölle in Kraft. Ein neuer "Handelskrieg" droht, denn Kanada will mit Gegenzöllen antworten. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld.
Entspannungssignale Mitte der Woche, Eskalation am Wochenende: Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada ist wieder entbrannt. Nach gescheiterten Gesprächen traten in der Nacht US-Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Güter in Kraft - unter anderem Eishockeyschläger, Möbel und Wein. Es geht um kanadische Exporte im Wert von rund 20 Milliarden Dollar.
Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte Gegenmaßnahmen an, die ab 8. September greifen sollen. Die neuen kanadischen Zölle werden Carney zufolge besonders die US-Stahl- und Milchbranche ins Visier nehmen. Auf die Frage eines Journalisten, warum man heute den Eindruck eines Handelskrieges habe, sagte Carney: "Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg - wir wurden angegriffen."
Eigentlich hätten die US-Zölle bereits am Mittwoch in Kraft treten sollen. Doch kurz vor Ablauf der Frist verkündete der US-Präsident einen Aufschub. Seitdem liefen Verhandlungen unter Hochdruck. Diese führten jedoch nicht zu einer Einigung.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Premier Carney nannte die von den USA vorgelegten Bedingungen "unfair" und "wirtschaftlich unsinnig". "Wir können das, was sie angeboten haben, nicht akzeptieren, und wir werden ihnen nicht geben, was sie verlangt haben", sagte Carney. Kanada werde die US-Zölle "Dollar für Dollar" erwidern.
Der US-Handelsbeauftragte Greer machte dagegen Kanada für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich: Deren Unterhändler hätten es abgelehnt, "das Handelsabkommen zu Bedingungen abzuschließen, die eigentlich zuvor schon vereinbart worden waren", erklärte er. Die Ablehnung sei trotz der Angebote Washingtons zur Zollsenkung bei Stahl, Autos, Holz und Aluminium im Gegenzug zu Zugeständnissen Kanadas erfolgt.
Trump verärgert - Demokraten nennen Streit "unnötig"
US-Präsident Donald Trump reagierte verärgert auf die Ankündigung Kanadas: "Kanada will die Vorteile eines Staates haben, ohne einer zu sein", schrieb Trump, der wiederholt gefordert hatte, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen, am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social. "Sie haben auch unseren großartigen Farmern viele Jahre lang massive Zölle auferlegt", schrieb Trump weiter. Damit sei es nun vorbei.
Demokratische Abgeordnete und Gouverneure der an Kanada grenzenden US-Bundesstaaten Minnesota, New York und Washington kritisierten den Republikaner Trump scharf für seine Zollpolitik. "Unnötig Streit mit unseren Verbündeten anzufangen und gleichzeitig die Preise hierzulande zu erhöhen - das ist Trumps Wirtschaftspolitik in einem Satz", schrieb etwa die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, im Onlinedienst X.
Durch die Eskalation des Handelsstreits steht auch die Zukunft des eigentlich erfolgreichen kontinentalen Freihandelsabkommens USMCA zwischen den USA, Mexiko und Kanada auf dem Spiel. Denn die US-Zölle sehen keine Ausnahmeregelungen mehr für kanadische Produkte im Rahmen des USMCA-Abkommens vor, durch das der Großteil kanadischer Exporte in die USA in den letzten 18 Monaten geschützt war. Das Freihandelsabkommen, das Trump in seiner ersten Amtszeit selbst ausgehandelt hatte, soll eigentlich für 16 Jahre verlängert werden, die USA weigern sich jedoch.
Wirtschaftsvertreter fordern Deeskalation
Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada schürt die Sorge vor einem ausgewachsenen Handelskrieg der Nachbarstaaten. Sollte die kanadische Regierung "die Zölle nachziehen und Trump darauf mit einer Eskalation reagieren, würden beide Seiten in eine kostspielige und schädliche Spirale aus Vergeltungsmaßnahmen geraten", schrieb der Leiter des Center for a New American Security, Richard Fontaine, auf der Plattform X.
Nach US-Angaben sind vorerst keine weiteren Gespräche geplant - trotz Forderungen aus der Wirtschaft. So rief etwa die einflussreiche US-Managervereinigung Business Roundtable die Regierungen in Washington und Ottawa zu Verhandlungen auf. Die neuen Zölle drohten die Kosten für US-Unternehmen in die Höhe zu treiben, erklärte die Lobbygruppe.
Die Volkswirtschaften beider Länder sind eng miteinander verflochten. Rund 70 Prozent aller kanadischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Unter Trump haben sich die Beziehungen jedoch massiv verschlechtert.
Trump nutzt Zölle als politisches Druckmittel gegen zahlreiche Staaten. Als Begründung für die Zölle gegen Kanada hatte er unter anderem die Rauchbelastung durch Waldbrände genannt.