Hitchcock-Rarität auf der Wiese: Nur drei dieser Oldtimer gibt es noch in Europa


Stand: 17.09.2026, 07:30 Uhr

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Hans-Wiili Leyendecker hat einen roten Fiat zum Miniatur-Feuerwehrauto umgebaut.

Hans-Willi Leyendecker hat einen roten Fiat zum Miniatur-Feuerwehrauto umgebaut. © Sabine Beisken-Hengge

Beim achten Oldtimer-Treffen in Siegertsbrunn knackte die Ausstellerzahl mittags bereits die 200er-Marke. Ein Besucher brachte den Sunbeam Alpine Roadster mit, den Grace Kelly im Klassiker fuhr.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – „Die Zweihunderter-Marke knacken wir gleich“, sagt Andreas Hafner, der die Aussteller registriert, bereits mittags um zwölf Uhr. Zum achten Mal hat die Krieger- und Soldatenkameradschaft Siegertsbrunn auf die Wiese beim Gemeindestadl an der Egmatinger Straße zum Oldtimer-Treffen geladen.

Michael Deuter ist Organisator des Oldtimer-Treffens. In die Restaurierung des Unimog hat er unzählige Arbeitsstunden investiert.jpeg

Michael Deuter ist Organisator des Oldtimer-Treffens. In die Restaurierung des Unimog hat er unzählige Arbeitsstunden investiert. © Sabine Beisken-Hengge

„Auf Facebook habe ich die Veranstaltung vor ein paar Jahren entdeckt, seitdem fahre ich immer wieder hierher“, erzählt einer der Autobesitzer. Was ihm gefällt: Man kann einfach kommen, eine Standgebühr wird nicht erhoben. „Mittlerweile ist es mehr als ein Geheimtipp, es spricht sich herum, weil es hier so familiär zugeht“, findet auch Hans-Willi Leyendecker aus Siegertsbrunn. Er wartet noch auf seine Söhne aus München.

Mittlerweile ist es mehr als ein Geheimtipp, es spricht sich herum, weil es hier so familiär zugeht.

Leyendecker liebt es seit Kindertagen, Altes wieder herzurichten. Ein besonderes Faible hat er für die Feuerwehr. Mitgebracht hat er deshalb ein Modell, bei dem die anderen Gäste sofort stehen bleiben: einen Fiat aus dem Jahr 1960, lackiert im originalen Rot der Floriansjünger. Leyendecker vergleicht die Farbe mit dem großen Bruder, der neben dem italienischen Klassiker steht, einem originalen Löschfahrzeug aus dem Jahr 1941, das zum Fuhrpark der Feuerwehr Siegertsbrunn gehört.

Mini-Feuerwehrauto, sogar mit Drehleiter

Leyendecker war selbst Besitzer eines großen Löschfahrzeugs. Irgendwann konnte er den Riesen nicht mehr unterbringen, ein kleinerer Ersatz sollte her. „Etwas, das in den Vorgarten passt“, hat Leyendecker schließlich im nahen Feldkirchen-Westerham gefunden. Leyendecker hat kräftig Hand angelegt. Dank seiner technischen Fertigkeit sieht der kleine Wagen mittlerweile tatsächlich wie ein Feuerwehrauto aus, obwohl er keins ist. Sogar eine Miniatur-Drehleiter ist auf dem Dach montiert. „Für die Kinder habe ich ihn mitgebracht“, sagt Leyendecker und blickt liebevoll auf seinen roten Oldtimer.

Auf dem Gelände vor dem Gemeindestadl wird es derweil immer voller. Zwischen glänzendem Chrom, alten Motorrädern und historischen Autos wird gefachsimpelt und gestaunt. „Da heute das Wetter so schön ist, kommen dieses Jahr auch viele Cabrios und Modelle, die sonst nicht ausgefahren werden“, sagt Michael Deuter, der das Oldtimer-Treffen organisiert. „Es ist unsere Hauptveranstaltung, über die wir unseren Verein finanzieren.“

Deuter selbst ist mit einem historischen Unimog von 1970 gekommen. „Mei, als ich den bekommen habe, war er in einem erbärmlichen Zustand, alles durchgerostet“, erinnert er sich. 2018 war das. „700 oder 800 Stunden habe ich reingesteckt“, sagt der geprüfte Meister für Land- und Baumaschinenmechatronik. Heute genießt er die große Resonanz und die Handwerks-Darbietungen im Stadlhof.

Modell wie aus einem Hitchcock-Klassiker

Immer wieder rollen besondere Fahrzeuge auf das Gelände. Darunter ist ein blauer Sunbeam Alpine Roadster aus den Fünfzigern. Grace Kelly und Cary Grant lenkten im Hitchcock-Klassiker „Über den Dächern von Nizza“ das gleiche Modell durch die Kurven der Küstenstraße an der französischen Riviera. „Nur drei davon gibt es noch in Europa“, betont Alexander Pfreimer aus Haar.

Nachbarn auf dem Veranstaltungsgelände sind Klaus Schmid (l.) und Walter Stieglmair. Mitgebracht haben sie einen hellgrauen Opel P1 und einen Ford Granada. Die gelbe Farbe ist sogar noch die Original-Lackierung.

Nachbarn auf dem Veranstaltungsgelände sind Klaus Schmid (l.) und Walter Stieglmair. Mitgebracht haben sie einen hellgrauen Opel P1 und einen Ford Granada. Die gelbe Farbe ist sogar noch die Original-Lackierung. © Sabine Beisken-Hengge

Weniger mondän, dafür stilecht in Bikerjacke gekleidet, mag es Richard Zweckinger aus Trudering. Für seine Kawasaki 750 von 1975 erntet er viel Bewunderung. 1000 D-Mark hat sie ihn vor 40 Jahren gekostet, heute ist sie vermutlich deutlich mehr wert. Das Modell ist eine Ausgabe, die ausschließlich für den japanischen Markt bestimmt war. Etwa 15 Motorräder existieren davon noch, schätzt Zweckinger. Ihm ist der Wert egal. Er pflegt seine Maschine, fährt sie aber auch regelmäßig. „Das macht einfach Spaß.“

Auch Klaus Schmid und Walter Stieglmair haben Freude an ihren Oldtimern. „So einen ist mein Vater gefahren“, sagt Stieglmair mit Blick auf Schmids hellgrauen Opel Rekord P1 von 1961. Schmid fuhr das Modell schon als junger Mann und hat es sich später wieder gekauft. Stieglmair ist dagegen bereits beim vierten Ford Granada. Sein gelber Wagen von 1975 trägt noch die Originalfarbe.

„Demnächst haben wir keinen Platz mehr auf der Wiese“, sagt „Parkeinweiser“ Wilhelm Heinz von der Krieger- und Soldatenkameradschaft. Den Ferrari, den man schon von Weitem am Motorengeräusch erkennt, lässt er aber gerne noch aufs Veranstaltungsgelände.