"Alle sagen 'wow!'" - Drei Frankfurter Schulen ziehen in Bürokomplex
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"Neue Börse" in Frankfurt Gleich drei Schulen ziehen in riesigen Bürokomplex
In Frankfurt fehlen Schulen, doch für Neubauten gibt es kaum geeignete Flächen mehr. Abhilfe sollen Büro-Umwandlungen schaffen. Das größte Bauprojekt dieser Art ist jetzt abgeschlossen. Doch wie geeignet sind Bürokomplexe wirklich für den Schulbetrieb? Ein Besuch.
Die “Lateral Towers” beherbergen auf 46.000 Quadratmetern drei Schulen. Bild © CELLS Property Investors GmbH / Manuel Debus
Thorsten Schulz erinnert sich noch gut daran, wie skeptisch die Eltern am Anfang waren. "Das erste Jahr war hart, das will ich gar nicht leugnen." Schulz ist Schulleiter des erst Mitte 2024 gegründeten Stadtgymnasiums. Die neuen fünften Klassen starteten damals in einer Containeranlage.
Neben dieser Anlage am Industriehof im Frankfurter Westen ragten die "Lateral Towers" empor, ein riesiger Bürokomplex. Und damals vor allem: eine riesige Baustelle. Dort, das wussten Eltern und Kinder damals schon, würde die Schule einmal einziehen. Auch das gefiel nicht allen, sagt Schulz. "Die Familien haben sich natürlich schon gefragt: Unsere Schule in so einem riesigen Bürogebäude, wie wird das? Kann das klappen?"
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03:20 Min.|26.09.26, 19:30 Uhr|hr
Drei Schulen in früherem Börsengebäude
Bild © hr
"Wenn ich Kollegen hier durchführe, sagen alle 'wow!'"
Etwas mehr als zwei Jahre später ist für Thorsten Schulz klar: Es hat geklappt. Der Umbau ist abbgeschlossen. Schulz steht lächelnd in einem großen, hellen Raum im Erdgeschoss des Baus. Draußen rennen Kinder über die Wiese. Durch eine Glastür blickt man in die weitläufige Mensa, in der früher Börsenangestellte und Banker zu Mittag aßen. Jetzt sitzen dort Jugendliche plaudernd über ihren Nudeltellern.
Alles wirkt weitläufig, luftig, modern. Sehr viel moderner als in vielen anderen Frankfurter Schulen. Aus Großraumbüros sind Klassenzimmer, Fachräume und offene "Lernlandschaften" geworden. "Wenn ich Kollegen hier durchführe, sagen alle 'Wow, wow, wow!'"
Die Schülerinnen und Schüler sind bereits eingezogen. Bild © Alicia Lindhoff (hr)
Drei Schulen teilen sich 46.000 Quadratmeter
Ähnlich geht es den Schulleitern des Margot-Friedländer-Gymnasiums und der Julius-Leber-Berufsschule. Mit ihnen teilt sich das Stadtgymnasium das Gebäude. Kein Problem, bei 46.000 Quadratmetern Fläche. Eine der größten Büro-zu-Schule-Umwandlungen in ganz Deutschland sei das, sagt Frankfurts neuer Baudezernent Wolfgang Siefert (Grüne), der die drei Schulen zum Abschluss der Umbauarbeiten zusammen mit Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) besucht.
Gerade die beiden Gymnasien haben unter Frankfurter Familien in kürzester Zeit an Beliebtheit gewonnen. Anfangs waren noch viele der Schülerinnen und Schüler sogenannte "Zuweisungen". Das bedeutet, sie hatten die Schule nicht als Wunschschule angegeben. In diesem Schuljahr war es umgekehrt: Viele Eltern haben ihre Kinder bewusst hier angemeldet.
Das freut auch Bildungsdezernentin Weber. Es war ihre Idee, den Bürokomplex zu einem Schulstandort zu machen. Einst war hier die Frankfurter Börse untergebracht, bevor sie nach Eschborn (Main-Taunus) gezogen ist, später dann die Commerzbank.
So sah die “Neue Börse” im Jahr 2000 aus (Archivfoto). Bild © imago
Kritik an hohen Kosten
Webers Plan hat viel Kritik auf sich gezogen. Die Frankfurter CDU warnte noch 2023, in dem ehemaligen Bürobau drohe eine "Sardinenbüchsenhaltung" der Schülerinnen und Schüler. Das Revisionsamt dagegen kritisierte die Kosten für die Anmietung des Gebäudes bei einer privaten Immobilienfirma als unverhältnismäßig. 13 Millionen Euro kostet die Miete die Stadt jährlich, der Mietvertrag gilt für 30 Jahre.
"Natürlich ist das viel Geld", sagt Sylvia Weber. "Aber was hatten wir für eine Wahl?" Die insgesamt 3.200 Gymnasialplätze, die am Stadtgymnasium und am Margot-Friedländer-Gymnasium bis Anfang der 2030er-Jahre entstehen sollen, würden dringend gebraucht.
Und dass heute Kinder und Jugendliche in der ehemaligen Börse ein- und ausgehen, findet sie eine Lösung, die gut zu Frankfurt passt. Der neue Baudezernent Wolfgang Siefert geht davon aus, dass künftig weitere Gewerbeimmobilien zu Schulen umgebaut werden. "Frankfurt wächst, aber die Fläche wächst nicht mit."
Glasfronten sorgen für große Hitze im Sommer
In der Vergangenheit hatten Grüne und SPD beim Schulbau immer wieder Konflikte zum Teil öffentlich ausgetragen. Doch in Sachen "Lateral Towers" zeigen sich Siefert und Weber bei diesem ersten gemeinsamen öffentlichen Termin einig und konstruktiv. Das gilt auch für den einen großen Kritikpunkt, den insbesondere Eltern in den vergangenen Wochen an dem neuen Schulstandort geäußert haben: Wie viele Bürogebäude sind die "Lateral Towers komplett verglast. Das wirkt zwar modern und sorgt für spektakuläre Ausblicke aus den oberen Stockwerken. Es bedeutet aber auch, dass sich die Räume während Hitzewellen stark aufheizen.
"Bei hohen Temperaturen haben die Kinder ab zwölf Uhr regelmäßig hitzefrei", kritisiert Cornelia Gellings, Schulelternbeirätin des Stadtgymnasiums. Wegen der stehenden Hitze sei Unterricht ab mittags kaum mehr möglich gewesen. So ging es zwar vielen Schulen, doch es gibt einen Unterschied.
Anders als an fast allen anderen Schulen gibt es am neuen Schulstandort eine Klimanlage. Die früheren Büroangestellten arbeiteten hier in klimatisierten Räumen. Doch seit die Schulen eingezogen sind, darf die Anlage nicht genutzt werden. Die Eltern haben dafür kein Verständnis.
Klimaanlagen in Schulen nicht vorgesehen
Sylvia Weber und Wolfgang Siefert verweisen auf bestehende politische Richtlinien, die Klimatisierung in Schulen nicht vorsähen - aus finanziellen und ökologischen Gründen. Man sei aber mit Schulen und Eigentümerfirma "in guten Gesprächen" darüber, wie in künftigen Hitzesommern Abhilfe geschaffen werden kann, sagt Weber. Immerhin gebe es auf der Sonnenseite der "Lateral Towers" flächendeckend außenliegende Jalousien. Das ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit an Frankfurter Schulen.
Insgesamt überwiegt auch bei Elternbeirätin Cornelia Gellings die Freude über die "tolle Ausstattung" und die guten Lernbedingungen auf dem neuen Schulcampus. Doch die hohen Kosten für die Anmietung und der Konflikt um Glasfassade und Klimatisierung zeigen: Die Umwandlung von leerstehenden Bürogebäuden in Schulen kann funktionieren, hat aber ihren Preis.