Flughafen Leipzig/Halle: Bundesanwaltschaft ermittelt nach versuchtem Drohnenangriff in Leipzig


Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen zur Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen. Es handle sich um einen »schwerwiegenden Angriff« auf die Infrastruktur.

Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters,

ale

Aktualisiert am 6. August 2026, 20:06 Uhr

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Einsatzkräfte am Flughafen Leipzig/Halle nach dem Fund einer mit Sprengstoff beladenen Drohne. © Hendrik Schmidt/​dpa

Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen zum mutmaßlichen versuchten Drohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle. Grund dafür sei die besondere Bedeutung des Falls, teilte die Karlsruher Ermittlungsbehörde mit. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Wie die Behörde mitteilte, liegen zureichende Anhaltspunkte vor, dass am Dienstag auf dem Gelände des Flughafens mittels einer Drohne eine Explosion verursacht werden sollte. Mit den polizeilichen Ermittlungen wurde das Bundeskriminalamt (BKA) beauftragt. Zuvor hatten die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen die Ermittlungen geführt.

Bundesanwaltschaft spricht von »schwerwiegendem Angriff«

Am späten Dienstagabend wurde auf dem Gelände des Leipziger Flughafens eine Drohne sichergestellt, die eine Sprengvorrichtung trug. Sie soll sich in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs befunden haben. Zudem kollidierte eine Frachtmaschine des Logistikunternehmens DHL mit einem weiteren, noch unbekannten Flugobjekt. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, handelte es sich dabei mutmaßlich um eine weitere Drohne.

»Es handelt sich um einen schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland«, teilte die Bundesanwaltschaft mit. »Damit ist die Tat geeignet, die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beschädigen.« Zuvor hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) von einem »hybriden Anschlagsszenario« in »neuer Gefahrenqualität« gesprochen und schloss dabei »fremde Mächte« als Drahtzieher nicht aus.

Sprengstoff an der Drohne bereits aus älteren Terrorangriffen bekannt

Der Flughafen hatte in der Nacht zum Mittwoch nach dem Fund der Drohne den Flugbetrieb eingestellt. Die Drohne war nach Angaben des LKA Sachsen mit einer Sprengvorrichtung beladen. Wie die Leipziger Volkszeitung als erste berichtete, handelte es sich dabei um 800 Gramm des Sprengstoffs Semtex. Der Stoff kam vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren bei Terrorangriffen zum Einsatz, etwa beim Lockerbie-Bombenanschlag von 1988, der ein Verkehrsflugzeug über Schottland zum Absturz brachte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurde auch der Stoff PETN verwendet. 

Von der sichergestellten Drohne waren offenbar auch Frachtflugzeuge der ukrainischen Gesellschaft Antonow bedroht. Die Maschinen vom Typ AN-124 sind seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine in Leipzig stationiert. Von dort aus übernehmen sie unter anderem schwere Frachttransporte für die Nato. Ob die Flugzeuge tatsächlich das Ziel der Drohne oder Drohnen war, ist noch unbekannt. 

Nach Informationen der ZEIT sowie Angaben aus dem Innenausschuss des Bundestages waren zu dem Zeitpunkt keine Munition oder anderes Waffenmaterial an Bord. Auch Maret Montavon, die Kommunikationschefin der Mitteldeutschen Flughafen AG, sagte der Leipziger Volkszeitung: »Die betreffenden Antonow-Flugzeuge waren zum Zeitpunkt des Vorfalls leer und damit ohne Fracht.« 

Parallelen zu Entzündung von Brandsatz in DHL-Logistikzentrum 2024

Der Fall weckt Erinnerungen an einen Vorfall im Jahr 2024. Damals entzündete sich im DHL-Logistikzentrum in Leipzig ein Luftfrachtpaket. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass das Paket im Auftrag Russlands platziert war. Laut dem früheren Verfassungsschutz-Präsidenten Thomas Haldenwang war Deutschland damals nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Es sei einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass das Paket noch am Boden und nicht während des Fluges in Brand geraten sei. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Wie ein als Zeuge geladener DHL-Vertreter im Prozess gegen fünf mutmaßliche Versender von Brandsätzen in Litauens Hauptstadt Vilnius angab, war es eine Verspätung, die eine Katastrophe verhindert hatte. Das DHL-Flugzeug sollte damals demnach um 5.30 Uhr abfliegen, knapp eine Viertelstunde, ehe die Brandvorrichtung detonierte. Das Paket fing demnach kurz vor dem Verladen Feuer. Litauen hatte im Frühjahr Anklage gegen fünf Männer erhoben, denen unter anderem terroristische Handlungen vorgeworfen werden. Dabei handelt es sich um Staatsbürger Russlands, der Ukraine und Litauens.