Gesundheitsreform: „Angst ist kein Versorgungskonzept“


Zwölf Monate wurde verhandelt, gemessen an den Ankündigungen blieb das Ergebnis der im Juni präsentierten Gesundheitsreform jedoch überschaubar. So wurde etwa nichts aus der von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) angepeilten Finanzierung aus einer Hand.

Doch selbst der Minimalkompromiss wird sich schwer umsetzen lassen – zeigen sich doch einzelne Bundesländer wenig kooperativ. So warnen die SPÖ-Landeshauptleute in Kärnten und Burgenland gleich einmal vorsorglich vor einem angeblichen „Kahlschlag“ bei den Spitälern. Wie berichtet, sieht ein Expertenpapier die Umwandlung kleiner Standorte etwa in Fachärzte-Zentren vor.

„Wir brauchen etwas mehr Sachlichkeit in der Debatte, damit wir die Patienten und Mitarbeiter nicht verunsichern“, betont der steirische Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP). Er sieht die Gesundheitsreform, die unter anderem eine gemeinsame, verbindliche Planung der Versorgung durch Bund, Länder und Gemeinden vorsieht, durchaus als Chance, um das System in die richtige Richtung zu bringen.

Nicht ohne Selbstbewusstsein verweist er auf eine Reihe von Projekten in der Steiermark, mit der die Versorgung der dortigen Patienten bereits verbessert wurde. Sie könnten nun Vorbild für ganz Österreich werden, wenn es um die konkrete Umsetzung der Reformen geht.

Etwa bei der leidigen Frage der Versorgung von Gastpatienten aus Nachbar-Bundesländern, die seit Jahren für Streit zwischen Wien und Niederösterreich sorgt. Die Steiermark hat hingegen zuletzt eine Kooperation mit Oberösterreich über die Landesgrenze hinweg vertraglich abgeschlossen. Konkret geht es um die Versorgung von Spitalspatienten aus dem Bezirk Liezen in Bad Ischl. 3,8 Millionen Euro überweist die Steiermark dafür nach OÖ.

Spitäler in der Steiermark Grafik

Die steirische Klinik Bad Aussee, in der zuletzt nur mehr unter 500 Patienten operiert wurden, bekommt im Gegenzug andere Aufgaben. „Es geht einfach nicht mehr, dass wir für eine so geringe Zahl an Eingriffen die vollen Kapazitäten bereithalten“, sagt Gerhard Stark, Chef der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (Kages).

Geburtshilfe

Auf dem Gebiet der Geburtshilfe ist eine ähnliche Kooperation zwischen Schladming und dem nahen Schwarzach (Salzburg) geplant. „In Schladming gibt es nur mehr 90 Entbindungen pro Jahr. Es ist nicht erklärbar, dort eine eigene Geburtsklinik aufrechtzuerhalten“, sagt Kornhäusl.

Innerhalb der Steiermark wiederum würden verschiedene Spitalsträger untereinander kooperieren. So arbeite die landeseigene Kages in der urologischen Versorgung eng mit den Barmherzigen Brüdern zusammen, wodurch die OP-Wartezeiten verringert werden konnten.

Eine andere Variante ist die Verzahnung zwischen Spitälern und der niedergelassenen Versorgung: „In Deutschlandsberg hatten wir keinen Kassen-Kinderarzt mehr“, schildert der Landesrat. „Die Kages hat daher im dortigen Krankenhaus ein Kindergesundheitszentrum eingerichtet, das von der ÖGK bezahlt wird.“ Ähnliche Modelle gebe es auch in anderen Fächern, wo sich trotz Ausschreibungen kein Interessent für eine Kassenstelle findet.

Für den Alarmismus rund um die mögliche Schließung oder Umwandlung von kleinen, wenig effizienten Spitälern, wie es in Nachbar-Bundesländern praktiziert wird, hat Kornhäusl jedenfalls wenig Verständnis. „Angst ist kein Versorgungskonzept. Wer einen Standort einzufrieren versucht, gefährdet ihn, wer ihn weiterentwickelt, sichert ihn hingegen.“ Wobei man sich aber nicht starr an den Bettenzahlen orientieren dürfe, sondern jeden Standort einzeln vor Ort betrachten müsse.

Facharztzentren

Was die in der Gesundheitsreform geplanten Facharztzentren angeht, könnte die Steiermark eine Pilotregion werden, so Kornhäusl. Immerhin seien jetzt schon laut Regionalem Strukturplan drei dieser Zentren bis 2030 geplant: in Graz, im Norden von Graz und in der Weststeiermark.

Von der Regierung erwartet sich Kornhäusl, dass die geplanten Reformen rasch umgesetzt werden, damit die Menschen möglichst bald die positiven Effekte zu spüren bekommen.

kurier.at  |  21.07.2026, 7:00