Forschungsarbeit und Reiseplanung: Briefe des Bremer Ethnologen Adolf Bastian


Stand: 18.10.2026, 12:27 Uhr

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Papierkram

Briefe eines Bremers, Briefe aus dem 19. Jahrhundert: Der Nachlass des Schiffsarztes und Ethnologen Adolf Bastian ist an der Staats- und Universitätsbibliothek erschlossen worden. © Staats- und Universitätsbibliothek

Studentinnen und Studenten haben jetzt Briefe des Bremer Ethnologen Adolf Bastian erschlossen. Der Gründungsdirektor des Museums für Völkerkunde in Berlin wurde vor 200 Jahren geboren.

Bremen – Adolf Bastian, vor 200 Jahren – 1826 – in Bremen als Spross einer Kaufmannsfamilie geboren und 1905 in Port of Spain (heute Hauptstadt des karibischen Inselstaats Trinidad und Tobago) gestorben, war Arzt, Ethnologe sowie Gründungsdirektor des Museums für Völkerkunde in Berlin. Jetzt haben Bremer Studentinnen und Studenten Briefe des Bremer entschlüsselt und damit für die weitere Forschung zugänglich gemacht.

Bastian, in Bremen kaum bekannt, „gilt als der Begründer der Ethnologie als Wissenschaftsfach“, so Dr. Maria Hermes-Wladarsch, Leiterin des Bereichs Historische Sammlungen, Handschriften und Rara an der Staats- und Universitätsbibliothek. „1869 wurde er an der Berliner Universität zunächst Dozent, später Professor für Ethnologie.“ Neun Jahre zuvor war das dreibändige Werk „Der Mensch in der Geschichte – Zur Begründung einer psychologischen Weltanschauung“ erschienen, mit dem der Bremer seinen Ruf als erster systematisch forschender deutscher Ethnologe begründete.

Australien und Asien, Afrika und Amerika

Es war die Zeit, als die Industrialisierung die Schifffahrt in ein neues Zeitalter bugsierte, in die Dampf- und Eisen-Ära, die neue Möglichkeiten bot. Als Schiffsarzt und Forscher unternahm Bastian mehrere Weltreisen. Sie führten ihn, so Hermes-Wladarsch, „nach Australien, in die Südsee, nach Süd- und Nordamerika, Südasien sowie an afrikanische Küsten“. Und: „Bastian publizierte intensiv über seine Reisen.“ Er starb während seiner neunten Weltreise. Heute erinnert in der Bremer Neustadt die Bastianstraße (Nähe Leibnizplatz) an ihn.

Während Bastians Schriften wie das Hauptwerk weithin zugänglich sind, waren es seine Briefe bislang nicht. Das hat sich nun geändert. In der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen werden mehr als 150 Briefe Bastians aufbewahrt, Korrespondenz zwischen dem Bremer und seinem Verleger Hermann Costenoble (1826 bis 1901). Hermes-Wladarsch: „Die Briefe geben Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit, Verlags- und Publikationspraxis sowie Reiseplanung des 19. Jahrhunderts.“

„Nicht leicht lesbar“

Studentinnen und Studenten der Geschichtswissenschaft haben die Schriftstücke jetzt im Rahmen eines Seminars inhaltlich erschlossen. „Dabei haben sie ihre Fähigkeiten im Lesen alter Kurrentschriften verbessert und Einblicke in die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte der frühen Ethnologie erhalten“, so Hermes-Wladarsch weiter. Es war eine aufwendige Detailarbeit. Die Dokumente seien „nicht leicht lesbar“.

Unterstützt wurden die Studierenden von Dr. Thomas Theye, der sich in seiner Dissertation mit den Zusammenhängen von Ethnologie und Fotografie im 19. Jahrhundert beschäftigt hat. „Die generationenübergreifende Zusammenarbeit mit einem Experten bei der Erschließung hat allen Beteiligten neue Impulse gebracht“, so Hermes-Wladarsch. Die Leiterin der historischen Sammlungen der Staats- und Universitätsbibliothek ist Dozentin des am Lehrstuhl des Historikers Prof. Dr. Cornelius Torp angesiedelten Seminars.

Bastians Briefe sind nun in der Nachlassdatenbank „Kalliope“ nachgewiesen und stehen zudem für die Recherche und für Forschungszwecke im Handschriftenlesesaal der Bremer Staats- und Universitätsbibliothek zur Verfügung.