Gegen alle Erwartungen: Wie Werder den überraschenden Heimsieg gegen Leipzig nun für sich nutzen will


Stand: 06.09.2026, 19:20 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Werder Bremen überrascht mit einem 3:1-Heimsieg gegen RB Leipzig. Jetzt soll die Stimmung nachhaltig besser werden. So will der Verein den Erfolg nutzen.

Bremen – Es war ein bemerkenswerter Vergleich, den Daniel Thioune am frühen Samstagabend plötzlich bemühte – ein Vergleich, der tief blicken ließ. Die nahezu beispiellose Untergangsstimmung, die bereits vor dem zweiten Spieltag im Umfeld des SV Werder Bremen geherrscht hatte, veranschaulichte der Cheftrainer eindrucksvoll, indem er das Heimspiel gegen RB Leipzig mit zwei enorm wichtigen Partien der vergangenen Rückrunde gleichsetzte, als es für Werder ums nackte Überleben ging.

„Ich bin jetzt sieben Monate hier“, sagte Thioune, „und in den Momenten, wo es am lautesten und schwierigsten war, hat die Werder-Familie immer zusammengehalten. Das war in der vergangenen Saison gegen Heidenheim und im Derby gegen den HSV der Fall. Und heute wieder.“ Sprich: In zwei existenziellen Abstiegsduellen und genauso im ersten Heimspiel der neuen Saison, was mehr als deutlich macht, wie wichtig dieser ebenso überraschende wie verdiente 3:1-Sieg des SV Werder Bremen über RB Leipzig war. Anders formuliert: Wirkte die Trainerdiskussion mancher Orten zwischen den Zeilen schon vornotiert, ist plötzlich die Zuversicht zurück. 90 starker Minuten sei Dank.

Niclas Füllkrug und Ludovit Reis feiern einen Treffer: Der SV Werder Bremen hat RB Leipzig überraschend geschlagen - eine Initialzündung?

Niclas Füllkrug und Ludovit Reis feiern einen Treffer: Der SV Werder Bremen hat RB Leipzig überraschend geschlagen - eine Initialzündung? © gumzmedia

Werder Bremen beeindruckt Trainer Daniel Thioune gegen RB Leipzig: „Damit haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt“

„Wir waren von der ersten Minute an da. Genauso wie das Stadion“, betonte Thioune, der beinahe selbst überrascht davon wirkte, was seine Mannschaft nach dem blutleeren 1:4 zum Auftakt beim SC Freiburg gegen Top-Team RB Leipzig für einen Auftritt gezeigt hatte. „Was die Jungs über 90 Minuten an Intensität auf den Platz gebracht haben, hat mich sehr beeindruckt. Es war der einzige Schlüssel, um Leipzig Paroli bieten zu können.“ Ein Schlüssel, der sich hinterher sogar in Zahlen ausdrücken ließ.

125,7 gegenüber 117,1 – so liest sich die Laufleistung beider Teams in Kilometern, Werder Bremen hatte rund achteinhalb mehr davon abgespult als der Gegner. „Damit haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt“, hielt Thioune fest, während Sportchef Clemens Fritz betonte: „Was mir besonders gut gefallen hat, waren Leidenschaft und Teamgeist. Wirklich ein Riesenkompliment an die Mannschaft. Sie hat einen Top-Job gemacht.“ Wohlgemerkt in einer Situation, als selbst kühnste Optimisten eine krachende Heimniederlage für deutlich wahrscheinlicher gehalten hatten. Die Mannschaft, das ließen nach dem Leipzig-Sieg mehrere Profis durchblicken, hat das angespornt. Und wie.

Initialzündung? Spiel gegen RB Leipzig für Werder Bremens Trainer Daniel Thioune „die neue Benchmark“

„Es war extrem viel Unruhe um den Verein herum, da ist sehr viel schlecht geschrieben worden“, sagte Werder Bremens Kapitän Marco Friedl, „das hat mich zum Nachdenken gebracht, denn es macht natürlich etwas mit uns.“ Dementsprechend habe die Mannschaft eine Reaktion zeigen wollen. Friedls Landsmann Marco Grüll, gegen Leipzig einer, wenn nicht der beste Bremer, drückte es noch drastischer aus: „Wir haben als Mannschaft in den letzten Monaten viel Scheiße gefressen und sind trotzdem eine Einheit geblieben. Jeder von außen wusste es anscheinend besser. Das Spiel gegen Leipzig hat jetzt gezeigt, dass wir jedem Gegner wehtun können, wenn wir füreinander da sind.“ So soll es nun weitergehen. Laut Thioune ist das RB-Spiel „die neue Benchmark“.

„Die Geräusche und Fragen aus dem Umfeld sind ja berechtigt. Nachdem was in den letzten Monaten los war, war es klar, dass die Erwartungshaltung an uns im Moment gering ist“, sagte der Trainer, der für sich selbst die Perspektive auf die Gemengelage gedreht hatte: „Es ist für uns ja auch eine Riesenchance. Jeder Sportler ist an der Ehre gepackt, die Einschätzungen und Erwartungen zu widerlegen.“ Gegen RB Leipzig sei das eindrucksvoll gelungen: „Jetzt muss es unser Anspruch sein, diese Leistung Woche für Woche abzurufen.“ Damit die schlechte Stimmung nicht bloß kurzfristig aufgehellt, sondern möglichst bald schon nachhaltig verschwunden ist. Niclas Füllkrug sieht im Leipzig-Spiel gar das Potenzial für eine Initialzündung bei Werder Bremen: „Es gibt uns das Gefühl, dass in jedem Spiel und gegen jeden Gegner etwas möglich ist für uns. Diesen Glauben musst du dir erst mal erarbeiten, und das haben wir jetzt.“ (dco)