Finger weg von dieser 26-Zentimeter-Flachantenne – der Praxistest

Auf einer chinesischen Verkaufsplattform wird eine Sat-Flachantenne mit gerade einmal 26 Zentimeter Durchmesser angeboten. Ist mit ihr tatsächlich Satellitenempfang möglich?
Was taugt die China-Miniantenne?
Die Typenbezeichnung der runden Miniantenne lautet BSS-180P (teilweise auch als BSS-P180 gelistet). Sie wird im Netz für rund 55 bis 160 Euro inklusive Versand angeboten. Schaut man sich allein die technischen Daten an, wird schnell ersichtlich, dass sie für den europäischen Markt kaum geeignet ist. Der Hauptgrund: Sie ist ausschließlich für das obere Ku-Band und somit für den Frequenzbereich von 11,7 bis 12,75 Gigahertz ausgelegt. Viele wichtige deutsche Programme auf Astra 19,2 Grad Ost sind damit von vornherein technisch unerreichbar.
Der Antenne liegt eine Halterung bei, mit der sie an einer Wand oder auf einer waagerechten Oberfläche festgeschraubt werden kann. Für den mobilen Camping-Einsatz ist das Modell nicht vorgesehen.

Wie ist die Antenne aufgebaut?
Der innere Aufbau: 126 wackelige Drahtstücke
Blickt man hinter die Kulissen, besteht die BSS-180P aus zwei Kunststoff-Halbschalen. In ihrem Inneren kommt eine runde Blechscheibe mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern zum Vorschein. Auf dieser Scheibe sind in sechs Kreisen insgesamt 126 gebogene Drahtstücke mit einem Durchmesser von je acht Millimetern angeordnet.
Diese Mini-Antennchen stecken in äußerst porösen Kunststoffhülsen, in denen sie nur unzureichend gegen Herausfallen gesichert sind. Obwohl ihre Ausrichtung im Prinzip einem festen Muster folgt, sitzen die Drähte so locker in den Hülsen, dass viele ab Werk völlig schief stehen. Hinter der Blechscheibe ist eine sieben Millimeter dicke Blechschale angeschraubt, an deren hinterem Ende ein Flansch-LNB sitzt.

Der Empfangstest auf Astra 19,2 Grad Ost
Bereits vor einigen Jahren wurde die BSS-180P schon einmal auf Astra 19,2 Grad Ost getestet. Damals waren auf dieser Position noch die älteren Astra-Satelliten aktiv. Obwohl diese Position seit jeher als extrem empfangsstark gilt, konnte mit der Fernost-Flachantenne damals nicht ein einziger Transponder eingelesen werden.
Mit dem neuen, merklich stärkeren Satelliten Astra 1P keimte neue Hoffnung auf: Sind die Chancen für die kleine Antenne jetzt gestiegen? Ein neuerlicher Versuch unter optimalen Bedingungen scheitert jedoch kläglich – und das gleich in doppelter Hinsicht:
- Ebenen-Blockade: Die BSS-180P empfängt unabhängig von der geschalteten LNB-Versorgungsspannung ausschließlich auf der horizontalen Ebene des Ku-Bands.
- Frequenz-Taubheit: Die Antenne scheint unterhalb von etwa 12,5 Gigahertz komplett taub zu sein.
Das bedeutet im Klartext: Sie arbeitet nur auf Frequenzen, auf denen kein einziger Transponder des neuen, starken Astra 1P liegt. Stattdessen empfängt sie nur Bereiche, die vom älteren Astra 1N bedient werden. Von den stärkeren Signalen des neuen Satelliten profitiert die Mini-Schüssel also überhaupt nicht.

Die aktuellen Tests mit der chinesischen Sat-Mini-Flachantenne lässt nur einen Schluss zu: Finger weg von diesem Teil. Zwar ist nicht auszuschließen, dass es bei diesem Produkt ausgesprochen hohe Qualitätstoleranzen gibt und dass die eine oder andere Antenne doch zumindest einige Transponder auf den Schirm zaubern könnte, doch das Risiko, absolut unbrauchbare Ware für den Preis von rund 55 bis 160 Euro zu erhalten, ist hier ausgesprochen groß.
Abgesehen davon, dass die BSS-180P ohnehin nichts empfängt, ist es auch egal, dass sie laut ihren technischen Spezifikationen ohnehin nur für das obere Ku-Band ausgelegt ist. Die Programme von ARD, ZDF, ORF und einer Reihe von kleineren deutschen Privatsendern wären damit ohnehin nicht zu bekommen. Damit ist die BSS-180P auch keine Alternative oder Option für all jene, die nicht ohne weiteres eine eigene Sat-Schüssel montieren dürfen.
Fazit
Auch wenn die Abmessungen der BSS-180P absolut attraktiv für eine unauffällige Sat-Anlagen-Installation wären, so ändert das nichts daran, dass diese Antenne in keiner Weise für den Einsatz in Europa taugt. Hier ist man mit jeder üblichen Campingantenne ungleich besser beraten. Sie sind zwar mit rund 38 Zentimeter Durchmesser etwas größer, funktionieren aber. Zuletzt sind sie auch deutlich billiger als diese chinesische Flachantenne.
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