Firmenpleiten steigen im September auf 1.666 Fälle: Dienstleister geraten besonders unter Druck
Stand: 08.10.2026, 14:12 Uhr
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Im September kletterten die Firmeninsolvenzen in Deutschland auf 1.666 Fälle – 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem Dienstleister verzeichnen ein Rekordhoch.
Halle (Saale) – Die Krise der deutschen Wirtschaft schlägt sich weiterhin spürbar in den Firmenbilanzen nieder: Im September ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erneut angezogen. Wie aus der aktuellen Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervorgeht, registrierten die deutschen Registergerichte im vergangenen Monat 1.666 Pleiten von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das entspricht einem Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vormonat August und einem Anstieg um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Besonders drastisch fällt der Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Pandemie aus: Die aktuellen September-Zahlen liegen um 85 Prozent über dem Durchschnitt des Vorkrisenniveaus der Jahre 2016 bis 2019.
Rekordwert bei Dienstleistern – Baugewerbe und Industrie weiterhin belastet
Hinter den Gesamtzahlen verbergen sich deutliche Branchenunterschiede. Während das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe vor allem unter hohen Finanzierungskosten, gestiegenen Energiepreisen und einer schwachen Inlandsnachfrage leiden, spitzt sich die Lage im Dienstleistungssektor besonders zu. Hier verzeichnete das IWH bei unternehmensnahen Dienstleistungen sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistern den höchsten Insolvenzwert seit Beginn der systematischen Erhebungen im Jahr 2020.
Auch die amtlichen Statistiken des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und Erhebungen von Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform spiegeln den anhaltenden Druck wider. Während amtliche Zahlen bedingt durch gerichtliche Verfahrensabläufe rund zwei Monate zeitverzögert veröffentlicht werden, fungiert der IWH-Insolvenztrend als frühzeitiger Seismograf für das laufende Wirtschaftsgeschehen.
Lichtblick im dritten Quartal: Weniger Großinsolvenzen und Hoffnung für den Herbst
Trotz des Dämpfers im September zeichnet der Blick auf das gesamte dritte Quartal ein differenzierteres Bild: Mit insgesamt 4.880 Unternehmensinsolvenzen ging die Gesamtzahl im Vergleich zum zweiten Quartal leicht um 2,3 Prozent zurück.
Positiv hervorzuheben ist zudem die Entwicklung bei den Großunternehmen. Da im abgelaufenen Quartal seltener besonders große Arbeitgeber in Schieflage gerieten, sank die Zahl der von einer Firmenpleite bedrohten Arbeitsplätze um zehn Prozent auf rund 41.000 Stellen.
IWH-Forschungsleiter Steffen Müller ordnet das Gesamtgeschehen zwar weiterhin auf einem erhöhten Niveau ein, stellt jedoch eine Trendwende für das Jahresende in Aussicht: „Für das vierte Quartal darf insgesamt mit rückläufigen Insolvenzzahlen gerechnet werden“, so der IWH-Experte.
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
- 1.666 Firmeninsolvenzen im September: +9 % gegenüber dem Vormonat August, +13 % im Vergleich zum Vorjahresmonat.
- Vergleich zum Vorkrisenniveau: +85 % gegenüber dem Vor-Corona-September.
- 3. Quartal gesamt: 4.880 Pleiten (-2,3 % gegenüber Q2).
- Bedrohte Arbeitsplätze: 41.000 Jobs in Q3 (-10 % gegenüber dem Vorquartal).
- Dienstleistungssektor: Höchster gemessener Insolvenzwert seit Erfassungsbeginn 2020.
Weitere Analysen und Hintergrundberichte zur Konjunkturentwicklung und den Ursachen der aktuellen Insolvenzwelle in Deutschland finden Sie bei Merkur.de. (nmr mit dpa)