Wrack auf dem Meeresgrund: Forscher entdecken Flugzeug nach 74 Jahren


Forscher entdecken ein verschollenes Flugzeug nach 74 Jahren

Die «Clipper Endeavor» stürzte 1952 über dem Atlantik ab, 52 Menschen kamen ums Leben. Der Unfall hat die moderne Luftfahrt umgewälzt. Jetzt wurde das Wrack im Meer gefunden.

23.07.2026, 18.04 Uhr

3 Leseminuten


Forscher haben im Atlantik vor der Küste von Puerto Rico ein lange verschollenes Flugzeug gefunden.

Forscher haben im Atlantik vor der Küste von Puerto Rico ein lange verschollenes Flugzeug gefunden.

AP

Umweltschützer fanden 2014 beim Mülleinsammeln an den Stränden Floridas ein besonderes Stück Plastik. Es war ein alter Gepäckanhänger mit der Aufschrift der Fluggesellschaft Pan American World Airways. Das Logo auf dem Anhänger stammt aus den 1950er Jahren. Aus jener Zeit also, in der ein Passagierflugzeug der Pan Am im Atlantik verunglückte.

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1952 stürzte die «Clipper Endeavor» mit 61 Personen an Bord im Meer vor Puerto Rico ab. Es war einer der prägendsten Flugzeugabstürze der modernen Luftfahrt. Nun haben Forscher das Wrack gefunden.

Gelungene Notlandung, missglückte Kommunikation

Das Pan-Am-Passagierflugzeug startete am 11. April 1952 von San Juan in Puerto Rico zu einem achtstündigen Linienflug nach New York. Es war Karfreitag. Der Flug dauerte weniger als neun Minuten.

Kurz nach dem Start fielen zwei der vier Triebwerke aus. Der Pilot steuerte die Maschine in Richtung Meer und leitete eine Notwasserung ein. Es gelang ihm, das Flugzeug auf dem Wasser zu landen. Das Heck riss zwar ab, aber die Kabine blieb intakt. Alle Personen an Bord überlebten den Aufprall. Aber dann brach das Chaos aus.

Die Passagiere wussten nicht, was sie tun mussten. Es gab Sprachbarrieren und keinen Evakuierungsplan. Die Leute verstanden nicht, wie sie die Rettungswesten anziehen sollten – und dass sie die Maschine verlassen mussten. Hinzu kamen grosse Wellen. Das Flugzeug füllte sich innert dreier Minuten mit Wasser und sank. 12 Personen konnten von der Küstenwache gerettet werden. 52 ertranken.

Der Unfall hat dazu geführt, dass heute weltweit das Kabinenpersonal vor jedem Flugzeugstart die Passagierinnen und Passagiere über Sicherheitsvorschriften, Rettungswesten und Notausgänge informiert. Die amerikanische Luftfahrtbehörde leitete nach dem Unglück grosse Reformen ein, die bis heute Standard sind. Auch die Videos, die die meisten Airlines zeigen, sind auf die Tragödie von 1952 zurückzuführen.

Das ist die «Clipper Endeavor», als sie noch intakt war.

Das ist die «Clipper Endeavor», als sie noch intakt war.

AP

Ein Forscher sucht sieben Jahre nach dem Flugzeug

Die «Clipper Endeavor» versank im Meer. Sie war zwar nur rund sieben Kilometer vor der Nordküste Puerto Ricos im Wasser gelandet, doch der Atlantik ist dort bereits Hunderte Meter tief. Das Wrack verschwand und wurde bis heute nicht geborgen. Mehr als siebzig Jahre lang wusste niemand, wo es war. Erst der 2014 in Florida gefundene Gepäckanhänger lieferte die entscheidende Spur.

Im Jahr 2019 nahm der amerikanische Historiker Russ Matthews die Suche nach dem Wrack auf. Russ ist der Präsident der Organisation Air/Sea Heritage Foundation, die verschollene Flugzeuge und Schiffe sucht. Sechs Jahre lang sammelte er, ausgehend von dem Anhänger, in Archiven alles Wissen, das über die «Clipper Endeavor» zu finden war.

Russ arbeitete mit dem Fernsehmoderator Joshua Gates der Discovery-Channel-Sendung «Expedition Unknown» zusammen. Der Sender begleitete die Suche filmisch. Mittels Kartenmaterial eines Piloten der amerikanischen Luftwaffe, Transkripten von Zeugenaussagen und Infos von Rettungskräften konnten die beiden immer genauer eingrenzen, wo sich das Wrack des Flugzeugs befinden musste.

Bilder von Unterwasserfahrzeugen zeigen das Wrack in 600 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund.

Bilder von Unterwasserfahrzeugen zeigen das Wrack in 600 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund.

AP

Autonome Tiefseeroboter fotografieren das Wrack

Zusammen mit dem Meeresforschungs- und Bergbauunternehmen Deep Sea Vision fuhren die Wissenschafter vor ein paar Wochen an die Stelle, an der sie das Wrack vermuteten. Dort setzte Deep Sea Vision zwei autonome Unterwasserfahrzeuge aus. Die Roboter sind mit Sonarsensoren ausgestattet, können bis zu vier Tage unter Wasser bleiben und den Meeresgrund auf bis zu 6000 Metern Tiefe absuchen.

Am 2. Juni lieferten die Roboter Bilder eines Flugzeugwracks. Ein weiterer Tauchgang brachte Sicherheit: Auf den neuen Bildern waren das Pan-Am-Logo, ein Schriftzug und die charakteristische Form der in zwei Teile zerbrochenen «Clipper Endeavor» zu erkennen. Die Unglücksmaschine war identifiziert. Diese Woche haben die an der Suche beteiligten Organisationen, darunter Discovery Channel, den Fund öffentlich gemacht. Noch in diesem Jahr will Discovery Channel eine Sendung zur «Clipper Endeavor» ausstrahlen.

Die Maschine liegt auf dem Meeresgrund in 600 Metern Tiefe. Und dort soll sie laut den Forscherinnen und Forschern auch bleiben. Sie sagten zur «New York Times», sie hätten nicht vor, das Wrack oder andere Überreste von der Fundstelle zu bergen. Dabei ist es möglich, dass sich im Wrack auch menschliche Überreste befinden: Die Körper von 39 der 52 verstorbenen Personen sind nie gefunden worden.

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