Vorsicht in Brandenbug: Gefährlicher Artverwandter des Eichenprozessionsspinners vermehrt sich
Stand: 26.07.2026, 17:55 Uhr
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Der Kiefernprozessionsspinner vermehrt sich in Brandenburg. Begünstigt wird seine Ausbreitung auch vom Klimawandel. Landkreise schicken Warnungen aus.
Neuruppin – Mit Beginn der Zweitausenderjahre fing der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) an, sich in Deutschland rapide auszubreiten. Bekanntermaßen kann er nicht nur der Vitalität von Eichen schwer schaden, sondern birgt auch gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier. Im Osten des Landes warnen nun diverse Landkreise vor der ebenso raschen Verbreitung eines Artverwandten des Eichenprozessionsspinners.

Dort nämlich befällt der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pinivora) immer mehr Waldstücke oder einzelne Bäume in Parks oder etwaigen Grünanlagen. Die kiefernreichen Wälder Brandenburgs bieten dem Schädling ideale Bedingungen. Zuträglich sind ihm aber auch milde Winter wie die letztjährigen, die durch den Klimawandel auch in kommenden Wintern ein allzu präsentes Szenario sein dürften.
Klimawandel begünstigt Eichenprozessionsspinner-Ausbreitung – mildere Winter bieten ideale Bedingungen
Während Eichenprozessionsspinner in deutschen Wäldern seit Jahren immer häufiger anzutreffen sind, warnen Förster und Landkreise in Brandenburg gegenwärtig vor einem Artverwandten, der Mensch und Tier nicht minder gefährlich werden kann: dem Kiefernprozessionsspinner. Der nämlich breitet sich im Bundesland zwischen den Fläming-Belziger Landschaftswiesen und der polnischen Grenze aus und stellt ebenfalls ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier dar.
Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, ist der Kiefernprozessionsspinner durch wärmere Winter in nördlichen Gefilden Europas mittlerweile auch im Süden skandinavischer Länder, in Polen und eben auch im Nordosten Deutschlands anzutreffen. Obwohl der Kiefernprozessionsspinner zunächst unscheinbar wirken mag, besitzen seine Raupen ebenso wie die des Eichenprozessionsspinners Brennhaare, die starke allergische Reaktionen hervorrufen können.
Beim Spaziergang in Parks oder der Wanderung durch den Wald – so lassen sich Kiefernprozessionsspinner erkennen
Die Kiefernprozessionsspinner-Raupen ernähren sich von Kiefernnadeln und bewegen sich in charakteristischen langen Ketten fort, – sogenannten Prozessionen. Im Vergleich zum Eichenprozessionsspinner entwickeln sich die Raupen des Kiefernprozessionsspinners später im Jahr. Während der Eichenprozessionsspinner hauptsächlich zwischen Mai und Juli aktiv ist, fällt die Saison des Kiefernprozessionsspinners in die Monate Juli und August.
Nach der starken Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners in Brandenburg warnen die dortigen Landkreise nun vor einer ähnlichen Entwicklung beim Kiefernprozessionsspinner. In der Region um Neuruppin wurde dieser Schädling vermehrt gesichtet, wie ein Sprecher des Landkreises Ostprignitz-Ruppin mitteilte. Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und die Tagesschau berichteten entsprechend.
Was macht die Raupen des Kiefernprozessionsspinners so gefährlich?
Die Brennhaare der Kiefernprozessionsspinner-Raupen enthalten das giftige Protein Thaumetopoein. Bei Kontakt mit Menschen oder Tieren können diese Haare schwerwiegende Reaktionen hervorrufen. Zu den möglichen gesundheitlichen Problemen, die durch den Kiefernprozessionsspinner hervorgerufen werden können, gehören mitunter:
- Hautreizungen: Starker Juckreiz, Rötungen und Ausschläge können durch den Kontakt mit den Brennhaaren entstehen.
- Atemwegsprobleme: Das Einatmen der Haare kann Atembeschwerden, Husten und in schweren Fällen Asthmaanfälle verursachen.
- Augenreizungen: Die Haare können Augenreizungen und Bindehautentzündungen hervorrufen.
- Allergische Reaktionen: In einigen Fällen sind schwere allergische Reaktionen möglich, die eine ärztliche Behandlung erfordern.
Verschiedene Landkreise in Brandenburg raten zur Vorsicht vor den Kiefernprozessionsspinner-Raupen
Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist längst nicht der einzige, der eine Warnung ausgesprochen hat. So weist die Stadt Mittenwalde in einer Pressemitteilung darauf hin, dass der Kiefernprozessionsspinner trockene und sandige Kiefernwälder bevorzugt und sich aufgrund milderer Winter, die durch die globale Erwärmung begünstigt werden, stark ausbreitet.
Auch das Amt Brück meldete kürzlich eine Zunahme von Sichtungen des Kiefernprozessionsspinners. Besonders in den Waldgemeinden Borkheide und Borkwalde wurden vermehrt langhaarige Raupen beobachtet, die in den typischen langen Prozessionen unterwegs sind. Verantwortliche des Landkreises Teltow-Fläming, nahe Berlin, haben ebenfalls eine Empfehlung zur Vorsicht für Anwohner und Spaziergänger ausgesprochen, die sich in Kiefernwäldern oder in der Nähe einzelner Bäume aufhalten.
So lässt sich vor den Kiefernprozessionsspinner-Raupen schützen
Um sich vor den Kiefernprozessionsspinner-Raupen und deren giftigen Brennhaaren zu schützen, sollten Spaziergänger, insbesondere Hundebesitzer, Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Hundehalter sollten besonders auf den Waldboden achten, da die Brennhaare der Kiefernprozessionsspinner sich dort verteilen und leicht in die Atemwege der Hunde gelangen können, wenn diese den Boden beschnüffeln.
Da der Kiefernprozessionsspinner auch in Südtirol sein Unwesen treibt, gab die Stadtgemeinde Bozen bereits via Pressemitteilung Empfehlungen zum Schutz vor den Raupen aus:
- Raupen und Nester sollten nicht berührt werden.
- Befallene Bäume und der Boden darunter sollten gemieden werden.
- Bei Kontakt sollten Haut und Kleidung sofort gründlich gewaschen werden. Bei Beschwerden ist ein Arzt aufzusuchen.
- Hunde sollten unbedingt angeleint werden. Bei Kontakt sollte das Maul gründlich ausgespült und sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.
(Quellen: RBB, Tagesschau, Stadt Mittenwalde, Gemeinde Bozen) (fh)