Historischer Podestplatz: Felix Gall wird Gesamtdritter bei der Vuelta
Radsport
Historischer Podestplatz: Felix Gall wird Gesamtdritter bei der Vuelta
Für den Osttiroler ist es nach dem zweiten Rang beim Giro d'Italia das zweite Gesamtpodium bei einer Grand Tour 2026
Granada – Felix Gall hat sich seinen zweiten Podestplatz bei einer großen Radrundfahrt nicht mehr nehmen lassen. Der Osttiroler beendete die Vuelta a Espana am Sonntag nach der 21. und letzten Etappe über 112 km mit Start und Ziel in Granada als Gesamtdritter. Geschlagen geben musste sich der 28-jährige Decathlon-Fahrer nur dem Spanier Enric Mas und dem Slowenen Primoz Roglic. Auf den 31-jährigen Sieger fehlten ihm am Ende 2:44 Minuten, Roglic hatte einen Rückstand von 2:15 Minuten.
Am letzten Teilstück der 82. Auflage änderte sich an der Spitze der Gesamtwertung nichts mehr, in den Kampf um den Etappensieg griffen die Topfahrer nicht ein. Diesen sicherte sich der Norweger Tobias Halland Johannessen. Die Zeiten für die Gesamtwertung waren bereits vor der letzten Runde gut zehn Kilometer vor dem Ziel eingefroren worden. Damit kamen die Organisatoren dem Wunsch der Fahrer nach, die auf den gefährlichen Kurs hingewiesen hatten. Mas sorgte für den ersten spanischen Vuelta-Sieg seit Alberto Contador 2014. Der Mallorquiner profitierte davon, dass der klar in Führung liegende Superstar Tadej Pogačar auf der achten Etappe gestürzt war und aufgeben musste.
Zweiter Podestplatz bei Grand Tour
"Ich hatte während der gesamten Vuelta riesigen Spaß. Alles lief super, ich habe jeden Kilometer genossen", sagte Mas und fügte hinzu: "Ich habe in all der Zeit viele schwierige Momente erlebt, aber eine Vuelta zu gewinnen, ohne zu leiden, ist unmöglich. Man arbeitet darauf hin, einen solchen Tag zu erleben. Davon habe ich geträumt."
Sehr zufrieden konnte auch Gall sein, der nach dem zweiten Rang beim Giro d'Italia auch eine zweite Grand Tour in diesem Jahr auf dem Podest beendete. Der ehemalige Juniorenweltmeister konnte sich bei seinem höchstwahrscheinlich letzten Einsatz für den Decathlon-Rennstall einmal mehr auf seine große Stärke in den Bergen verlassen, mit der er auch seine Defizite im Zeitfahren kompensierte. Ein Etappensieg blieb ihm aber wie auch schon auf dem Weg zum historischen zweiten Rang beim Giro verwehrt. Im Mai hatte Gall 69 Jahre nach Adolf Christian bei der Tour de France den erst zweiten österreichischen Podiumsplatz bei einer der drei großen Rundfahrten erreicht.
Bevorstehender Teamwechsel und Rückkehr zur Tour
Setzt Gall seinen 2023 mit dem Königsetappensieg bei der Tour so richtig gestarteten Erfolgsweg weiter fort, darf der Wahl-Salzburger auch in den kommenden Jahren mit den Superstars um die wichtigsten Rundfahrtentitel kämpfen. Die mit Sturzverletzungen rekonvaleszenten Jonas Vingegaard und Pogačar sind im Vollbesitz ihrer Kräfte aber schon noch eine Stufe über ihn zu stellen.
Bei der Frankreich-Rundfahrt wird man Gall ziemlich sicher nächstes Jahr wiedersehen - und zwar in einem neuen Team. Die Verkündung seines kolportierten Transfers zu Lidl-Trek steht unmittelbar bevor. Für den finanziell und personell sehr stark aufgestellten Rennstall mit deutscher Lizenz soll Gall, ausgestattet mit einem sehr lukrativen Vertrag, in den kommenden Jahren auftrumpfen. Unterstützen wird ihn dabei weiterhin Gregor Mühlberger. Sein in Spanien durch einen Sturz verletzt ausgeschiedener Edelhelfer und Trainingspartner soll gemeinsam mit ihm wechseln.
Erfolgsfaktoren greifen ineinander
Mühlberger war ein sehr wichtiger Erfolgsbaustein in Galls fünfter Decathlon-Saison, in der er unmittelbar vor der Vuelta bei der gewonnenen Burgos-Rundfahrt seinen erst dritten Profisieg feierte. Die volle Konzentration auf zwei weit auseinanderliegende Saisonhöhepunkte und damit einhergehend lange Rennpausen erwies sich ebenso als goldrichtig. Als Basis für den Giro und die Vuelta absolvierte Gall, angeleitet von seinem Coach Stephen Barrett, ausgiebige Höhentrainingslager, die auch für viele andere Profis längst unverzichtbar sind.
Außerdem blieb Gall im Gegensatz zu Pogačar sowie den bei der Tour ausgefallenen Vingegaard und Florian Lipowitz von Sturzverletzungen verschont. Als Abschluss seines formidablen Rennjahres fährt er übernächste Woche noch das WM-Straßenrennen in Kanada. Die dort wartenden zahlreichen kürzeren Anstiege sind aber nicht sein Lieblingsterrain, obwohl er seine Bergaufspritzigkeit durch gezieltes Training heuer noch einmal deutlich verbessert hat. (APA, 13.9.2026)
Forum: 5 Postings
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.