Kleinkind wurde fälschlich für tot erklärt: Warum die Behörden nun von einer Anklage absehen


Fälschlich für tot erklärt: Behörden klagen Eltern nach Drama um Kleinkind nicht an

Stand: 30.07.2026, 13:14 Uhr

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Schild Gerichtsmedizin/Pathologie

Schild Pathologie/Gerichtsmedizin. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Ein für tot befundender 18 Monate alter Junge in Arizona zeigte plötzlich Vitalzeichen bei der Gerichtsmedizinischen Untersuchung.

Arizona – Die Staatsanwälte im Maricopa County haben entschieden, keine Anklage gegen die Eltern eines 18 Monate alten Jungen zu erheben. Der Junge war Stunden nach einem Beinahe-Ertrinken für tot erklärt worden, wurde jedoch in der Leichenhalle eines Krankenhauses lebend aufgefunden. Die Staatsanwälte beriefen sich auf Hinweise zu getroffenen Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Familie und darauf, dass der Fall nicht den Standard einer „angemessenen Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung“ erfüllte, berichtete die New York Times.

Das Kind war am 8. Februar regungslos in einem Swimmingpool der Familie entdeckt worden. Behördlichen Angaben zufolge rückten Polizei und Feuerwehr um 17.35 Uhr zu dem Haus in Gilbert aus, nachdem gemeldet worden war, dass das Kleinkind bewusstlos aufgefunden worden sei. Rettungskräfte führten eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch und brachten den Jungen in das Dignity Health Mercy Gilbert Medical Center. Dort setzten Ärzte die Wiederbelebungsmaßnahmen fort, bevor sie ihn um 18.20 Uhr für tot erklärten, berichtete die New York Times.

Kurz vor 23.30 Uhr stellte ein Mitarbeiter des Gerichtsmediziners, der den Leichnam abholen sollte, fest, dass der Junge atmete. Er wurde daraufhin zur weiteren Behandlung in das Phoenix Children’s Hospital verlegt, so die Zeitung.

Angemessene Wahrscheinlichkeit

Die unerwarteten Lebenszeichen in der Nacht führten dazu, dass die Polizeibehörde von Gilbert eine Untersuchung zu den Umständen des Pool-Vorfalls und zur medizinischen Reaktion einleitete, berichtete The New York Times. Ermittler stellten fest, dass die Türen, die in den Hinterhof führten, ungesichert geblieben waren. Zudem nahmen sie den Geruch von verbranntem Marihuana wahr. Diese Erkenntnisse führten zu einer Empfehlung an die Staatsanwaltschaft, Anklage wegen Kindesmissbrauchs zu erheben, so die Zeitung.

Die Staatsanwälte lehnten eine Anklage ab mit der Begründung, dass die Anklageschwelle nicht erreicht sei. „Nach einer Überprüfung der Fallfakten und aller verfügbaren Beweise durch leitende Anwälte wurde festgestellt, dass dieser Fall unseren Anforderungen für die ‚angemessene Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung‘ nicht genügt“, teilte die Behörde in einer Erklärung mit.

Das Krankenhaus bezeichnete den Vorfall als „eine herzzerreißende Situation“. Es habe eine gründliche Überprüfung durchgeführt, um die Geschehnisse zu klären und sinnvolle Änderungen vorzunehmen. Zudem arbeite es weiterhin mit der Familie und deren Vertretern zusammen, berichtete die New York Times.

Ähnlicher Fall in Brasilien

Der Fall in Arizona erinnert an einen ähnlichen Vorfall in Brasilien. Dort bemerkte ein Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens Lebenszeichen bei einem Säugling, der bereits für tot erklärt worden war. Dies führte nach Angaben von Merkur.de zu einer schnellen Rückverlegung auf die Intensivstation, nachdem die Familie des Kindes bereits mit den Bestattungsvorbereitungen begonnen hatte.

Das Baby, identifiziert als Noah Gabriel da Cruz Santos, wurde am 15. Juni 2026 mit einer Gaumenspalte vorzeitig geboren und wartete auf einen Platz in einer Spezialklinik für die notwendige Operation. Am 15. Juli erlitt es einen Herzstillstand; die Ärzte versuchten etwa 45 Minuten lang, es wiederzubeleben, bevor sie dessen Tod feststellten.

Etwa zwei Stunden nach der offiziellen Todesfeststellung bemerkte ein Mitarbeiter des Bestattungsdienstes, der eintraf, um den Leichnam abzuholen, Lebenszeichen und alarmierte das medizinische Personal. Dies führte zur Wiederaufnahme von Noah auf der neonatologischen Intensivstation und zu seiner Verlegung am 17. Juli in das Krankenhaus Centrinho an der Universität São Paulo in Bauru.

Lazarus-Syndrom

Das Krankenhaus Santa Casa de Rio Claro erklärte, alle erforderlichen Protokolle zur Todesfeststellung seien eingehalten worden. Die interne Ethikkommission des Hauses prüfe den Fall momentan. Kliniker untersuchten zudem, ob das sogenannte Lazarus-Syndrom – ein äußerst seltenes Phänomen, bei dem die Blutzirkulation spontan zurückkehrt, nachdem Wiederbelebungsmaßnahmen beendet wurden – eine Rolle gespielt haben könnte, berichtete Merkur.de. Der Zustand des Säuglings bleibt ernst. Er wurde intubiert und wird engmaschig überwacht, berichtete Merkur.de. (Redaktion)