Fußball-Regionalliga: Ein Remis für 1860 zum Volksfest


Ein bisschen ist es zurzeit mit 1860 München so, wie es früher mit Panini-Alben war: Ständig muss man etwas nachkaufen, und das geht irgendwann ordentlich ins Geld. Bei Sechzig ist bekanntlich der Wappen-Löwe erst einmal tabu, deshalb muss man sich als Fan das neue Trikot zulegen, für die sich aufgrund des neuen Personals allerlei Namensbeflockungen anbieten. Neue T-Shirts gibt es selbstredend auch, auf vielen ist „Freiheit für Sechzig“ zu lesen. Und eine neue Dauerkarte musste sowieso her, rund 10 000 kauften sie schon, obwohl viele im Frühjahr schon Geld für eine ausgegeben hatten, die jetzt nichts mehr wert ist.

Am Freitagnachmittag gab es vor dem ersten Heimspiel der Regionalligasaison gleich neben dem Grünwalder Stadion einen Schal abzuholen, Weiß-Blau auf der einen Seite, Grün-Gold auf der anderen, die Farben des Hauptvereins. Blasmusik spielte am Biergarten, nur den Schal gab es nicht mehr, der war sofort vergriffen. Wie das eben so ist mit einem Sammelalbum: Dinge mit Seltenheitswert zu sammeln, das schürt die Vorfreude.

TSV 1860 München

:Hier der Löwe, der im Grünwalder Stadion nicht mehr gezeigt werden darf

Müsste der FC Bayern künftig ohne sein Maskottchen „Berni, der Bär“ auftreten – egal. Aber die Sechzger ohne ihr Tier? Seit 1848 begleitet es sie. Vorerst ist es vorbei damit.

Zwar sprang beim Spiel gegen den FC Augsburg II nur das zweite 2:2 heraus, nach dem Debüt auswärts vergangene Woche beim FC Schweinfurt. Aber wie schon vor neun Jahren, als Sechzig in der Regionalliga starten musste, herrschten phantastisches Wetter und Volksfeststimmung auf Giesings Höhen. Auch der Gegner trug sehr zur Stimmung bei, weil 1300 Anhänger aus Schwaben den Termin nutzten, um sich für die Bundesligasaison aufzuwärmen. Selbstverständlich war das Stadion mit 15 000 Zuschauern ausverkauft, eine Blaskapelle spielte. Noch vor dem Anpfiff Riesenjubel für die sich aufwärmende Mannschaft, dazu der Ruf: „Der TSV ist wieder da!“

Und wie. Es dauerte zwar ein paar Minuten, doch schon bald war die Mannschaft, die eine arg improvisierte Saisonvorbereitung erlebt hatte, drückend überlegen. Nach 14 Minuten verwandelte Michael Eberwein dann einen Foulelfmeter, den Julian Bell herausgeholt hatte. Das zweite Tor folge wenig später, als Emre Erdogan seinen Gegenspieler mit einer Außenristflanke düpierte, Florian Niederlechner köpfelte freistehend ein (21.). Im Stadion herrschte eine Stimmung wie schon lange nicht mehr.

Die Fans pfeifen nur die Gästefans und die Trinkpause aus – Anfeindungen Richtung des Investors bleiben aus

Übrigens ließen sich die Fans, die zurzeit die endgültige Abnabelung von Hasan Ismaik herbeisehnen, zu keinerlei Anfeindungen in Richtung des Investors hinreißen. Ausgepfiffen wurden lediglich die Gästefans und die Trinkpause. Dann aber doch noch eine Ernüchterung: Augsburgs Thomas Kastanaras traf kurz vor der Pause zum 1:2 (45.), aber nur unter Protest der Löwen: Julian Bell hielt sich die Nase, Torwart Vitus Eicher meckerte, bis er Gelb sah. „Das ist maximal bitter, dass wir mit 2:1 in die Pause gehen, wir verpassen eigentlich das 3:0“, kommentierte Sechzigs Trainer Alper Kayabunar später.

Nach der Pause, räumte er ein, habe seine Mannschaft dann aber auch „zu wenig getan“. Die Löwen spielten plötzlich deutlich verhaltener, verunsicherten den Gegner nicht mehr und ließen sich eine ausgeglichene Partie aufzwingen. Der Ausgleich fiel dennoch fast aus dem Nichts: Eine Flanke aus dem Halbfeld fand den 1,74 großen Aris Malaj, der von Sechzigs Lance Fiedler unbedrängt das 2:2 köpfelte (72.).

Trotz des Fehlers zeigten viele der jungen Löwen aus dem eigenen Leistungszentrum, dass sie in der Liga gut mithalten können. „Das ist eine komplett neue Mannschaft, das ist nicht so leicht“, sagt Sechzigs Rückkehrer Felix Weber aus dem Abwehrverbund. Für eine gute Halbzeit, getragen von den Fans, reichte es schon einmal. Man müsse sich nun „von Spiel zu Spiel entwickeln“, sagt Trainer Kayabunar, dann könne man auch eine weitgehend nicht vorhandene Saisonvorbereitung kompensieren.

Es wäre auch für Kayabunar eine persönliche Weiterentwicklung: Im vergangenen Herbst hatte er schon einmal als Interimstrainer für Sechzig fungiert, auf seinen ersten Sieg als Cheftrainer in einem Ligaspiel wartet er noch.