Klopp übernimmt Schuld nach historischem Fehlstart


Fußball

„Geht zu 100 Prozent auf meine Kappe“: Klopp sauer nach Desaster gegen Griechenland

Das Heim-Debüt von Jürgen Klopp ging komplett in die Hose.
Witters

Der neue Bundestrainer muss bei seinem Heim-Debüt einen heftigen Rückschlag verkraften. In der Nations League kassiert das DFB-Team eine unerwartete Pleite.

Was für ein Fehlstart für Jürgen Klopp! Der neue Bundestrainer hat ausgerechnet bei seinem ersten Heimspiel eine heftige Enttäuschung erlebt – und mit dem 0:1 (0:0) gegen Griechenland in Augsburg einen historischen Fehlstart perfekt gemacht.

Nach dem 1:1 zum Auftakt in den Niederlanden blieb die deutsche Nationalmannschaft damit auch im zweiten Spiel unter Klopp ohne Sieg. Schlimmer noch: Noch nie ist ein Bundestrainer schlechter in seine Amtszeit gestartet.

Klopp selbst redete das Debakel anschließend nicht schön. „So ein Spiel ist Teil des Prozesses. Die Aufstellung, die Zusammensetzung, die vielen Wechsel - das geht alles zu 100 Prozent auf meine Kappe“, sagte der 59-Jährige nach der Partie.

Der Bundestrainer war sichtbar angefressen. „Das Spiel nicht zu gewinnen, damit hätte ich leben können – aber verlieren darfst du es nicht“, sagte Klopp am ARD‑Mikrofon. „Wir sind eine Woche zusammen, sind neu zusammengewürfelt, da brauchen wir Abläufe. Die waren irgendwann nicht mehr da.“

Deutschland erschreckend harmlos

Und genau das war über weite Strecken das große Problem. Deutschland hatte viel Ballbesitz, fand gegen den tief stehenden Gegner aber kaum Lösungen. Das Spiel nach vorn war langsam, statisch und über weite Strecken erschreckend ungefährlich.

Die WochenMOPO 39/26

Drei deutsche Magazine liegen auf rotem Hintergrund; in der Mitte steht „Hamburgs Justiz kollabiert“.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
• Wahlkampf in Meck-Pomm: Stoppt Manuela Schwesig die „blaue Welle“?
• Nach den Schanzen-Morden: Die Spur führt in die Niederlande
• 16 Seiten Sport: HSV-Zugang Møller Wolfe & St. Paulis Torjäger Ceesay sprechen Klartext
• 36 Seiten Rätsel und Kultur: Das Reeperbahn-Festival & Harbour Front macht Leseratten glücklich

Klopp hatte seine Startelf auf fünf Positionen verändert und sein XXL-Casting fortgesetzt. Der Preis dafür war unübersehbar: Spielfluss und Abstimmung fehlten, vor allem im letzten Drittel.

Die Entscheidung fiel schließlich in der 74. Minute. Dimitrios Kourbelis zog ab, DFB-Kapitän Joshua Kimmich fälschte den Ball unhaltbar für Alexander Nübel ins eigene Tor ab. Ein „Drecksding“, wie Klopp später sagte – aber eben auch eines, das eine deutsche Mannschaft an diesem Abend nicht mehr beantworten konnte.

Dabei hätte Griechenland sogar früher zuschlagen können. Wenige Minuten vor dem Gegentor stand Fotis Ioannidis plötzlich frei vor Nübel, schob den Ball aber am Tor vorbei.

Kimmich: „Zu statisch und zu wenig kreativ“

Auch die Spieler fanden nach dem Abpfiff deutliche Worte.

„Es war kein guter Auftritt von uns“, sagte Kimmich. Deutschland habe sich gegen den tiefen Block schwergetan. Sein Fazit: „Insgesamt war es zu statisch und zu wenig kreativ.“

Jonathan Tah wurde noch deutlicher: „Um ehrlich zu sein, haben wir es einfach nicht gut genug gemacht.“ Vor allem offensiv habe Deutschland zu wenig aus seinen Möglichkeiten gemacht: „Nicht genug Räume gezogen, nicht genug die Box bedroht.“

Torhüter Nübel benannte das Problem ebenfalls schonungslos: „Wir erarbeiten uns ein, zwei Chancen – alle außerhalb der Box.“ Deutschland habe viel Ballbesitz „in Zonen, wo wir den nicht brauchen“ gehabt. Sein Fazit: „Am Ende schießen wir einfach zu wenig aufs Tor in der Box.“

TV-Experte Bastian Schweinsteiger brachte den ernüchternden Abend auf einen drastischen Nenner: „Wir sind im Mittelmaß angekommen.“

Klopps riskantes Experiment geht schief

Dabei hatte Klopp bewusst auf Risiko gesetzt. Vor dem „Bettenwechsel“ im DFB-Quartier wollte er möglichst viele Spieler unter Nations-League-Druck testen. Unter anderem feierte Hoffenheims Bambasé Conté sein Debüt, auch Ex-HSV-Profi Josha Vagnoman, Yann Aurel Bisseck und Younes Ebnoutalib rückten neu in die Startelf. Später kam Hennes Behrens zu seinem ersten Einsatz.

Klopp verteidigte seine Entscheidungen. Er wolle in den vier Länderspielen „so viele Informationen wie nur möglich sammeln“. Die vielen Wechsel gingen deshalb „einhundertprozentig“ auf seine Kappe.

Doch die erste Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus: zwei Spiele, kein Sieg – und nun auch noch die erste Niederlage Deutschlands überhaupt gegen Griechenland.

„Fußball braucht Training“, sagte Klopp. Bislang habe es dafür kaum Zeit gegeben.

Viel Zeit bekommt er auch jetzt nicht. Am 1. Oktober wartet in München Serbien, drei Tage später steigt in Thessaloniki bereits das Rückspiel gegen Griechenland. Dann soll der zweite Teil von Klopps XXL-Kader ran.