Gaza-Verhandlungen gegen Israels Betonköpfe
Stand: 17.08.2026, 19:41 Uhr
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Trumps Vertrauter Jared Kushner versucht, den US-Friedensplan doch noch zu realisieren.
In den USA steht die radikal-islamische Hamas auf der Liste der Terrororganisationen – in Kairo hingegen sitzen US-Unterhändler mit Hamas-Führern am selben Tisch: Zu einem der eigentlich raren Treffen zwischen dem US-Abgesandten Jared Kushner und Hamas-Führer Khalil Al-Hayya kam es am Sonntagabend in der ägyptischen Metropole. Das Thema: die Zukunft von Gaza.
Es ist das zweite direkte Treffen zwischen einem US-Vertreter und einem Hamas-Führer. Das erste Treffen hatte im Oktober 2025 stattgefunden, als es darum ging, einen Durchbruch im Ringen um die Freilassung der israelischen Geiseln aus Hamas-Gewalt zu erreichen. Tatsächlich erklärte sich die Terrorgruppe danach – mit einigem Druck ihrer Geldgeber – bereit, die verbliebenen Geiseln freizulassen und die Leichname der getöteten Geiseln an Israel zu übergeben. Dass man nun wieder auf ein Treffen mit diesem Erzfeind Israels setzt, zeigt, wie dringlich die Lage aus Sicht der USA ist. US-Präsident Donald Trump setzt alles daran, seinen Gaza-Plan zu retten, den er Ende Juli präsentiert hatte.
Seit der Waffenruhe im vergangenen Oktober ist wenig passiert, um Gaza in eine Zukunft ohne Hamas-Diktatur und ohne israelische Besatzung zu führen.
Im Gegenteil: Israels Armee hat ihre Präsenz im Gazastreifen immer weiter ausgedehnt. Das Militär kontrolliert nun mindestens 65 Prozent des Gebiets. Derzeit leben über zwei Millionen Palästinenser:innen auf einem winzigen Gebiet eng gedrängt in Zelten und Notbehausungen – und weiterhin unter der Herrschaft der Hamas, die stetig an Zulauf gewinnt. Auf den zwei Dritteln unter israelischer Kontrolle finden sich praktisch keine Einheimischen mehr. Wer sich der besetzten Zone auch nur nähert, riskiert, erschossen zu werden. Trumps neuer Vorstoß, um Bewegung in die Sache zu bringen, prallte an den Mauern der wichtigsten Beteiligten ab. Israels Regierung hat den Plan unumwunden abgelehnt. Die Hamas hatte ihn zwar ursprünglich akzeptiert – inklusive eines Placets zur eigenen Entwaffnung. Später hieß es jedoch, dass man die Waffen erst abgeben werde, wenn das israelische Militär die Enklave endgültig verlassen hat. Der Plan sieht jedoch vor, dass Israel seine Truppen nur etappenweise abzieht. In zuvor definierten Zonen müsste die Hamas zuerst ihre Waffen ablegen.
Das Gespräch zwischen Kushner und dem Hamas-Führer dauerte gut informierten Kreisen zufolge rund 90 Minuten. Dabei soll es vor allem darum gegangen sein, die Hamas auf diesen Phasen-Fahrplan einzuschwören. Die palästinensischen Unterhändler sollen grundsätzlich ihre Bereitschaft zur Abrüstung bekundet haben, wie eine informierte Quelle dem israelischen Investigativjournalisten Barak Ravid mitteilte. Der Quelle zufolge war das Treffen „sehr produktiv“.
Am Montag dann führte Kushner mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Jerusalem ein ausgedehntes Gespräch. Laut der Nachrichtenagentur DPA wurde vereinbart, zwei Arbeitsgruppen einzurichten. Eine solle sich mit der Entmilitarisierung des Gazastreifens befassen. Eine zweite Arbeitsgruppe solle sich mit sanitären Maßnahmen, sauberem Trinkwasser und anderen Fragen der öffentlichen Gesundheit für die Menschen im Gazastreifen befassen.
Netanjahu steckt mitten im Wahlkampf, es geht um sein politisches Überleben. Sein Spielraum für Zugeständnisse ist also klein. Der Druck kommt nicht zuletzt aus seiner eigenen Partei: Hochrangige Funktionäre haben öffentlich bekundet, dass sie einen Rückzug aus Gaza ausschließen. Sie haben ihren Wähler:innen sogar versprochen, sich für einen Aufbau israelischer Siedlungen im Gazastreifen einzusetzen. Das übertrumpfte der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben Gvir noch, als er in einem Podcast meinte, man müsse in Gaza gezielte Tötungen vornehmen, „jede Nacht 30, 40“ – nicht nur Militante, sondern allgemein Menschen, „die es nicht verdient hätten zu leben“.
Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass Netanjahus Worte und Taten nicht immer deckungsgleich sind, wenn es um Gaza geht. So hat Netanjahu zwar vor Kameras sein pauschales Nein zum Trump-Plan verkündet. Vor Ort in Gaza zeigt sich jedoch eine Änderung der Lage. Israelische Angriffe auf Gaza haben in den vergangenen Wochen abgenommen. Und von einem weiteren Vordringen der Truppen Richtung Westen sieht man offenbar vorerst ab.
Washington ist das jedoch offenbar zu wenig. Trump drängt auf ein Ende der israelischen Angriffe und auf Zusagen, was den Rückzug der Armee aus Gaza betrifft. Ob er damit im israelischen Wahlkampf auf Gehör stößt, wird sich zeigen.