Flávio Bolsonaro: Brasiliens Justiz ermittelt gegen Präsidentschaftskandidaten Bolsonaro


Wenige Wochen vor der Wahl in Brasilien werden Korruptionsermittlungen gegen Flávio Bolsonaro publik. Er ist der aussichtsreichste Herausforderer von Amtsinhaber Lula.

Quelle: DIE ZEIT, AFP, Reuters,

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Aktualisiert am 11. September 2026, 18:02 Uhr

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Flavio Bolsonaro Brasilien Korruption Geldwäsche Präsidentschaftswahl
Flávio Bolsonaro, Sohn des rechtsextremen brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, tritt in wenigen Wochen bei der Präsidentschaftswahl an. © Maira Erlich/​Bloomberg/​Getty Images

Die brasilianische Polizei ermittelt wegen verdächtiger Korruption und Geldwäsche gegen Flávio Bolsonaro, den Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro und aussichtsreichsten Herausforderer von Amtsinhaber Lula da Silva bei der anstehenden Präsidentschaftswahl. Das geht aus einem Gerichtsdokument hervor, das knapp drei Wochen vor der Wahl am 4. Oktober veröffentlicht wurde. 

Demnach laufen die Ermittlungen gegen Bolsonaro bereits seit Juli. Sie beziehen sich auf die Finanzierung eines Dokumentarfilms über dessen Vater. Sein Sohn hatte im Mai eingeräumt, den Banker Daniel Vorcaro um Millionensummen für die Finanzierung des Films gebeten zu haben, bestritt dabei jedoch Gesetzesverstöße. 

Vorcaro befindet sich seit November 2025 wegen des Verdachts auf milliardenschweren Betrug durch sein inzwischen insolventes Bankhaus Master in Haft. In den Skandal um die Insolvenz der Bank sind auch Beamte der brasilianischen Zentralbank, Politiker und Mitglieder des obersten Gerichtshofs verwickelt. 

Unterstützer Bolsonaros versuchen, Präsident Lula mit einem umstrittenen Richter des Gerichts in Verbindung zu bringen, der in der Vergangenheit Ermittlungen gegen Jair Bolsonaro vorangetrieben hatte und dem derzeit vorgeworfen wird, als Berater des Bankers Vorcaro gearbeitet zu haben. 

Bruder von Flávio Bolsonaro in Abwesenheit zu Haft verurteilt

Die Polizei untersucht offenbar, ob das von Vorcaro überwiesene Geld möglicherweise nicht für den Film, sondern zur Unterstützung von Eduardo Bolsonaro, einem weiteren Sohn des Ex-Staatschefs, verwendet wurde. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Kreise des obersten Gerichts. Ein Richter des obersten Gerichts hatte die Aufnahme der Ermittlungen im Juli genehmigt.

Eduardo Bolsonaro lebt in den USA. In Brasilien wurde er im Juni in Abwesenheit vom obersten Gericht zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, weil er dem Gericht zufolge auf illegale Weise Einfluss auf den Putschprozess gegen seinen Vater genommen hat. Konkret habe er versucht, die USA wegen des Verfahrens gegen seinen Vater zu Sanktionen gegen Brasilien zu bewegen. Das oberste Gericht hatte den Ex-Staatschef vor einem Jahr wegen eines geplanten Umsturzes zu 27 Jahren Haft verurteilt. Derzeit befindet er sich im Hausarrest.

Stichwahl zwischen Lula und Flávio Bolsonaro wahrscheinlich

Der Dokumentarfilm ist bislang nicht veröffentlicht worden. Er zeichnet ein positives Bild von Ex-Staatschef Bolsonaro. Die Polizei hatte im Rahmen der Ermittlungen am Donnerstag nach eigenen Angaben 49 Durchsuchungsbefehle in zahlreichen Objekten vollstreckt. Medienberichten zufolge sollen auch weitere Mittel veruntreut worden sein. Demnach wurde Geld, mit dem Abgeordnete bestimmte Projekte in ihren Wahlkreisen finanzieren sollen, für die Produktion des Films zweckentfremdet. 

Bei der ersten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl will sich Amtsinhaber Lula wiederwählen lassen. In Umfragen liegt er mehrere Prozentpunkte vor Flávio Bolsonaro. Weil eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang für keinen der Kandidaten wahrscheinlich ist, dürfte es zu einer Stichwahl zwischen Lula und Bolsonaro kommen. In darauf bezogenen Umfragen liegen sie gleichauf.