Heuer wurden mehr Ölkessel verkauft – und weniger erneuerbare Heizungen


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Heuer wurden mehr Ölkessel verkauft – und weniger erneuerbare Heizungen

Neue Zahlen der Heizungsbranche machen sichtbar, wie die Wärmewende stockt. Branchenvertreter klagen über Unsicherheit – und geben der Politik dafür die Schuld

Benedikt Narodoslawsky

Während der Ölpreis steigt und die schwarz-rot-pinke Koalition um Details im Klimagesetz feilscht, ist die Wärmewende ins Stocken geraten. Das belegen die Verkaufsdaten der Vereinigung Österreichischer Kessel- und Heizungsindustrie (VÖK), die dem STANDARD vorliegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Verkäufe von Heizanlagen im ersten Halbjahr um ein Viertel eingebrochen. Laut VÖK sind alle erneuerbaren Systeme – von Pellets über Solar bis Wärmepumpe – zweistellig im Minus. Bei den fossilen Heizungen ergibt sich hingegen ein anderes Bild: Der Verkauf von Gasheizungen stagniert auf hohem Niveau. Und Ölkessel verzeichnen ein Plus von acht Prozent.

"Die Zahlen muss man relativieren. Acht Prozent von nichts ist immer noch nichts", verweist VÖK-Geschäftsführerin Elisabeth Berger auf die niedrigen absoluten Stückzahlen – nur 485 Ölkessel wurden im ersten Halbjahr verkauft. Anders verhalte es sich mit den 15.614 verkauften Gaskesseln in den ersten sechs Monaten des Jahres. Berger spricht von einem Revival. "Niemand glaubt noch an den kompletten Gas-Ausstieg in den nächsten 15 Jahren", begründet Berger. Und derzeit fehle oft noch eine praktikable Alternative, um Gasthermen zu ersetzen, wenn sie kaputtgehen.

Kleiner Schonstein auf einem Hausdach
Die Wärmewende ist eine der größten Baustellen in der heimischen Klimapolitik. Sie ist in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten.

Unter den erneuerbaren Heizsystemen führen nach wie vor die Wärmepumpen die Statistik an. Laut dem Verband Wärmepumpe Austria wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres insgesamt 17.997 Anlagen verkauft – um mehr als ein Viertel weniger als noch in der ersten Hälfte des Vorjahres. "Um die Klimaziele bis 2040 zu erreichen, brauchen wir pro Jahr 60.000 Wärmepumpen. 2026 werden wir unter 30.000 fallen", sagt Richard Freimüller, Präsident des Verbandes Wärmepumpe Austria. "Die Situation ist fatal." Den Grund für den Einbruch sieht er vor allem in der heimischen Förderpolitik.

"Müssen uns durchfretten"

Nach Rekordsummen in der türkisgrünen Vorgängerregierung hat die schwarz-rot-pinke Koalition die Mittel stark gekürzt. Im Vorjahr drosselte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) die maximale Förderquote für den Heizungstausch von 75 auf 30 Prozent. Für die Sanierungsoffensive, mit der der Bund Gebäudesanierungen und den Heizungstausch mitfinanziert, gab es heuer 360 Millionen Euro. Doch schon im Juli waren die Fördertöpfe leer.

Für kommendes Jahr sind weitere 360 Millionen budgetiert. Aber derzeit steht das System. "Das verunsichert die Leute. Sie haben Angst, dass sie Geld verlieren, wenn sie jetzt etwas machen", erklärt Freimüller. "Die nächsten Monate müssen wir uns wieder durchfretten."

Ein Mann mit Brille und Anzug spricht während einer Pressekonferenz. Er trägt ein weißes Hemd und eine rosa Krawatte. Der Hintergrund ist unscharf.
Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) drosselte die Förderungen für den Heizkesseltausch. Im Juli gab es kein Geld mehr für saubere Heizungen.

Die Beobachtung steht stellvertretend für die gesamte Branche. "Am Markt verursacht das ständige An- und Auslaufen der Förderungen Verunsicherung. Das führt zur Planungsunsicherheit in den Betrieben, weil sich Konsumentinnen und Konsumenten mit Investitionen zurückhalten", kritisiert Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich. "Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik überlegt, wie sie Stabilität hineinbringt." Prechtl-Grundnig fordert ein Wärmegesetz mit einem klaren Ausstiegspfad für fossile Heizsysteme. Die Halbjahreszahlen der VÖK betrachtet sie als "klares Zeichen dafür, dass es keine ausreichende Steuerung für die Wärmewende gibt."

Sowohl Prechtl-Grundnig als auch Freimüller erinnern dabei an den Entwurf des Erneuerbaren-Wärmegesetzes (EWG), den ÖVP und Grüne in der Vorgängerregierung bereits ausverhandelt hatten. Dieser sah einen langfristigen Ausstiegspfad für fossile Heizungen vor. Allerdings vollzog die ÖVP öffentlich einen Rückzieher. Statt des schrittweisen Auslaufens aller klimaschädlichen Heizungen untersagte die damalige Koalition schließlich nur noch fossile Heizungen im Neubau. Dabei hatte es dort bereits seit dem Jahr 2020 ein Verbot von Kohle- und Ölheizungen gegeben.

Grüner Gesetzesantrag

"Wir haben 1,4 Millionen fossile Heizsysteme und müssen jedes einzelne tauschen. Dazu brauchen wir gesetzliche Rahmenbedingungen, weil wir das mit Förderungen alleine nicht schaffen werden", sagt der Grüne Energiesprecher Lukas Hammer. Im Juli brachte er einen Gesetzesantrag ins Parlament ein, den die Abgeordneten im Wirtschaftsausschuss Anfang Oktober behandeln werden. Dieser baut auf jenem ambitionierten Entwurf auf, den die Grünen in der damaligen Koalition mit der ÖVP verhandelt hatten. Bis 2038 müssten Ölkessel stillgelegt werden, bis 2040 die Gasthermen. "Das Gesetz können wir sofort beschließen", sagt Hammer.

Die Zeit dränge, schließlich halte jede neu getauschte Gastherme Jahrzehnte. Und jede Verzögerung gefährde das Ziel, Österreich bis 2040 klimaneutral zu machen. Auf dieses Ziel hat sich auch die schwarz-rot-pinke Koalition im aktuellen Regierungsprogramm verständigt. Es soll demnächst im Klimagesetz festgeschrieben werden, über das die ÖVP, SPÖ und Neos derzeit allerdings noch verhandeln.

Ölvorräte schmelzen

Für jene Menschen, die sich heuer noch eine neue Ölheizung angeschafft haben, gab es gerade Hiobsbotschaften. Der Ölpreis erklomm den höchsten Wert seit vier Monaten – und er dürfte noch weiter steigen. Aufgrund des Iran-Kriegs würden die weltweiten Ölvorräte "in Rekordtempo schmelzen", erklärte die Internationale Energieagentur. (Benedikt Narodoslawsky, 11.9.2026)

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