Innovation im Traditionsbetrieb: Wie Trigema mit Robotik dem Fachkräftemangel trotzt
Fachkräftemangel zwingt Trigema zum Umdenken: Unternehmen setzt jetzt auf Roboter
Stand: 17.09.2026, 13:35 Uhr
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Wenn die Belegschaft in Rente geht und der Nachwuchs fehlt – Trigema setzt ab sofort auf Automatisierung in der Fertigung mit einem neuen Roboter.
Burladingen – Das deutsche Textilunternehmen Trigema mit Sitz im baden-württembergischen Burladingen steht vor einer historischen Wende. Seit Jahrzehnten wirbt der Bekleidungshersteller mit dem Versprechen „100% Made in Germany“ und setzte dabei konsequent auf traditionelle Handarbeit und soziale Verantwortung.

Doch der demografische Wandel geht auch an dem schwäbischen Vorzeigebetrieb nicht spurlos vorbei, da ein massiver Fachkräftemangel die Produktionskapazitäten bedroht. Weil in den nächsten Jahren ein Großteil der erfahrenen Belegschaft in den Ruhestand geht und nicht genügend junge Arbeitskräfte nachrücken, zieht nun ein völlig neuer Mitarbeiter in die Näherei ein – ein hochentwickelter Roboter.
Robotik hilft Trigema, den Produktionsstandort Deutschland zu sichern
Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, zwingt der akute Mangel an Nachwuchskräften die neue Geschäftsführung rund um Wolfgang Grupp jun. und Bonita Grupp zum Umdenken. Der Einzug der Automatisierungstechnologie in die Näherei gilt als Zeitenwende, da das präzise Führen und Zusammennähen von flexiblen Textilstoffen traditionell als extrem schwer automatisierbar galt. Um diese Hürde zu nehmen, kooperiert das Unternehmen intensiv mit externen Partnern.
In einem offiziellen Trigema-Video auf Social Media gaben Wolfgang Grupp jun. und die Projektbeteiligten bereits Einblicke in ein zukunftsweisendes Testprojekt. Zusammen mit dem Automatisierungsspezialisten Robotextile und der Hochschule Niederrhein erprobt Trigema den Einsatz von Robotik in der Textilproduktion.
Konkret geht es darum, das bisher rein manuelle, aufwendige Vereinzeln und Einlegen von Schnittteilen zu automatisieren. Ziel ist es dabei ausdrücklich nicht, die menschliche Arbeit vollständig zu ersetzen, sondern die verbliebenen Fachkräfte spürbar zu entlasten und Prozesse effizienter zu gestalten.
Robter bei Trigema: Automatisierung schützt Arbeitsplätze in Deutschland trotz Fachkräftemangel
Der radikale Schritt von Trigema spiegelt eine Entwicklung wider, die Ökonomen in ganz Deutschland beobachten. Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) bleiben branchenübergreifend hunderttausende Stellen unbesetzt, weil die Generation der „Babyboomer“ den Arbeitsmarkt dauerhaft verlässt. Studien und Branchenberichte stützen den eingeschlagenen Kurs von Trigema deshalb auch maßgeblich. Automationsexperten des Roboterherstellers KUKA betonen beispielsweise, dass Roboter im Mittelstand heute vor allem monotone, ergonomisch belastende Aufgaben übernehmen.
Dies wiederum steigert die Attraktivität der verbleibenden Arbeitsplätze für jüngere Bewerber, die moderne Technologie im Alltag erwarten. Zudem zeigt eine Untersuchung des Institute of Labor Economics (IZA), dass zukunftsfähige Technologien manuelle Prozesse sinnvoll ergänzen und so den Erhalt von Produktionsstandorten in Hochlohnländern wie Deutschland langfristig sichern können.
Für Trigema bedeutet der Testlauf in der Näherei einen Balanceakt zwischen der Wahrung jahrzehntealter Firmenwerte und der notwendigen Modernisierung. Der Einsatz von Robotern zeigt, dass der Erhalt des Standorts Deutschland durch die Verschmelzung von traditionellem Handwerk und Industrie 4.0 möglich ist. Indem monotone Handgriffe an intelligente Maschinen übertragen werden, sichert Trigema die Arbeitsplätze seiner Näherinnen und stellt die Weichen für die Zukunft. (Quellen: Schwäbische Zeitung, Trigema, BA, IZA) (sts)