Gamescom 2026: Zwischen Krisenstimmung und Gaming-Euphorie - Meinung
Ein persönliches Fazit zur Gamescom 2026: Games, Trends und die Leidenschaft für die eigene Gaming Bubble. Die Gamescom 2026 war größer denn je. Und trotzdem verließ ich Köln mit dem Gefühl, dass sich etwas grundlegend verändert hat.
Business-as-usual oder doch mal etwas anderes? Diese Frage stelle ich mir jedes Jahr vor der Gamescom. Ich begleite die größte Gaming-Messe der Welt seit ihren Anfängen und tigere Jahr für Jahr von den Business- in die Consumer-Hallen, spreche mit Entwicklern, schaue mir Spiele an und versuche, einen möglichst guten Eindruck von der gesamten Veranstaltung zu ergattern.
Die Gamescom 2026 stand im Vorfeld unter einem besonderen Stern. Mit dem auf Netflix veröffentlichten „GTA 6: An Extended Look“ lieferte Rockstar ein namhaftes Konkurrenzprogramm und zugleich befindet sich die Branche in einer spürbaren Umbruchphase. Das spiegelt sich auch in meinem Messeerlebnis wider.

Volle Hallen, gute Stimmung – aber wie lange noch?
In den Messehallen herrschte ungetrübte Stimmung, selbst angesichts teils elend langer Warteschlangen. Auch nach der x-ten Gamescom bewundere ich die Geduld und Leidenschaft der Fans, die teils zwei oder mehr Stunden anstehen, nur um vor Release ihre Lieblingsspiele auszuprobieren.
Generell aber liebe ich die Atmosphäre. Es fühlt sich wirklich danach an, als würden sich Tausende Freundinnen und Freunde treffen, um gemeinsam für wenige Stunden oder Tage der Realität zu entfliehen und in ihre Bubble abzutauchen. Ganz egal, ob Gamer, Cosplayer, Anime-Freak oder einfach nur Gelegenheitsspieler: Der Zusammenhalt ist groß und ein friedliches Miteinander steht an erster Stelle.
Dem entgegen steht die stetig voranschreitende Kommerzialisierung der Gamescom. Unternehmen, die mit Games und Spielekultur wenig zu tun haben, erkannten längst diese werberelevante Zielgruppe und gehen auf Kundenfang. Nie zuvor hatte die Gamescom so wenig mit Games zu tun.
Zugleich steigen die Preise vor Ort immer weiter: eine Currywurst mit Brötchen für 8,80 Euro. Da staunte ich nicht schlecht. Und wenn ich dann noch auf die gestiegenen Reise- und Unterbringungskosten schaue, frage ich mich, wie lange sich ein Teil der Community den Trip nach Köln noch leisten kann.

Unsicherheit und das Fehlen großer Überraschungen
Denn auch hinter den Kulissen rumort es. Auch wenn die Kölner Messe mit der größten Gamescom aller Zeiten protzt und immer neue Superlative heraufbeschwört: Die Branche selbst befindet sich im Umbruch und das merkt man vor allem, wenn man mit Verantwortlichen und auch Entwicklern spricht. Dort herrscht viel Unsicherheit.
Entlassungswellen und Studio-Schließungen sind allgegenwärtig. Und zugleich scheint der Markt derart gesättigt, dass selbst etablierte Produktionen scheitern und nach dem richtigen Weg suchen. Was funktioniert noch? Was will die Community? Wie erreicht man in Zeiten von Streaming, TikTok und Co. überhaupt noch neue Menschen?
Die Branche kämpft und das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern. Denn auch wenn die Leidenschaft für das Gaming ungebrochen scheint, so verändern sich Spielerverhalten und Markt gleichermaßen. Demgegenüber steht der Mangel an ganz großen Überraschungen und Ankündigungen: Nichts gegen „The Witcher 3: Wild Hunt – Remastered“ und „Songs of the Past“, „Fable“, „LEGO Skylines“ oder „Rainbow Six: Tactics“, mir aber fehlte der ganz große Knaller.

China fordert die Branche
Was mir beim Schlendern durch die Messehallen besonders auffiel, war die deutlich gestiegene Präsenz chinesischer Entwickler. 2023 wurde das von Game Science entwickelte „Black Myth: Wu Kong“ noch mit dem Gamescom-Award für die „Best Visuals“ ausgezeichnet und war auch in der Kategorie „Most Epic“ nominiert. Das Soulslike war aufgrund der thematisierten chinesischen Folklore damals ein wahrer Blickfang.
Auf der Gamescom 2026 waren 60 Unternehmen aus China vertreten und hinterließen in den Messehallen einen spürbaren Eindruck. Dass der Preis für den „Best Booth“ an GRYPHLINE und deren „Arknights: Endfield“ geht, scheint da nur konsequent, während Sony PlayStation weiterhin durch Abwesenheit glänzt.
Ganz gleich, ob „Tides of Annihilation“, „The Defiant“, „Ananta“ oder „Hoyoverse“ – die chinesische Gaming-Szene erhöht den Druck. In den kommenden Jahren werden sich die vermeintlich Großen noch warm anziehen müssen, denn chinesische Games und Hersteller fordern die Etablierten zunehmend heraus – und das nicht nur im Mobile-Sektor, sondern eben auch im AAA-Bereich.
Mein persönliches Fazit
Die Gamescom ist und bleibt ein Highlight im Kalenderjahr. Und wenn auch diesmal nicht die ganz große Überraschung und das eine Standout-Spiel dabei waren, so ist die Messe doch immer wie ein Familientreffen. Dass diesmal auch nachdenklichere Töne angeschlagen wurden, scheint ob der aktuellen Marktsituation nur natürlich. Die Gaming-Industrie verändert sich und das sieht man auch an der Gamescom. In diesem Sinne … bis zum nächsten Jahr!
Bei Links zu Amazon, Media Markt, Saturn und einigen anderen Händlern handelt es sich in der Regel um Affiliate-Links. Bei einem Einkauf erhalten wir eine kleine Provision, mit der wir die kostenlos nutzbare Seite finanzieren können. Ihr habt dabei keine Nachteile.