Historische Hurrikan-Saison 2026: Wetterphänomen El Niño ist schuld


Historische Hurrikan-Saison 2026: El Niño ist schuld – trügerische Stille im Atlantik?

Stand: 23.09.2026, 20:03 Uhr

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Warmer Atlantik, kaum Stürme: Ein gewaltiges El-Niño bremst die Hurrikansaison 2026 so stark aus wie selten zuvor – Forscher warnen trotzdem.

Frankfurt – Eigentlich müsste die Atlantik-Hurrikansaison längst auf Hochtouren laufen. Mitte September markiert traditionell den Höhepunkt der Saison, in dem statistisch gesehen die meisten und stärksten Stürme entstehen. Doch 2026 ist alles anders: Bis weit in den September hinein hat sich im gesamten Atlantik kein einziger Hurrikan gebildet – ein Ereignis, das die zuständigen US-Behörden als historisch außergewöhnlich einstufen.

Hurrikan Melissa am 26. Oktober vor Jamaika: Auf Satellitenbildern ist das Auge gut zu erkennen.

Hurrikan Melissa am 26. Oktober vor Jamaika: Auf Satellitenbildern ist das Auge gut zu erkennen. © ZUMA Press Wire/imago

Nach Angaben der US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) und ihres National Hurricane Center (NHC) produziert eine durchschnittliche Atlantiksaison 14 benannte Stürme, davon sieben Hurrikane, darunter drei schwere Hurrikane. Bis zur Jahresmitte September 2026 hatte der Atlantik dagegen lediglich zwei bis sechs benannte Stürme hervorgebracht – Arthur und Bertha waren die ersten, später kamen Cristobal, Dolly, Edouard und Fay hinzu –, aber keiner davon erreichte Hurrikan-Stärke.

Hurrikansaison 2026 fällt aus: Forscher erklären, warum der Atlantik ruhig bleibt

Diese Entwicklung deckt sich mit den saisonalen Prognosen der Colorado State University (CSU), einer der weltweit führenden wissenschaftlichen Institutionen für Hurrikanforschung und -vorhersage. Das Forscher-Team erwartet nur noch eine „well below-normal“, also weit unterdurchschnittliche, Saison.

Als Hauptgrund für die außergewöhnliche Ruhe nennen sowohl NOAA als auch CSU das Klimaphänomen El Niño, das sich 2026 in einer besonders starken Ausprägung zeigt. Nach Angaben der CSU-Forscher erhöhen die ungewöhnlich warmen Wassermassen im äquatorialen Pazifik über atmosphärische Fernwirkungen die vertikale Windscherung über dem tropischen Atlantik und der Karibik erheblich.

Hurrikansaison 2026: NOAA und CSU senken Prognose mehrfach – El Niño als Ursache

Der Wirkmechanismus ist wissenschaftlich gut dokumentiert: Während El-Niño-Bedingungen verschiebt sich die sogenannte Konvektion im tropischen Pazifik nach Osten, was über die sogenannte Walker-Zirkulation zusätzliche Westwinde in der oberen Atmosphäre über dem Atlantik erzeugt. Diese verstärkte Windscherung reißt aufziehende tropische Wellen auseinander, bevor sie sich zu Stürmen organisieren können, und reduziert so die Sturmaktivität insgesamt.

Das Muster war unter Fachleuten im Vorfeld erwartet worden. NOAA senkte ihre Prognose im Saisonverlauf mehrfach: von ursprünglich acht bis vierzehn benannten Stürmen und drei bis sechs Hurrikane im Mai auf zuletzt sieben bis dreizehn Stürme mit nur noch zwei bis sechs Hurrikanen, davon höchstens zwei schwere Hurrikane.

Die Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Saison stieg dabei von ursprünglich 55 Prozent auf 75 Prozent NOAA. CSU reduzierte ihre Prognose im Jahresverlauf sogar mehrfach in Folge – von 13 benannten Stürmen im April auf zuletzt neun bis elf Stürme mit nur noch vier bis fünf Hurrikanen CSU Tropical Meteorology Project.

Warmer Atlantik, trotzdem wenig Stürme: Hurrikansaison 2026 mit historischem Ausmaß

Paradoxerweise ist der Atlantik selbst keineswegs kühl. Laut CSU liegen die Meeresoberflächentemperaturen in der Karibik und im tropischen Atlantik leicht über ihren langjährigen Mittelwerten. Diese Wärme liefert grundsätzlich Energie, die Stürme befeuern könnte – sie wird nach Einschätzung der Forscher jedoch von der El-Niño-bedingten Windscherung deutlich überkompensiert, sodass die stark unterdrückende Wirkung dominiert.

Auch weather.com, das seine Prognosen eng mit NOAA und CSU abstimmt, bestätigte bereits zur Saisonmitte, dass die Vorhersagen für 2026 auf eine deutlich unterdurchschnittliche Saison mit rund zwölf bis dreizehn benannten Stürmen und sechs Hurrikanen hindeuten – Werte, die im Jahresverlauf durch die tatsächliche Entwicklung noch weiter unterschritten wurden. Laut weather.com war der Start in die Hurrikansaison damit so spät wie noch nie seit Beginn der lückenlosen Satellitenüberwachung des Atlantiks im Jahr 1966.

Hurrikansaison 2026: Forscher warnen trotz Ruhe vor einzelnen schweren Stürmen

Sowohl NOAA als auch CSU betonen, dass die bisherige Ruhe keinen Rückschluss auf einen bevorstehenden, besonders aktiven Rest der Saison zulässt. Ein physikalischer Mechanismus, der „aufgestaute“ Sturmenergie später nachliefert, existiert nicht: Die Aktivität hängt an den jeweils aktuellen atmosphärischen Bedingungen – vor allem der Windscherung – und nicht an einem Kontingent, das sich zwangsläufig entladen muss.

Da die meisten Klimamodelle laut CSU davon ausgehen, dass der aktuelle El Niño seinen Höhepunkt erst gegen Ende der Saison im November erreicht, dürfte die unterdrückende Wirkung über weite Teile des restlichen Zeitraums bestehen bleiben.

Gleichzeitig warnen die Forscher ausdrücklich davor, aus einer insgesamt unterdurchschnittlichen Saison auf ein geringes Einzelrisiko zu schließen: Es brauche nur einen einzigen Hurrikan mit Landgang, um erhebliche Schäden zu verursachen, unabhängig von der Gesamtzahl der Stürme in der Saison NOAA. Die Atlantiksaison läuft offiziell noch bis zum 30. November – bis dahin bleibt, laut CSU, zumindest eine geringere Wahrscheinlichkeit für weitere, auch stärkere Systeme bestehen. Quellen: nhc.noaa.gov, tropical.colostate.edu, weather.com (bk)