Fall Christa Pike: Zum Tode Verurteilte bei Bewusstsein
Hinrichtung in Tennessee Fall Christa Pike: Zum Tode Verurteilte bei Bewusstsein
Teilen
- Nach ihrer gescheiterten Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee ist Christa Pike aufgewacht, wie ihre Anwälte mitteilen.
- Die wegen Mordes verurteilte US-Amerikanerin hat zwei Giftspritzen überlebt.
- Sie liegt seither im Spital.
Erst ein gerichtliches Tauziehen, dann Komplikationen bei der Vollstreckung: Die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren im US-Bundesstaat Tennessee musste vor etwa einer Woche abgebrochen werden. Pike wurde in kritischem Zustand in ein Spital im Raum Nashville gebracht.
Laut ihren Anwälten ist sie nun wieder bei Bewusstsein und spricht. Sie werde weiterhin intensivmedizinisch versorgt. Ihre Prognose sei noch unklar, mindestens sei aber mit einer langen Genesungszeit zu rechnen. Ihre Erholung ist laut Stellungnahme «medizinisch beispiellos».
Christa Pike war vor 30 Jahren für den Mord an einer damals 19-Jährigen zum Tode verurteilt worden.
Reuters/J. Miles Cary Knoxville News Sentinel
«Sie ist die einzige bekannte Person, die einen vollständigen Hinrichtungsversuch in den USA überlebt hat. Christa ist eine Überlebende und wird ihre Genesung Tag für Tag angehen», erklärten die Anwälte weiter. Pike sei zuvor bewusstlos gewesen und künstlich beatmet worden. Sie habe bei dem Hinrichtungsversuch schwere Schäden an den Armen erlitten, erklärten die Anwälte weiter. Nach wie vor sei sie mit Handschellen und Fussfesseln ans Spitalbett gefesselt.
Pikes Anwälte fordern, dass die Todesstrafe gegen die heute 50-Jährige aufgehoben wird.
Probleme bei der Giftspritze sind in den USA keine Seltenheit, doch der Fall von Christa Pike gilt als historisch. Nach Angaben des Death Penalty Information Center weist die tödliche Injektion unter den heute verwendeten Hinrichtungsmethoden die höchste Fehlerquote auf. Rund sieben Prozent der Hinrichtungen mit dieser Methode gelten als problematisch oder fehlerhaft.
Allerdings führten Pannen bislang meist dazu, dass die Exekution noch vor der Verabreichung der tödlichen Medikamente abgebrochen wurde, häufig, weil keine geeignete Vene gefunden werden konnte:
- Idaho (2024): Bei Thomas Eugene Creech brachen die Behörden die Hinrichtung ab, nachdem es ihnen trotz mehrerer Versuche nicht gelungen war, einen funktionierenden intravenösen Zugang zu legen.
- Tennessee (2026): Auch die Hinrichtung von Tony Carruthers wurde gestoppt, nachdem das Hinrichtungsteam die vorgeschriebene zweite Infusionsleitung nicht legen konnte.
- Arizona (2014): In anderen Fällen gelangten die Medikamente zwar in den Körper, führten aber zu einem langwierigen Todeskampf. Joseph Wood rang nach wiederholten Nachdosierungen der verwendeten Wirkstoffe fast zwei Stunden lang nach Luft, bevor er starb.
Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
SRF 4 News, 07.10.2026, 00:00 Uhr ; agenturen/busr;