Flugtaxis: Erste Testflüge für US-Zertifizierung


Der Traum vom elektrischen Kleinflieger, der massenhaft Personen oder auch Fracht befördert, ist ein Stück näher gerückt – so sieht das Beta Technologies, einer der führenden Hersteller im Bereich der eVTOLs (electric vertical take-off and landing). Bei einem wichtigen Testflug im Rahmen eines Programms der US-Luftfahrtbehörde transportierte das Unternehmen erfolgreich Prototypen künstlicher Organe – doch bis zu einer Zertifizierung und damit einer echten Massentauglichkeit dauert es noch Jahre.

Doch der Reihe nach. Beta Technologies hat sich der Entwicklung kleiner, rein elektrisch betriebener Luftfahrzeuge verschrieben. Ziel ist es, die Luftfahrt nachhaltiger und massentauglicher zu machen. Konkret arbeitet das 2017 gegründete Unternehmen aktuell an zwei Modelltypen. Dem Senkrechtstarter ALIA VTOL (Vertical Takeoff and Landing) und dem Starrflügler ALIA CTOL (Conventional Takeoff and Landing), der eine Landebahn benötigt. Zu den Kunden gehören Air New Zealand, United Therapeutics, die US Army und diverse andere. Beim Gang an die US-Börse sammelte das Unternehmen eine Milliarde US-Dollar an Kapital ein. Manche fühlen sich beim Beta-Fluggerät vielleicht an den deutschen Flugtaxenhersteller Lilium erinnert, der nach einer zunächst von Bayern mit abgewendeten Insolvenz im vorigen Jahr endgültig bankrott ging. Die Patente wanderten an einen US-Investor.

USA wollen Flugtaxis ermöglichen

In Washington ist man von der Idee solcher „Flugtaxen“ und allgemein einem günstigen, massenhaft einsetzbaren Luftfahrzeug äußerst angetan und spricht von Advanced Air Mobility (AAM). Die US-Verkehrsbehörde versteht darunter keine konkrete Form von Luftfahrzeug, aber solche, die „flexible, erschwingliche und leicht zugängliche Flüge für alle Amerikaner“ liefern können. Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befand bereits in einer Studie, dass eVTOLs für den Personentransport kaum Nachhaltigkeitseffekte liefern. Aber in den USA ist eher die Zertifizierung für den Luftverkehr das Hindernis. Aus Betas Ankündigung, ein CTOL schon 2025 von der Federal Aviation Administration (FAA) zertifiziert zu bekommen, wurde nichts. Doch das Unternehmen verfolgt sein Ziel weiter.

Die FAA startet diesen Sommer ein Pilotprogramm für unterschiedliche Anwendungszwecke, das in 26 US-Bundesstaaten stattfinden soll, auch Beta ist hier stark vertreten. Beim eVTOL Integration Pilot Program (eIPP) sollen entsprechende Hersteller Anwendungszwecke wie Flugtaxen, Langstreckenflüge, Fracht- und Versorgungsflüge testen. Zudem sollen Automatisierungspotentiale erprobt werden.

Noch weit entfernt von FAA-Zertifizierung

Jetzt fand der erste Testflug des Programms erfolgreich statt, absolviert von einem Beta CTOL-Luftfahrzeug. Der Test lief in Zusammenarbeit mit United Therapeutics (Unither), einem Hersteller für Biotechnologie, der auch an der künstlichen Herstellung menschlicher Organe arbeitet. Würden ebendiese in Serie gehen, bräuchte Unither auch ein Transportmittel, das die Patienten entsprechend schnell beliefern kann. Diese Funktion will Beta übernehmen. Testweise transportierten die Beta-Piloten dafür Prototypen künstlicher Organe von Virginia nach Maryland, etwa 510 Kilometer weit.

Zwar ist das ein wichtiger Meilenstein bei der Entwicklung von AAM. Und in Notfalleinsätzen und um entlegene Regionen einzubinden, könnte urbane Luftmobilität laut ZEW tatsächlich nützlich sein. Allerdings sind Beta und auch alle seine Mitbewerber noch weit von einer allgemeinen FAA-Zertifizierung entfernt. Das verrät eine Unterlage der Behörde: Das eIPP, welches in einer ersten solchen Zertifizierung oder zumindest einem konkreten Anforderungskatalog dafür münden könnte, ist für drei Jahre angesetzt – der Zeitraum läuft aber erst, sobald ein erstes Projekt betriebsfähig wird. Das bedeutet: Wenn Unither und Beta einen Pilotbetrieb aufnehmen können, würde es mindestens ein paar Jahre bis zu einer Zertifizierung dauern – und damit bis ins nächste Jahrzehnt.

(nen)