Gefährliches Niedrigwasser: So abhängig ist die Industrie von Binnenschiffen - Golem.de
Der Rheinpegel hat den niedrigsten Stand seit 150 Jahren erreicht. Binnenschiffe können nicht mehr fahren. Wie relevant ist das?
- Gefährliches Niedrigwasser: So abhängig ist die Industrie von Binnenschiffen
- Was lässt sich gegen Niedrigwasser schon ausrichten?
Historisches Niedrigwasser am Rhein sowie niedrige Pegel(öffnet im neuen Fenster) an Elbe, Weser und Donau: Große Binnenfrachter können nur noch ein Viertel der üblichen Ladung aufnehmen oder gar nicht auslaufen. Gleichzeitig verliert der Transportsektor Binnenschifffahrt immer mehr an Bedeutung(öffnet im neuen Fenster).
Wie groß können die Probleme für die deutsche Wirtschaft sein, wenn gerade einmal 5 Prozent(öffnet im neuen Fenster) aller Güter mit Schiffen transportiert werden? Der Schienenverkehr, der doppelt so viel Ladung transportiert, und erst recht Lkw, die das 16-Fache bewegen, müssten hier doch problemlos einspringen können.
Doch die absoluten Zahlen täuschen, wie der Blick auf einen anderen Wert zeigt, die Tonnenkilometer(öffnet im neuen Fenster). Damit wird die Beförderungsleistung erfasst -und hier verliert der Straßenverkehr, der 85 Prozent aller Güter bewegt, deutlich an Dominanz. Sein Anteil liegt hier bei 60 Prozent, denn Lkw verkehren häufig auf kurzen Strecken. Binnenschiffe können so ihren Anteil verdreifachen, von einem Sechzehntel auf ein Sechstel der Güter im Vergleich zu Lkw.
Schiffe transportieren andere Güter
Binnenfrachter bieten darüber hinaus einen großen, zusammenhängenden Frachtraum, eignen sich also besonders für Schüttgut und Flüssigkeiten. Eingegrenzt auf diesen Bereich liegt die Binnenschifffahrt teils gleichauf mit dem Straßenverkehr, vor allem bei Kohle und Mineralölprodukten.
Diese werden zudem vornehmlich von den Häfen in Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam zu den Industrieparks entlang des Rheins transportiert, was aktuell kaum noch möglich ist. Binnenschiffe sind für die chemische Industrie und die Mineralölversorgung kaum wegzudenken.
Wie wichtig der Versorgungsweg ist, zeigt ein Blick auf 2018, als der Rhein ebenfalls kaum noch befahrbar war, sein Pegel aber höher lag als aktuell. Die Benzin- und Dieselpreise stiegen damals entlang des Rheins, weil die Versorgung auf Lkw umgestellt werden musste. Laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft sank die deutsche Wirtschaftsleistung damals insgesamt um 0,5 Prozent, womit auch diesmal mindestens zu rechnen ist.
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