Fünfte und letzte „Babylon Berlin“-Staffel: Die Nazis übernehmen


Stand: 09.09.2026, 08:00 Uhr

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Babylon Berlin, Staffel 5 - Der Tanz auf dem Vulkan geht zu Ende: Gedeon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) bitten zur letzten Staffel "Babylon Berlin". 1933 gilt es nicht nur eine Mordserie an ehemaligen Frontsoldaten aufzuklären, sondern auch die dunkelsten Stunden Deutschlands zu beleuchten, als die Demokratie erstmals verloren ging.

Babylon Berlin, Staffel 5 - Der Tanz auf dem Vulkan geht zu Ende: Gedeon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) bitten zur letzten Staffel "Babylon Berlin". 1933 gilt es nicht nur eine Mordserie an ehemaligen Frontsoldaten aufzuklären, sondern auch die dunkelsten Stunden Deutschlands zu beleuchten, als die Demokratie erstmals verloren ging. © Christine Schroeder/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film

Nun im Ersten - oder ab 10. September in der ARD-Mediathek - geht die wohl spektakulärste deutsche Serie zu Ende. „Babylon Berlin“ erzählt in Staffel fünf von jenen sieben Schicksals-Wochen zwischen 30. Januar und 23. März 1933, in der Deutschland die Weimarer Republik verlor und Hitler die Macht übernahm.

Am 13. Oktober 2017 startete die historische Krimiserie „Babylon Berlin“ beim Bezahlsender Sky. Rund ein Jahr später folgte die Premiere der ersten Staffel bei Koproduzent ARD. Nun, fast neun Jahre später, endet die aufwendige deutsche Serie mit der Veröffentlichung von acht finalen Folgen in der ARD-Mediathek (ab 10. September) und der Ausstrahlung der ersten vier Episoden in der Samstags-Primetime. Die Folgen fünf bis acht werden linear am Freitag, 25. September, ab 22.20 Uhr, gezeigt. Die Handlung der Serie, die sich gemäß den Romanvorlagen von Volker Kutscher zwischen historischem Kriminalroman und politischer Zeitgeschichte bewegt, beginnt im April 1929. Das Finale (Romanvorlage: „Märzgefallene“) spielt nun zwischen Januar und März 1933, direkt im Umfeld von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, dem Reichstagsbrand und der Machtübernahme der Nazis.

Babylon Berlin, Staffel 5 - Was können Demokraten jetzt noch tun? Journalist Katelbach (Karl Markovics, links), Redakteuer Heymann (Martin Wuttke, zweiter von links) und Anwalt Litten (Trystan W. Pütter) stehen vor dem Reichspräsidentenpalais und verfolgen die Kanzlerernennung Hitlers.

Babylon Berlin, Staffel 5 - Was können Demokraten jetzt noch tun? Journalist Katelbach (Karl Markovics, links), Redakteuer Heymann (Martin Wuttke, zweiter von links) und Anwalt Litten (Trystan W. Pütter) stehen vor dem Reichspräsidentenpalais und verfolgen die Kanzlerernennung Hitlers. © Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt, und Deutschland steuert auf sein dunkelstes Kapitel zu. Mitten in diesem Umbruch stößt Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) auf eine mysteriöse Mordserie: Die Opfer, allesamt ehemalige Frontsoldaten, verbindet ein Geheimnis, das bis in die Schützengräben des Jahres 1918 zurückreicht. Im Zentrum ihrer Ermittlungen: eine brisante, verschwundene Akte über Hitlers Kriegsdienst, deren Inhalt das offizielle Bild des künftigen Diktators erschüttern könnte. Wer auch immer diese Akte zurückhaben will, geht dabei über Leichen. Und dann verschwindet auch noch Gereon Rath (Volker Bruch) - spurlos, ohne ein Lebenszeichen, sodass Charlotte fürchten muss, ihn nie wiederzusehen.

175 bis 200 Millionen Euro Kosten für „Babylon Berlin“

533 Drehtage an mehr als 500 Drehorten, über 400 Schauspielende in Sprechrollen, 17.000 Komparsinnen und Komparsen sowie 2.046 anderweitig Mitarbeitende: „Babylon Berlin“, das als erstes gemeinsames Projekt eines Pay TV-Anbieters und des öffentlich-rechtlichen Fernsehens begann (Sky zog sich später zurück), wird wohl auf viele Jahre „das“ deutsche Serien-Megaprojekt bleiben. Zu sehr unter Druck befinden sich derzeit Film- und Medienbranche, die gesamte deutsche Wirtschaft und das öffentlich-rechtliche Fernsehen, als dass Kreative von der Freigabe ähnlicher Mittel wie für „Babylon Berlin“ träumen dürften. Über 175 bis 200 Millionen Euro Kosten für alle fünf Staffeln in Summe wird spekuliert.

Künstlerisch und auch in Sachen Erfolg dürfte der Plan der Autoren, Regisseure und Macher Achim von Borries, Tom Tykwer und Henk Handloegten aufgegangen sein. Nie zuvor sah man - schon gar nicht vom deutschen Fernsehen produziert - solch atemberaubende Set-Designs. Nie zuvor versammelte das deutsche Fernsehen eine solche Star-Riege vor der Kamera und zeigte inszenatorisch auch dem Mainstream-Blockbuster-Kino, wo der Hammer hängt.

Mit dem Serienfinale weicht der Erzählbogen vom zehnbändigen Romanzyklus Volker Kutschers ab. Filmisch endet Gereon Raths Story mit dem Zusammenbruch der Weimarer Republik und der Machtübernahme Hitlers. In der Buchreihe wird nach „Märzgefallene“ noch bis ins Jahr 1938 weitererzählt, also quasi bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Dass die Serie mit dem lange durch die Plots dräuenden Sieg des Faschismus über die Roaring Twenties und die politisch-gesellschaftliche Vielfalt Berlins in den Jahren 1929 bis 1933 endet, ergibt allerdings auch Sinn.

Kölner Karneval und Berliner Fackelmärsche

In Staffel fünf wird Hitlers (Clemens Schick) - übrigens weitgehend wahre - Geschichte als verwundeter sowie von einem Nervenarzt und Psychiater behandelten Gefreiten im Ersten Weltkrieg selbst zum Kernstück der Handlung. Erzählerisch grandios verwoben zeigen sich historisch verbürgte Charaktere, an die Historie angelehnte und erfundene Figuren in der Serienhandlung. Und wie im Buch wird auch in der Serienhandlung - Folge vier ist durchaus ein Highlight - kurzzeitig nach Köln und in den Karneval rund um die Tage der Machtübernahme Hitlers verlegt. Auf der einen Seite also die braunen Uniformen, Fackelmärsche und das faschistisch Steife und Gnadenlose in Berlin, auf der anderen Seite der Kölner Karneval mit seinem Chaos, der Buntheit und Lebensfreude. Mehr Tanz auf dem Vulkan, mehr historische Wucht in spannender Serienform geht nicht.

Staffel fünf ist eine dringende Warnung an die Gesellschaft, dass man Demokratie und Freiheit nicht noch einmal aus der Hand geben darf. Wer die wahren politischen Ereignisse der deutschen Schicksalswochen zwischen der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar und der Selbstentmachtung des Parlaments am 23. März 1933 kompakt und mit Einordnung durch Historiker und Politikwissenschaftler nacherleben möchte, dem sei die „ARD History: Babylon Berlin - Die Doku“ am Montag, 21. September, 22.50 Uhr, im Ersten oder der ARD-Mediathek empfohlen. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)