Remo Oser ist der erste Laufentaler Regierungskandidat für Baselland
Historische Kandidatur Warum dieser Regierungskandidat für Baselland so historisch ist
Ein historischer Coup fürs Laufental: Erstmals seit dem Kantonswechsel 1994 von Bern zu Basel-Landschaft kandidiert ein Laufentaler für die Baselbieter Regierung. Die Mitte nominiert Remo Oser.
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23.10.2026, 19:32
So etwas gab es im Baselbiet noch nie: Dutzende Unterstützerinnen und Unterstützer aus dem Laufental fuhren mit Kleinbussen an den Parteitag der Mitte in Liestal. Die Mobilisierung war aussergewöhnlich. Das Laufental witterte die historische Chance, erstmals seit dem Kantonswechsel einen Laufentaler als Kandidaten für die Baselbieter Regierung ins Rennen zu schicken.
Der Coup gelang: Der 56-jährige IT-Unternehmer und ehemalige Gemeindepräsident von Röschenz, Remo Oser, setzte sich überraschend durch. Er will für die Mitte den Sitz von Regierungsrat Anton Lauber verteidigen.
Unterstützerinnen und Unterstützer aus dem Laufental reisten mit Extrabussen zum Anlass an.
SRF/Patrick Künzle
Der Laufentaler Oser setzte sich bereits im ersten Wahlgang gegen Parteipräsident Simon Oberbeck durch. Vom klaren Ergebnis zeigte sich selbst Oser überrascht: «Mit diesem Zuspruch habe ich nicht gerechnet. Dass es schon im ersten Wahlgang funktioniert hat, freut mich sehr», sagte Oser kurz nach der Wahl.
Mir liegt es am Herzen, dass wir in Liestal endlich auch vertreten sind.
Als Laufentaler brauche es durchaus Überwindung, sich für das höchste Exekutivamt des Baselbiets zur Verfügung zu stellen: «Mir liegt es am Herzen, dass wir in Liestal endlich auch vertreten sind.» Für das Tal sei dieser Schritt weit mehr als eine gewöhnliche Personalie, betont Oser. Die Region hat seit dem Anschluss an Baselland noch nie eine Kandidatur für den Regierungsrat gestellt.
Jubel in Laufen: In der Neujahrsnacht 1993/94 feierten Befürworterinnen und Befürworter des Kantonswechsels im Gymnasium Laufen den Übertritt des Laufentals von Bern zu Basel-Landschaft. Der Kantonswechsel trat am 1. Januar 1994 offiziell in Kraft.
Keystone/Michael Kupferschmidt
Das Laufental gehört erst seit 1994 zum Kanton Basel-Landschaft. Zuvor war die Region fast 180 Jahre Teil des Kantons Bern.
Obwohl das Laufental geografisch und historisch eng mit Basel verbunden ist, wurde es am Wiener Kongress 1815 zusammen mit den jurassischen Gebieten Bern zugeteilt. Als 1979 der Kanton Jura gegründet wurde, wurde das Laufental zur bernischen Exklave.
Die Frage der Kantonszugehörigkeit spaltete die Region über Jahre hinweg. 1983 lehnte die Bevölkerung einen Wechsel nach Baselland zunächst ab. Nachdem jedoch bekannt geworden war, dass die Berner Regierung heimlich Gelder an die Kampagne der Berntreuen gezahlt hatte, erklärte das Bundesgericht die Abstimmung für ungültig.
Kantonsfrage mittlerweile vom Tisch
In einer erneuten Abstimmung sprach sich das Laufental 1989 mit 51.7 Prozent knapp für den Kantonswechsel aus. Nachdem auch Basel-Landschaft und das Schweizer Stimmvolk zugestimmt hatten, wurde der Wechsel auf den 1. Januar 1994 vollzogen.
Mit dem Übertritt endete eine jahrzehntelange Auseinandersetzung um die politische Zugehörigkeit der Region. Heute gilt die Kantonsfrage weitgehend als befriedet.
Oser will jedoch nicht auf seine Herkunft reduziert werden. Entscheidend sei sein Leistungsausweis als ehemaliger Gemeindepräsident und Unternehmer. «Dass ich aus dem Laufental komme, das kommt dann einfach noch dazu», sagt er.
Symbolträchtiges Signal für das Laufental
Dennoch trifft die Kandidatur einen Nerv: Noch immer gibt es im Bezirk das diffuse Gefühl, im Gefüge des Kantons politisch eher am Rand zu stehen.
Historisches Bild von 1989: Heinz Aebi, Präsident der Laufentaler Bewegung, präsentiert Plakate für die Abstimmung über den Kantonswechsel. Auch Remo Oser engagierte sich damals bei der «Jungen Kraft Laufental» für den Anschluss an Basel-Landschaft.
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Pascal Bolliger, Stadtpräsident von Laufen, will zwar keine einzelne Kandidatur beurteilen. Die Vorstellung eines Laufentaler Regierungsrats im Baselbiet begrüsst er gegenüber SRF: Eine Vertretung der Region in der Exekutive wäre «ein sichtbares Zeichen dieser Zugehörigkeit» und könnte das Vertrauen in die kantonalen Institutionen stärken.
Diese Kandidatur zeigt, dass das Laufental definitiv im Kanton Basel-Landschaft angekommen ist.
Ähnlich äussert sich der Laufentaler SP-Kantonsparlamentarier Rolf Stöcklin. Eine Kandidatur aus dem Laufental zeige, «dass wir definitiv im Kanton Basel-Landschaft angekommen sind». Nach über 30 Jahren Kantonszugehörigkeit sei ein Regierungssitz für die Region überfällig.
Osers Kandidatur spaltet die Bürgerlichen
Im Kanton Basel-Landschaft treten die bürgerlichen Parteien bei Wahlen traditionell oft gemeinsam auf. Die Kandidatur von Remo Oser bringt dieses Bündnis nun jedoch ins Wanken. Die SVP verweigert dem Mitte-Politiker die Unterstützung, weil er ihr politisch zu weit links steht. «Ich sehe wirklich keine Möglichkeit, dass wir als SVP Herrn Oser unterstützen», sagt Parteipräsident Peter Riebli.
Zusätzlichen Zündstoff liefert die Niederlage von Mitte-Parteipräsident Simon Oberbeck. Er galt für viele Bürgerliche als Wunschkandidat für die Regierungsratswahlen. FDP-Präsident Melchior Buchs stellt deshalb die bisherige Zusammenarbeit infrage: «Wir müssen über diese Zusammenarbeit sprechen.»
Ziel ist der Einzug in den Regierungsrat des Baselbiets. Mit Osers Nomination steht die Mitte jedoch weitgehend allein da. Die übrigen bürgerlichen Parteien verweigern dem Laufentaler bislang ihre Unterstützung.
KEYSTONE/Georgios Kefalas
Für Oser dürfte das Rennen schwierig werden. Für einen Sitz in der Baselbieter Regierung reichen die Stimmen aus dem Laufental allein nicht aus. Der Mitte-Kandidat muss auch in den übrigen Regionen des Kantons Unterstützung finden.