Flatpak: Wichtiges Linux-Projekt erhält große Geldspritze, Google arbeitet an Chrome-Support
Open Source
Flatpak: Wichtiges Linux-Projekt erhält große Geldspritze, Google arbeitet an Chrome-Support
Über den Sovereign Tech Fund gibt es mehr als eine halbe Million Euro. Google experimentiert vorerst mal nur
Andreas Proschofsky
Die Erstellung und Verbreitung von Softwarepaketen: Dafür ist in der Linux-Welt traditionellerweise die jeweilige Distribution zuständig. Ob Fedora, Debian oder Arch Linux: Alle stellen ihre eigenen Paketquellen zur Verfügung.
Ein anderer Ansatz
Doch seit einigen Jahren gibt es einen Gegentrend: Neue Paketformate wie Flatpak funktionieren distributionsübergreifend. Das heißt: Dasselbe Paket läuft auf all den unterschiedlichen Linux-Ausgaben, solange es dort nur eine aktuelle Ausgabe der zugehörigen Tools gibt.
Nachdem die Nutzung des mit Flatpak eng verbundenen App Stores Flathub zuletzt stark zugenommen hat, darf sich das Projekt nun über die nächsten Fortschritte freuen. Der wichtigste: Die Sovereign Tech Agency fördert die Weiterentwicklung des Paketformats mit mehr als einer halben Million – konkret sind es 508.640 Euro.
Von Portalen und Berechtigungen
Mit diesem Geld sollen konkrete Verbesserungen angegangen werden, allen voran der Ausbau des Berechtigungssystems rund um Flatpak. So soll etwa die Audio-Ausgabe-Berechtigung von der Mikrofon-Berechtigung getrennt werden. Zudem will man ein neues Netzwerk-Portal schaffen, über das dann der Umfang des Zugriffs auf das Netzwerk von den Nutzerinnen und Nutzern selbst bestimmt werden kann – vom generellen Zugang zum Internet bis zu einzelnen lokalen Diensten und Ports.
Auch VPN-Dienste sollen künftig besser in dieses Konzept integriert werden. Dabei will man sich an den entsprechenden Berechtigungen für Android und iOS orientieren. Ebenfalls mit dem Flatpak-Modell integriert werden sollen zentrale Schreibhilfen, womit dann auch alle isoliert laufenden Apps Zugriff auf das gleiche Wörterbuch hätten. Eine ähnliche Lösung soll es für Passwort-Tools geben.
Umbau
Zudem sollen auch grundlegende Verbesserungen am Flatpak-Konzept vorgenommen werden. So sollen Apps über Intents künftig an andere Programme kommunizieren können, welche Dienste sie anbieten. Über Deep Links soll dabei die jeweilige Funktionalität direkt aufgerufen werden können – ein ähnliches System kennt man von Android. Andere Neuerungen sollen wiederum App-Store-Betreibern die Prüfung von Paketen erleichtern.
Ein Team zur Umsetzung dieser Pläne wurde bereits zusammengestellt, das Projekt soll bis Ende 2027 laufen. Dann wird sich wohl auch zeigen, ob es gelingt, sämtliche Pläne zu realisieren. Parallel dazu läuft derzeit gerade unter dem Namen Flatpak Next eine allgemeine Erneuerung der Flatpak-Basis, wie die Entwickler vor einigen Monaten im Rahmen des Linux App Summits verraten haben. Ein Teil der damals vorgestellten Ideen wird jetzt mithilfe der neuen Förderung realisiert.
Chrome
Unterdessen gibt es eine weitere gute Nachricht für die Linux-Welt: Google arbeitet aktiv an der Unterstützung von Flatpak als Paketformat für den eigenen Browser, wie Phoronix entdeckt hat. Ein aktueller Codebeitrag zum Chromium-Projekt ermöglicht es, nun über das Build-System des Browsers Flatpaks zu erstellen.
Wie Google betont, ist das noch keine offizielle Zusage, dass Chrome künftig auch wirklich als Flatpak vertrieben wird. Es gehe zunächst einmal nur darum, sicherzustellen, dass dies überhaupt sauber und sicher geht. Eine Hürde für den Flatpak-Support ist, dass Chrome bisher unter Linux seine eigene Sandbox zur Isolation des Browsers und seiner Bestandteile verwendet. Für Flatpak würde es natürlich Sinn ergeben stattdessen die Sandbox des Paketsystems selbst zu nutzen.
Unabhängig davon, ob Google irgendwann einmal Chrome als Flatpak anbietet oder nicht, sind das wichtige Entwicklungen. Sollte es das doch Dritten erheblich erleichtern, ein inoffizielles Chrome- oder Chromium-Flatpak anzubieten, das problemlos und sicher läuft. Besonders relevant ist das auch angesichts der vielen Programme, die auf der Rendering Engine von Chrome basieren, also der zahlreichen webbasierten Apps, die Ozone verwenden. (Andreas Proschofsky, 28.8.2026)
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