Fanfarenzug Eschwege feiert 70 Jahre – und bricht mit alten Rollenbildern


Stand: 01.09.2026, 19:51 Uhr

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Blau-weiß, traditionsbewusst und kein bisschen leise: Zum 70-jährigen Bestehen feiern (von links) Vorsitzender Alexander Ceh, Bürgermeister Nicola-Alexander Ferl, Gerätewart Christian John sowie Kassierer Thomas Hocke und Stabführerin Tina Ceh den Fanfarenzug Eschwege als festen Bestandteil des städtischen Lebens.

Blau-weiß, traditionsbewusst und kein bisschen leise: Zum 70-jährigen Bestehen feiern (von links) Vorsitzender Alexander Ceh, Bürgermeister Nicola-Alexander Ferl, Gerätewart Christian John sowie Kassierer Thomas Hocke und Stabführerin Tina Ceh den Fanfarenzug Eschwege als festen Bestandteil des städtischen Lebens. © Foto: Melanie Salewski

Der Fanfarenzug Eschwege hat sein 70-jähriges Bestehen mit einem Fest an der Jahnturnhalle gefeiert. Mittlerweile spielen auch Mädchen an den Trommeln – ein Bruch mit alten Rollenbildern.

Eschwege – Es gibt Klänge, die untrennbar zu einer Stadt gehören. In Eschwege ist es der weithin hörbare Ton der Fanfaren. Ziehen die Musikerinnen und Musiker in Blau und Weiß auf, wissen viele sofort: Der Fanfarenzug kommt. Seit 70 Jahren begleitet er die großen Feste der Stadt und ist besonders aus dem Johannisfest kaum wegzudenken.

Zusammenhalt durch Musik beim Fanfarenzug Eschwege

Das feierte der Fanfarenzug Eschwege jetzt rund um die Jahnturnhalle. Statt eines steifen Festakts gab es ein entspanntes Zusammenkommen mit Mitgliedern, Familien und Vertretern befreundeter Vereine. Auch Bürgermeister Nicola-Alexander Ferl gehörte zu den Gästen. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt, während auf die Kinder eine Hüpfburg, Kinderschminken und verschiedene Spiele warteten.

Am Abend stand im Mittelpunkt, was den Verein seit seiner Gründung im Jahr 1956 zusammenhält: die Musik. Der Fanfarenzug präsentierte Höhepunkte des Repertoires. Seine Fanfaren und Landsknechtfanfaren sind Naturtoninstrumente und kommen ohne Ventile aus. Begleitet werden sie von Paradetrommeln. So entsteht jener kraftvolle, unverwechselbare Klang, mit dem der Verein seit Jahrzehnten weit über Eschwege hinaus auf sich aufmerksam macht.

Weitreichendes Engagement der Mitglieder

Stabführerin Tina Ceh nutzte den Auftritt, um den Menschen zu danken, die dem Fanfarenzug ihre Zeit widmen. Denn das Engagement reicht weit über die Übungsstunden hinaus. Auftritte und Fahrten müssen vorbereitet, Instrumente und Ausstattung gepflegt, Veranstaltungen organisiert werden. Ihr Dank galt auch den Gründungsvätern, die vor 70 Jahren den Grundstein für den Verein gelegt hatten.

Für die Aktiven sei der Fanfarenzug weit mehr als ein Verein, machte Tina Ceh deutlich. Die Gemeinschaft gleiche einer großen Familie. Man müsse sich aufeinander verlassen können, gut zusammenspielen und für die gemeinsame Sache brennen. Häufig wird die Begeisterung innerhalb der Familien von einer Generation an die nächste weitergegeben. Auch der Vorsitzende Alexander Ceh wuchs mit dieser Musik auf und trägt heute gemeinsam mit seiner Frau Verantwortung für den Verein.

Fanfarenzug gehört zum Lebensgefühl Eschweges

Mit rund 40 Aktiven ist der Fanfarenzug derzeit gut aufgestellt. Darauf will sich der Verein jedoch nicht ausruhen. Er möchte offen bleiben und sich weiterentwickeln, damit seine Musik auch für kommende Generationen attraktiv bleibt. Dazu gehört, über lange gepflegte Rollenbilder hinauszudenken: Mittlerweile spielen auch Mädchen an den Trommeln. Zugleich erweitert sich das musikalische Repertoire. Neben den traditionellen Stücken erklingen neuere Kompositionen wie „Puerto Rico“, das beim Frühlingskonzert erstmals öffentlich gespielt wurde.

Dass der Fanfarenzug ein musikalisches Aushängeschild Eschweges ist, zeigt sich auch bei seinen zahlreichen Reisen. Immer wieder begleitet er die Stadt zu Begegnungen und Veranstaltungen, etwa in die Partnerstadt Regen. Ein außergewöhnlicher Höhepunkt der Vereinsgeschichte war 2017 die Reise nach Rom mit einem Auftritt im Petersdom.

Doch seine eigentliche Bedeutung zeigt sich zu Hause. Ob beim Johannisfest oder bei anderen großen Anlässen: Der Fanfarenzug gehört zum Lebensgefühl Eschweges. Seine blau-weißen Farben sind die Farben der Stadt, sein Klang kündigt seit Jahrzehnten besondere Momente an. Bei der Jubiläumsfeier sorgten ein Zauberer und eine Feuershow für zusätzliche Unterhaltung. Später wurde mit DJ Björn weitergefeiert. Das Gelände an der Jahnturnhalle war liebevoll hergerichtet, die Feier bis ins Detail vorbereitet. Sie zeigte, was den Verein seit sieben Jahrzehnten trägt: Zusammenhalt, Leidenschaft für die Musik und die Bereitschaft, gemeinsam anzupacken. Der Fanfarenzug blickt deshalb nicht nur stolz auf seine Geschichte zurück. Er richtet den Blick ebenso entschlossen nach vorn, damit es auch künftig bei den Festen der Stadt wieder heißen kann: Der Fanfarenzug kommt.