„Hände weg von Fedorow“: Soldaten und Demonstranten stellen sich gegen Selenskyj
Stand: 17.07.2026, 17:59 Uhr
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In der Ukraine formieren sich Proteste gegen Selenskyj nach der Entlassung von Verteidigungsminister Fedorow.
Die überraschende Entlassung von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow setzt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj innenpolitisch unter Druck. In Kiew und mehreren anderen Städten gingen Menschen auf die Straße. Soldaten, Veteranen, Militärblogger und Vertreter der Zivilgesellschaft werfen Selenskyj vor, einen der wichtigsten Reformpolitiker im Krieg ohne überzeugende Begründung aus dem Amt gedrängt zu haben.
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Auf dem Iwan-Franko-Platz in Kiew versammelten sich am Donnerstag vor allem junge Demonstranten. Sie hielten Schilder mit Aufschriften wie „Hände weg von Fedorow“ und „Hört auf, den Sieg zu sabotieren“ hoch und riefen „Schande!“. Auch in anderen Städten gab es Proteste. Selenskyj erklärte später, er verstehe die Reaktionen der Bevölkerung und nehme sie wahr, wie die britische Rundfunkanstalt BBC berichtet.

Streit über Reformen und Armeeführung
Auslöser der Krise ist ein offener Machtkonflikt innerhalb der ukrainischen Militärführung. Fedorow erklärte auf einer Pressekonferenz, er habe Selenskyj vorgeschlagen, Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj und Generalstabschef Andrij Hnatow auszutauschen. Der Präsident habe ihm jedoch mitgeteilt, Syrskyj nicht ersetzen zu wollen. Zwar habe er anschließend versucht, mit dem General zusammenzuarbeiten, doch seien sämtliche Reforminitiativen blockiert worden, sagte Fedorow laut BBC.
Selenskyj bestätigte, dass es zwischen Verteidigungsministerium und Generalstab einen „systemischen“ Konflikt auf verschiedenen Ebenen gegeben habe. Syrskyj selbst äußerte sich nur knapp auf Telegram. Er schrieb, er werde sich weiter auf den Krieg und eine wirksame Strategie konzentrieren und wünsche Fedorow alles Gute.
Nach Angaben der ukrainischen Zeitung Kyiv Independent löste die Personalentscheidung scharfe Kritik in Militärkreisen aus. Der Veteran Dmytro Kosjatynskyj rief zu Demonstrationen auf und warf der Regierung vor, erfolgreiche Minister durch loyalere Personen zu ersetzen. Mehrere Offiziere und Experten äußerten die Sorge, dass laufende Reformen nun ins Stocken geraten könnten.
Fedorow verweist auf Bilanz seiner Amtszeit
Fedorow war erst im Januar Verteidigungsminister geworden. Zuvor hatte der frühere Digitalminister den Aufbau der ukrainischen „IT-Armee“ sowie das Drohnenprogramm des Landes vorangetrieben. Nach seiner Entlassung veröffentlichte er auf Telegram eine umfangreiche Bilanz seiner Amtszeit.
Darin nennt er unter anderem den Ausbau der ukrainischen Drohnenproduktion, Reformen im Beschaffungswesen, die Einführung neuer Programme zur Versorgung der Truppen sowie Fortschritte bei der Luftverteidigung. Außerdem verweist er auf den Abschluss eines Vertrags zur Beschaffung von Gripen-Kampfjets, erfolgreiche Tests eines ukrainischen ballistischen Raketensystems und internationale Militärhilfen in Höhe von umgerechnet rund 34,8 Milliarden Euro.
Mehrere frühere Berater Fedorows zogen nach seiner Entlassung Konsequenzen und legten ihre Ämter nieder. Der bekannte Aktivist Serhij Sternenko bezeichnete ihn laut Kyiv Independent als den „besten Verteidigungsminister der ukrainischen Geschichte“. Auch der Drohnenkommandeur Pawlo Jelisarow trat nach Angaben der BBC aus Protest von seinem Posten als stellvertretender Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe zurück.
Reaktion aus Moskau
Aus Moskau kam eine demonstrativ zurückhaltende Reaktion. Für Russland spiele es keine Rolle, wer das ukrainische Verteidigungsministerium führe, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS.
Entscheidend sei, dass jemand in Kiew bereit sei, Verantwortung zu übernehmen und die aus russischer Sicht notwendigen Entscheidungen für eine Verhandlungslösung oder ein Ende des Krieges zu treffen.
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg.
Quellen: BBC, Kyiv Independent, Telegram (Mychailo Fedorow), eigene Recherche.