Freibad-Chaos in Seligenstadt: Mitarbeiter am Limit – Nutzer sprechen von „Risiko“


Freibad in Hessen am Limit: Betriebsleiter klagt über Beschimpfungen – Security im Einsatz

Stand: 11.07.2026, 09:59 Uhr

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Im hessischen Seligenstadt häufen sich Konflikte im Freibad. Beschimpfungen gegen Personal nehmen zu. Jetzt appelliert das Bad an die Besucher.

Seligenstadt – Wo unterschiedliche Generationen und soziale Schichten aufeinandertreffen, entstehen Reibungspunkte. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Mit steigender Besucherdichte wächst das Konfliktpotenzial in Schwimmbädern. Das hessische Seligenstadt liefert dafür ein anschauliches Beispiel. Neben sommerlichen Temperaturen und überfüllten Becken belasten vor allem verbale Attacken das Freibad-Personal.

Der Sommer im Freibad

Im Freibad kann es bei Hitze schon mal voll werden. (Archivbild) © Daniel Karmann/dpa

Wie das lokale Nachrichtenportal OF News berichtet, registrieren die Verantwortlichen einen kontinuierlichen Anstieg solcher Vorfälle. Jörg Bussian, kommissarischer Betriebsleiter der Anlage, schildert die Zustände drastisch: „Die Beleidigungen und übelsten Beschimpfungen der Badegäste sind das, was am meisten an den Nerven zerrt und nur schwer zu ertragen ist. Das geht an niemandem spurlos vorbei.“ Private Sicherheitskräfte unterstützen mittlerweile das Team bei der Deeskalation.

Freibad-Besucher berichten von Anspannung statt Erholung

Auch Badegäste nehmen die veränderte Atmosphäre wahr. Eine Nutzerin aus Seligenstadt schreibt in den sozialen Medien: „Für mich war der Freibadbesuch leider längst keine unbeschwerte Freude mehr, sondern eher mit Anspannung verbunden.“ Noch deutlicher formuliert es ein Facebook-Nutzer: „Einfach nur traurig, dass unsere Kinder mit solchen Verhältnissen aufwachsen müssen. Schwimmbad war früher ein unbeschwertes Vergnügen und heute ist es ein unkalkulierbares Risiko.“

Mit einer öffentlichen Stellungnahme wandte sich das Seligenstädter Freibad an seine Gäste. „Wir erleben viele schöne Tage im Freibad – aber auch Situationen, die vermeidbar wären. Wenn jeder ein bisschen mehr Rücksicht nimmt und sich an die Regeln hält, wird es für alle leichter. Ein respektvolles Miteinander ist die Grundlage dafür, dass unser Freibad für alle ein Ort der Erholung bleibt“, so die Mitteilung.

Anerkennung für die Belegschaft kam von städtischer Seite. Der erste Stadtrat Oliver Steidl betonte: „Unser Team zeigt eine außerordentliche Leistungsbereitschaft, um den Badegästen schöne und abkühlende Stunden in unserem Freibad zu ermöglichen.“ Die Angestellten verdienten „größten Respekt“, wie sie mit den „physischen und psychischen Anforderungen, die ein sehr gefülltes Bad mit sich bringt, umgehen“.

Experten: Freibad als „Kontaktzone“ verschiedener Milieus

Die Problematik beschränkt sich nicht auf Seligenstadt. Wolfgang Kaschuba, Professor für Europäische Ethnologie, ordnet das Phänomen im Deutschlandfunk ein: Das Freibad sei „eine Liegewiese fast aller Klassen. Weil sich dort ganz unterschiedliche soziale Gruppen treffen, auch unterschiedliche Generationen, und das ist im Grunde genommen eine der zentralen Kontaktzonen, gerade auch in den Dörfern und kleinen Gemeinden.“

Experte Ralf Großmann formuliert im Focus klare Verhaltensregeln: „Wer ins Freibad kommt – egal welcher Herkunft, Religion oder Sprache – gehört dazu. Aber nur, wenn er sich auch dazu bekennt. Das heißt: 1. Regeln einhalten, 2. Rücksicht nehmen, 3. Respekt zeigen.“ Positive Nachrichten kommen derweil aus dem hessischen Schwalmstadt: Dort übernimmt ein anonymer Spender für alle Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahren den gesamten Sommer über den Eintritt. (Quellen: ScienceDirect, Deutschlandfunk, Focus, OF News) (bme)