"Guru": Psychothriller rund um einen Schnelltherapeuten


Film

"Guru": Psychothriller rund um einen Schnelltherapeuten

Regisseur Yann Gozlan erzählt die Geschichte eines charismatischen Selbsthilfe-Coachs effektvoll

Ljubiša Tošić

Eine Menschenmenge applaudiert, während zwei Männer im Vordergrund emotional umarmen. Die Szene wirkt intensiv und bewegend.
Pierre Niney als Matt Vasseur: Der Film zeichnet das Porträt eines dünnhäutigen Charismatikers, der sich in ein Monster der Empathielosigkeit verwandelt, um sein Geschäftsmodell zu retten.

In einer immer verrückter wirkenden Welt sind alle Waffen, die du brauchst, bereits in deinem Inneren. Hol tief Luft, Kraft schlummert in dir. Deine Willenskraft entscheidet, ob du Freude oder Schmerz lebst. Willkommen in der Showtherapie von Matt Vasseur!

Der Coaching-Star füllt Hallen. Seine Suggestivsprüche versetzen das Publikum in Euphorie, vermitteln den Eindruck, Lebenskrisen ließen sich mit einem kostenpflichtigen Schnellkurs überwinden.

Auch der schüchterne Julien (Anthony Bajon) ist innerlich bewegt. Der von Schlafstörungen geplagte Videospielprogrammierer findet in Matts Umarmung sogar den Mut, seinen sexuellen Missbrauch einzugestehen. Die Kursteilnehmer feiern ihn, tragen ihn auf Händen. Das Crowdsurfing, Finale seiner Schnelltherapie, endet mit Matt Vasseurs Heilsversprechen, wonach "die Zeit vor dir" wichtiger sei "als deine Vergangenheit!"

Szenen der Scheinheilung

Yann Gozlans Film Guru hat in solch Szenen der Scheinheilung, dank Pierre Nineys Intensivdarstellung als Coach, seine stärksten Momente. Die konzertartigen Massenveranstaltungen und ihre pseudoreligiöse Dynamik sind eindrucksvoll inszeniert. Umso härter wirkt auch ein Aufprall in der Realität; Programmierer Julien scheidet nämlich dramatisch aus dem Leben. Seine Überidentifikation mit Matt wurde dem Heiler lästig. Statt tröstender Umarmung gab er Julien nur kühl den Rat, einen weiteren Kurs zu buchen. Nähe kostet.

Zu diesem Zeitpunkt bröckelt bereits auch Matts Businesswelt: Politiker befragen ihn bezüglich der Regulierung seines unregulierten Coaching-Geschäfts, während eine Investigativjournalistin anonym sein Umfeld durchleuchtet. Gleichzeitig eskaliert ein ungelöster Konflikt mit seinem Bruder; die Beziehung zu Adèle (Marion Barbeau) zerbricht ebenfalls.

Guru ist insofern mehr als eine eindringliche Darstellung kollektiver emotionaler Katharsis, die nur kurz wirkt und deren Positivität toxisch anmutet, da sie in einen Kreislauf der Abhängigkeit führt. Der Film zeichnet auch das Porträt eines dünnhäutigen Charismatikers, der sich in ein Monster der Empathielosigkeit verwandelt, um sein Geschäftsmodell zu retten. Er greift immer skrupelloser in das Leben anderer ein.

Ist Matt nicht selbst ein zutiefst instabiler Charakter? In seinem privaten Trainingsraum hängt ein Hinweis, ein Plakat mit der Aufschrift "Berühre den Himmel – Peter Conrad live!". Conrad (Holt McCallany), Betreiber eines US-Coaching-Imperiums, hat offenbar einst auch Matt "erlöst". Nun soll Matt, bereits innerlich zerrüttet, in Las Vegas bei einer Megashow als Conrads Jünger auftreten. Gozlan inszeniert das Spektakel als Matts finalen, inneren Showdown. Guru bleibt natürlich vor allem ein Psychothriller, der an der Oberfläche der Coachingproblematik eher nur effektvoll kratzt. (Ljubiša Tošić, 7.8.2026)

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