Gerüchte über RWE und KKR: Gerangel um verstaatlichten Gaskonzern Uniper
Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper ist in der Gaskrise vor vier Jahren fast komplett verstaatlicht worden. Jetzt geht der Rückkehrprozess in private Hände in die spannende Phase. Eine Woche nach dem Ende einer ersten Abgabefrist für nicht bindende Gebote kochten am Dienstag Gerüchte über mögliche Interessenten hoch: Für die größte Überraschung am Markt und unter Arbeitnehmervertretern sorgte eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dort hieß es unter Berufung auf nicht genannte Quellen, die Beteiligungsgesellschaft KKR und der in Essen ansässige Energiekonzern RWE hätten sich für ein unverbindliches Angebot für den Versorger zusammengeschlossen.
Zumindest auf den ersten Blick wirkt dies wie eine klare Kehrtwende von RWE. Konzernchef Markus Krebber hatte noch im August vor Investoren gesagt, RWE habe „kein Interesse und keine Absicht, Uniper zu kaufen“. Allerdings war damals noch nicht von einem möglichen gemeinschaftlichen Gebot mit einem Finanzinvestor die Rede. Auch ist unklar, ob es bei den aktuellen Gerüchten darum geht, den ganzen zum Verkauf stehenden Uniper-Anteil zu erwerben oder ob es sich auch um ein mögliches partielles Engagement handeln könnte.
Am Dienstag wollten weder RWE noch KKR gegenüber der F.A.Z. einen Kommentar abgeben. Auch Uniper teilte mit, das Unternehmen wolle sich „weder zu möglichen Interessenten noch zu Spekulationen rund um den laufenden Reprivatisierungsprozess“ äußern. Der Aktienkurs von Uniper lag am Nachmittag mehr als fünf Prozent im Plus, allerdings sind extrem wenige Uniper-Aktien überhaupt noch im Streubesitz. Unipers Konzernbetriebsratschef Martin Geilhorn sagte der F.A.Z.: „Die neuen Gerüchte rund um ein Gebot von RWE und KKR kamen für uns als Betriebsrat überraschend. Ich finde diese Nachricht beunruhigend. Anscheinend ist nun ein Bieter, der angeblich schon aus dem Rennen war, doch wieder mittendrin.“
Der Staat will eine Sperrminorität behalten
Uniper ist einer der größten Energieversorger Europas und Deutschlands größter Gashändler. Das Unternehmen beliefert rund 1000 Stadtwerke und große Industrieunternehmen. In mehreren europäischen Ländern betreibt Uniper Kraftwerke. Der Energiekonzern war in der Gaskrise 2022 zu mehr als 99 Prozent verstaatlicht worden. Damals bewahrte der Bund Uniper mit einer Kapitalspritze in Höhe von 13,5 Milliarden Euro vor der Insolvenz. Die EU-Kommission machte zur Auflage, dass das Unternehmen bis zum Ende des Jahres 2028 zu mindestens 75 Prozent minus einer Aktie reprivatisiert sein muss. Die Bundesregierung hatte das entsprechende Verfahren im Mai dieses Jahres als zweigleisigen Prozess gestartet. Neben der Option, an einen strategischen Investor zu verkaufen, guckt sich der Bund eine Rückkehr von Uniper an die Börse (Re-IPO) als Möglichkeit an. Ein Anteil von 25 Prozent plus einer Aktie soll in Staatshand verbleiben.
Die Spekulationen rund um ein Gebot von RWE und KKR werfen auch wettbewerbsrechtliche Fragen auf. Immerhin ist RWE einer der größten Energiekonzerne Deutschlands und der Welt und produziert als international tätiger Erzeuger Strom aus Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie in konventionellen Kraftwerken. Das in Essen ansässige Unternehmen handelt auch mit Strom und Gas.
Eine juristische Bewertung sei schwierig, „da derzeit ja weder bekannt ist, wie das Konsortium von RWE und KKR genau strukturiert wäre, noch ob für den gesamten Uniper-Anteil geboten würde, der zum Verkauf steht, oder nur für einen Teil davon“, sagt der Energierechtsexperte Karl Holtkamp, Partner im Berliner Büro der Kanzlei Addleshaw Goddard. „Inhaltlich dürfte eine Freigabe in jedem Fall schwierig werden, weil beide Unternehmen bedeutende Betreiber konventioneller Kraftwerke sind. Zudem gäbe es im Gashandel sowohl horizontale Überschneidungen als auch vertikale Effekte.“ Das Bundeskartellamt habe die Marktmacht von RWE schon mehrfach öffentlich thematisiert. „Eine kartellrechtliche Freigabe dürfte jedenfalls mit Auflagen verbunden sein“, prognostiziert Holtkamp deshalb. „Das könnten dann beispielsweise Kraftwerksverkäufe sein oder Zusagen zum Gaszugang für Dritte.“
Arbeitnehmervertreter fordern: „Börsengang statt Verkauf“
Die aktuellen Gerüchte fügen sich ein in eine Reihe weiterer Spekulationen über mögliche Kaufinteressenten. In informierten Kreisen war die Rede von einem nicht bindenden Angebot des Finanzinvestors Brookfield Asset Management gemeinsam mit dem Canada Pension Plan Investment Board (CPPIB). Ebenfalls aus Finanzkreisen verlautete, die EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský habe sich an der ersten Bieterrunde beteiligt. In beiden Fällen soll es sich um Gebote für den gesamten zum Verkauf stehenden Anteil an Uniper handeln. In dem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hieß es außerdem, der norwegische Energiekonzern Equinor habe ein unverbindliches Angebot eingereicht. Vertreter der EP Group wie auch des kanadischen Konsortiums lehnten eine Stellungnahme ab. Equinor reagierte nicht auf eine entsprechende Anfrage.
Für Aufregung sorgten die Gerüchte unter Arbeitnehmervertretern von Uniper. „Egal ob Křetínský, RWE oder ein anderer strategischer Investor – wir sehen immer die große Gefahr, dass nach einem Einstieg eines strategischen Bieters das Unternehmen Uniper nicht als Ganzes fortbestehen wird“, sagte Gesamtbetriebsratschef Geilhorn, der sich auch schon in der Vergangenheit vehement für einen Re-IPO eingesetzt hatte. Es gebe ausreichend Interessenten dafür am Markt. „Als Arbeitnehmervertreter sagen wir ganz klar: Börsengang statt Verkauf.“ Da aber der IPO-Prozess aufwendig sei und etwas langsamer laufe, „haben wir natürlich Angst davor, dass die Bundesregierung sich irgendwann für den schnellen Verkauf entscheidet und auf der IPO-Seite gar nicht mehr weitermacht“.