„Gegeneinander ausgespielt“ – Offenbachs Freiwilligenzentrum übt Kritik an Ministerin
Stand: 14.07.2026, 18:00 Uhr
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Familienministerin Karin Prien hat eigene Ideen davon, wie Deutschlands Ehrenamt gefördert werden soll. Offenbachs Freiwilligenzentrum sieht einen Spaltungsversuch.
Offenbach – Man muss sich Ministerin Karin Prien (CDU) als Schmiedin vorstellen. An ihrer Esse im Bundesfamilienministerium erhitzt sie Reformen – und eine glimmt in diesen Tagen so heiß, dass sie bis nach Offenbach strahlt. Carolin Mauritz ist Mitarbeiterin des Freiwilligenzentrums an der Domstraße. Wenn es nach ihr geht, dann könnte Priens neuestes Projekt sogar das deutsche Ehrenamt verformen. Jedenfalls sagt sie: „Als Menschen, die von der Engagement-Förderung Ahnung haben, finden wir – es ist falsch, wie Frau Prien Freiwillige gegeneinander ausspielt.“
Auf Priens Amboss liegt nämlich das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, das Projekte gegen Extremismus und für Demokratiebildung in Deutschland fördert. Schon im März hatte Prien im Bundestag einen entsprechenden Arbeitsentwurf präsentiert: „Diese Bundesregierung macht Politik aus der Mitte für das ganze Land. Und das wird auch die neue Förderrichtlinie widerspiegeln“, sagte sie damals. Mit präzisen Schlägen hat sie das Programm entsprechend ihrer Vision zugerichtet – und eine schärfere, spitzere Version geschaffen.
Reform blendet bestimmte Ehrenamtliche aus
Jetzt steht fest: 2027 sinkt das Budget von „Demokratie leben!“ um einen zweistelligen Millionenbetrag. Vor allem aber hat Prien dem Programm eine neue Vokabel eingraviert: den künftigen Vorrang der sogenannten „Regelstrukturen“ nämlich. Bei ihrem denkwürdigen Einspruch im Bundestag erläuterte Prien schon vor Monaten, was sich hinter dem seltsamen Begriff verbirgt: Kitas, Schulen, die freiwillige Feuerwehr, Sportvereine oder die „Landjugend“.
Auch die kommunale Ebene des Programms, in Offenbach getragen durch die „Partnerschaft für Demokratie“, soll künftig stärker mit diesen Institutionen kooperieren. Es gehe eben um eine größere Breitenwirkung, heißt es. Dabei treibt das Ehrenamt eine lauernde Befürchtung um. Carolin Mauritz vom Freiwilligenzentrum sagt: „Was bedeutet die Reform eigentlich für den queeren Treff oder die lokale Gruppe von Omas gegen Rechts? Sie stehen für eine ganz andere Zielgruppe – die künftig ausgeblendet werden könnte.“
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Bei der Reform von „Demokratie leben!“, so lautet jedenfalls die Analyse von Carolin Mauritz, geht es um das Ganze – das Wesen des Ehrenamts. Dass persönliche Präferenzen zählen, daran lässt Feinschmiedin Karin Prien zugegebenermaßen keine Zweifel. Sie sei „allergisch“ gegen „identitätspolitische Ansätze, die sich in diesem Programm wiederfinden“, wird die Ministerin von der Deutschen Presse-Agentur zitiert. Von „zum Teil extrem selbstreferenziellen Gruppen“ sprach Prien. Und so ist es auch kein Wunder, dass deutschlandweit rund 200 Projekte, darunter von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, schon kommendes Jahr auf drastische Mittelkürzungen blicken – inmitten der bis 2032 laufenden Förderperiode.
Monika Pröse ist Geschäftsführerin von Offenbachs Freiwilligenzentrum. Mit Blick auf den Vorstoß von Bundesministerin Karin Prien sagt sie: „Grundsätzlich geht es in einer freiheitlichen Gesellschaft darum, auch Grautöne aushalten zu können. Das gehört zu einem guten Miteinander dazu.“ Ein Wert, der ihr beim von Prien verkündeten Wandel offensichtlich zu kurz kommt.
Zumal da noch eine Maxime von Pröse wäre, die weise wirkt, wenn mal wieder die sinkende Zahl der Ehrenamtlichen in Deutschland beklagt wird. „Wir sollten uns bewusst machen“, sagt Pröse, „dass es kein schlechtes Engagement gibt. Setzt sich jemand für eine Sache ein, dann hat sie Berechtigung.“ (von Julius Fastnacht)